Sport : Tennis Borussia: Ein kleiner Beitrag zu Butts Karriere

Karsten Doneck

Um ihn herum herrschte ausgelassene Fröhlichkeit. Knapp 15 000 Menschen feierten, freude- und manche auch biertrunken. Am Rande jedoch hockte dieser junge Bursche, hielt das Haupt gesenkt, sein Gesicht blieb hinter dem langen, pechschwarzen Lockenschopf verborgen. Was in diesem Mann vorging, war unschwer zu deuten. Taskin Aksoy - eigentlich ein gestandener Fußballer, aber in jenem Augenblick ein einziges Häufchen Elend. Seine Mannschaft hatte gerade eben beim VfB Oldenburg mit 1:2 nach Verlängerung verloren und war damit haarscharf am Zweitliga-Aufstieg vorbeigeschrammt. Ein 2:2 hätte Tennis Borussia an jenem 9. Juni 1996 nach oben befördert. Aksoy hatte jenes Tor auf dem Fuß, setzte aber in der 104. Minute gegen die stark ermüdeten Oldenburger einen Foulelfmeter in der Wiederholung an den Pfosten. Den ersten Schuss hatte er noch sicher verwandelt. Im VfB-Tor stand damals übrigens - Hans-Jörg Butt, jetzt Hamburger SV.

"Ich habe das relativ schnell verarbeitet und würde in einer ähnlichen Situation wieder die Verantwortung übernehmen", sagt Aksoy heutzutage. Verantwortung muss er jetzt in der Tat übernehmen, aber anderweitig: Mit seinen 33 Jahren gehört der Abwehrspieler zu den wenigen Routiniers in der im Neuaufbau befindlichen Regionalliga-Mannschaft von Tennis Borussia. Aksoy ist sich dieser Last auf seinen Schultern durchaus bewusst. "Wir stecken in einer recht schwierigen Situation", erklärt er. "Was unser Leistungsvermögen angeht, bin ich selbst im Moment noch etwas ratlos."

Taskin Aksoy, gebürtiger Berliner, war zwischenzeitlich für zwei Jahre aus der Stadt verschwunden. Mit der etwas knorrigen Art von Trainer Hermann Gerland konnte er sich nicht anfreunden. Da kam 1997 ein Angebot aus der Türkei gerade recht. Der Wechsel zum Erstligisten Kocaelispor, seinerzeit noch vom Deutschen Holger Osieck trainiert, bedeutete für Aksoy zudem einen mächtigen Karrieresprung. Den Höhepunkt bildeten für ihn dort die vier Einsätze im Europapokal der Pokalsieger. Zuerst gegen National Bukarest (2:0, 1:0), und "dann sind wir durch ein 1:2 und 0:0 ganz unglücklich gegen Lokomotive Moskau ausgeschieden", erzählt er.

Von Kocaelispor stieg Aksoy hinab in die zweite türkische Liga zu Kayserispor und entschied alsbald, endgültig in der Türkei bleiben zu wollen. Solche festen Vorsätze sind im Leben eines Fußballers aber auch dazu da, um in der Not schnell über den Haufen geworfen zu werden. Die Not bestand bei Aksoy darin, dass ihm der Einzug zum Militärdienst drohte. Der dauert in der Türkei 18 Monate und "so lange wollte ich von meiner Frau und den beiden Kindern nicht getrennt sein", sagt er.

Aksoy kehrte also im Sommer 1999 nach Berlin zurück, wollte sich bei den Amateuren von TeBe "nur ein bisschen fit halten", wie er sagt. Robert Jaspert, der Trainer bei den TeBe-Amateuren, schaute sich das eine Weile an, dann fragte er, ob Aksoy nicht Lust hätte, wieder zu spielen. Er hatte Lust. Und bewährte sich bei den TeBe-Amateuren so, dass er wieder ins erste Glied rückte.

Die Angst des Schützen vor dem Elfmeter ist bei ihm längst verflogen. Den Fehlschuss von Oldenburg, der ihm in Berlin anhaftet wie eine Klette, nimmt er inzwischen auch mit einer gewissen Portion Humor. Schließlich gehören zu jedem ordentlich ausgeführten Elfmeter ja auch zwei Männer: der Schütze und der Torwart. Und über sein damaliges Vis-à-vis Hans-Jörg Butt sagt Aksoy mit einem Augenzwinkern: "Immerhin kann ich mich ja rühmen, auch ein ganz klein wenig zu Butts Karriere beigetragen zu haben."

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