Sport : Tennis Borussia gibt seinen Stürmer nicht frei

Karsten Doneck

Bei Ilija Aracic fackelte Tennis Borussia nicht lange. Der Stürmer wollte den Verein unbedingt verlassen. Also wurde er an Hertha BSC verkauft. Mitten in der Saison. "Was nützt uns ein unzufriedener Spieler?" fragte TeBe-Manager Jan Schindelmeiser rein rhetorisch. Gar nichts, sollte die Antwort wohl lauten.

Rund zehn Monate sind seither ins Land gezogen. Und dem Berliner Fußball-Zweitligisten droht jetzt eine Kopie des "Falles Aracic". Nur heißt der Stürmer, der nach Luftveränderung strebt, jetzt eben Sasa Ciric. "Die Sache ähnelt sich in der Entwicklung", gibt TeBe-Trainer Winfried Schäfer zu. Auch Ciric hat bei seinem Arbeitgeber wegen einer Freigabe nachgesucht. Mit durchaus ehrenwerten Absichten. "Ich will mein Geld nicht auf der Ersatzbank absitzen", soll Ciric gesagt haben. Hinter Rösler und Kirjakow war Ciric zuletzt nur noch dritte Kraft im Sturm. Er sehe für sich bei TeBe keine Perspektive mehr, schlussfolgerte Ciric.

"Sasa wird den Verein nicht verlassen", bestimmt Schäfer kategorisch. Aber - siehe Aracic - was nützt TeBe denn ein unzufriedener Spieler? Erst einmal eine ganze Menge. Denn Rösler ist nach seiner Roten Karte aus dem Spiel gegen Cottbus (1:3) gesperrt. Am Montag (20.15 Uhr, Mommsenstadion) gegen Mönchengladbach stürmt also Ciric. Aber die "Auszeit" von Rösler dauert nicht ewig. Gestern wurde er vom DFB-Sportgericht für zwei Spiele gesperrt. Bald steht er wieder zur Verfügung. "Wenn Uwe zurückkommt, wird eben wieder etwas Anderes gemacht", flüchtet sich Schäfer bei dieser Aussicht eher ins Allgemein-Unverbindliche. Ciric wird wohl wieder auf die Ersatzbank verbannt. Doch damit mag sich der 31-Jährige nicht abfinden. Schließlich kam er mit der Empfehlung, für den in der vorigen Saison abgestiegenen 1. FC Nürnberg in der Bundesliga 13 Tore erzielt zu haben. Mehrere Erstligisten, darunter Hertha BSC, buhlten um ihn, TeBe bekam den Zuschlag, für stolze 3,9 Millionen Mark Ablöse. Ciric kassiert zudem ein fürstliches Gehalt.

Geld allein macht aber nicht glücklich: Nach dem 0:2 bei Greuther Fürth geriet Ciric ins Abseits. "Ich musste reagieren und habe die Elf zum Pokalspiel gegen Hertha geändert - und das passte dann optimal", sagt Schäfer. Gegen Hertha stürmten Rösler und Kirjakow. Und dabei blieb es. Vorerst. Schäfer wirft Ciric vor, er habe "eine Zeit lang nicht so trainiert, dass ich ihn unbedingt bringen musste". Und Ciric habe den Kopf nicht frei gehabt. Getrennt von seiner nach wie vor in Mazedonien lebenden Familie sei er in Berlin in kürzester Zeit zweimal umgezogen. Auch diese Belastung habe seine Leistungen negativ beeinflusst. Dennoch: TeBe gibt den Torjäger nicht frei. "Ich bin heilfroh, dass ich drei Stürmer mit diesen Qualitäten habe", betont Schäfer. Und über die Verwendbarkeit unzufriedener Stürmer denkt man bei TeBe seit Aracics Fortgang offenbar auch anders. Nachdem der Klub in der vorigen Saison Aracic verkauft hatte, ging es mit den "Veilchen" im Aufstiegskampf trotz schwächelnder Konkurrenz beharrlich bergab, der hastig als Aracic-Ersatz verpflichtete Geir Frigard erwies sich als Flop und sucht sein Glück inzwischen im französischen Fußball. Aber Jan Schindelmeiser erachtet einen Vergleich Aracic - Ciric ohnehin als unzulässig. Denn, so sagt er: "Es gibt niemals eine Pauschallösung."

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