Sport : Tennis Borussia: Ein teures Missverständnis

Claus Vetter

Es könnte endlich einmal eine positive Nachricht sein für Tennis Borussia: Der Berliner Fußballklub, der vor einem Jahr noch in die Champions League wollte und nun als Tabellenletzter der Regionalliga Nord vor dem Sturz in die Viertklassigkeit steht, trennte sich gestern von seinem früheren Hauptsponsor, der Göttinger Gruppe. Das Ende einer fünf Jahre währenden Liaison kam früher als angekündigt. Vor wenigen Wochen noch hatte Geschäftsführer Michael Plassmann verlautbart, dass man sich erst zum 30. Juni von dem dominanten Geldgeber trennen wolle. Die Trennung gibt Tennis Borussia nun die Chance, andere Sponsoren aufzutreiben.

Laut Plassmann ist zwischen Klub und Göttinger Gruppe hinsichtlich der Trennung juristisch "alles fixiert". Das Unternehmen wird sämtliche Anteile von TeBe an der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) sowie deren Schulden übernehmen. Zudem erhält die Göttinger Gruppe die Villa in der Heerstraße. Das Grundstück in Niederschönhausen bleibt dagegen im Besitz von Tennis Borussia.

Rund 70 Millionen Mark hat die in finanziellen Schwierigkeiten steckende Göttinger Gruppe während ihres Engagements in den Klub gepumpt. Bei dem Finanzunternehmen träumten die Aktionäre einst vom Durchmarsch aus der Regionalliga in die Bundesliga. Erst dann winke die Aussicht auf eine Dividende, sagte Ex-Präsident Kuno Konrad noch vor gut drei Jahren. Doch der Geldregen kam nicht. Spätestens nachdem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Berlinern vor dieser Saison aufgrund fehlender Bürgschaften von Seiten der Göttinger Gruppe die Lizenz für die Zweite Bundesliga verweigerte, begannen die Probleme. Der Etat wurde gekürzt, Spielergehälter wurden nicht mehr gezahlt, das Chaos war perfekt.

Nun will man laut Plassmann für den Rest der Saison ein Sanierungskonzept erarbeiten. "Wenn dies alle mittragen", sagt der Geschäftsführer, "kommen wir finanziell über die Runden und können kommende Saison einen Neuanfang machen." Solvente Anhänger sollen dafür sorgen, dass der Etat für die Oberliga gesichert wird. "Viele haben gesagt, dass sie helfen würden, wenn die weg sind", sagt Plassmann, "ich hoffe, dass das keine Lippenbekenntnisse sind." Momentan wird bei den Berlinern auch auf der Geschäftsstelle "für einen Null ouvert" gearbeitet, wie es gestern ein Mitarbeiter formulierte. In den kommenden Tagen will man die Angestellten informieren, ob es überhaupt weitergeht.

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