Sport : Tennis Borussia: Die Fahrkosten plus ein paar Millionen

Karsten Doneck

Winfried Schäfer hat kürzlich in einem Fernsehinterview noch mal klargestellt, dass er auf die ihm einst zugesagten Fahrkostenzuschüsse, rund 5000 Mark, auf keinen Fall verzichten werde. Bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, dem Fußball-Regionalligisten Tennis Borussia, rufen solche kleinkrämerischen Forderungen des Ex-Trainers nur noch mitleidiges Kopfschütteln hervor, geht es doch am nächsten Mittwoch vor dem Arbeitsgericht in Berlin-Tiergarten um viel höhere Summen. Schäfer fordert aus seinem Arbeitsverhältnis mit TeBe noch 4,1 Millionen Mark an ausstehenden Gehältern, der Klub seinerseits bot ihm maximal 850 000 Mark an. Der Vorsitzende Richter am Arbeitsgericht tüftelte bei der ersten Verhandlung am Nikolaustag des vorigen Jahres einen Vergleich aus: 1,2 Millionen Mark lautete der Vorschlag, der beide Seiten zufrieden stellen sollte. Schäfer akzeptierte, TeBe hingegen machte vom Widerrufsrecht Gebrauch. Mittwoch will nun der Richter sein erstinstanzliches Urteil verkünden.

Als das Arbeitsgericht unlängst im Rechtsstreit zwischen dem Profi Sergej Kirjakow und Tennis Borussia meinte, mit einer Zahlung von 430 000 Mark sei ein beiden Seiten gerecht werdender Kompromiss gefunden, legte der Verein später auch dagegen sein Veto ein. Am 16. März wird nun im Falle Kirjakow eine Entscheidung getroffen.

"Dieser Widerruf ist doch ein ganz normales juristisches Mittel", rechtfertigt Vorstandsmitglied Michael Plassmann, selbst Jurist, das Verhalten des Vereins. Indes: Gerüchte kursieren. Eines davon lautet, dass die Göttinger Gruppe, der Hauptgeldgeber bei TeBe, die Prozesse in die Länge ziehen wolle, zumindest bis zum Saisonende. Und sollte die stark abstiegsgefährdete Mannschaft, die heute beim KFC Uerdingen ihre erste Partie nach der Winterpause bestreitet, den Klassenerhalt nicht schaffen, könnte man TeBe ja kurzerhand einem Konkurs anheimfallen lassen. Einem "nackten Verein" könnten auch Schäfer und Kirjakow nicht mehr in die Tasche greifen. "Abenteuerlich", nennt Plassmann derlei Spekulationen und begründet: "Wir verfügen schließlich über stattliche Vermögenswerte."

Bleiben halt die Bedenken, TeBe stecke aktuell in Zahlungsschwierigkeiten. Doch auch da widerspricht Plassmann: "Wir kennen das Prozessrisiko. Es gibt Rücklagen." TeBe habe ja sogar in der Winterpause noch mal neue Spieler gekauft. Allerdings im Discountladen Osteuropa. Suwary (Polen), Petrow (Bulgarien) und Zikovic (Kroatien) heißen die Neuen. "Die belasten den Etat nicht allzu sehr", meint Plassmann. Jeder der Neuen soll angeblich unter 10 000 Mark im Monat verdienen.

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