Sport : Tennis Borussia heimst einen Erfolg ein - und keiner ist zufrieden

Karsten Doneck

Ansgar Brinkmann stand im Kabinengang des Mommsenstadions und wunderte sich. Die Fragen, mit denen ihn die Journalisten da nach dem Schlusspfiff konfrontierten, schienen so gar nicht zu dem just errungenen Ergebnis zu passen. Ob denn die Spieler nervös gewesen seien? Woran es lag, dass keine Linie ins Spiel kam? Ob die Mannschaft überhaupt reif sei für den Aufstieg? Brinkmann mag noch einmal kurz nachgedacht haben. Aber: Irrtum ausgeschlossen. Sein Verein, Tennis Borussia, hatte gegen RW Oberhausen tatsächlich gerade mit 1:0 gewonnen. Und dann prasselten Fragen auf ihn ein wie nach einer Niederlage. Brinkmann, selten um eine Antwort verlegen, stellte erstmal grundsätzlich fest: "Es stand ja auch noch ein Gegner auf dem Platz, auch bei dem spielen Profis." Schön und gut. Dem entgegen steht nur die Ansicht von TeBe-Manager Jan Schindelmeiser, der kürzlich stolz behauptete: "Wir haben von allen Mannschaften der Zweiten Liga das beste Spielerpotential."

Gute Spieler gleich gute Leistungen: Diese Gleichung geht bei TeBe noch längst nicht auf. Dabei kann sich die Bilanz bisher sehen lassen: Die Mannschaft ist nach sechs Spieltagen ungeschlagen, liegt nur einen Punkt hinter Spitzenreiter 1. FC Nürnberg. Also: Alles in Butter? Nein, das Zusammenspiel in der TeBe-Elf wirkt viel zu holprig, die personell enorm verstärkte Offensivabteilung kommt nicht auf Touren, die Abwehr zieht dem TeBe-Fan zu oft den Angstschweiß aus den Poren. Dass die Mannschaft neu zusammengestellt wurde und noch in der Findungsphase ist, kann zum Teil als Entschuldigung gelten, rechtfertigt aber längst nicht mehr jeden Fehlpass auf dem Platz.

Die Spieler ihrerseits verschanzen sich bei der Suche nach Gründen permanent hinter Floskeln. Hauptsache, gewonnen! Dieser Spruch taucht in unterschiedlichen Variationen wieder auf. "Wir müssen punkten - das zählt, mehr nicht", sagt zum Beispiel Cellaledin Kocak. Oder Abderrahim Ouakili, sein Kollege aus dem Mittelfeld, erzählt: "Ob die Leistung gut oder schlecht war, ist doch letztlich egal. Nur der Sieg ist wichtig."

Solche Siegermentalität schließt aber Schönspielerei nicht zwangsläufig aus. Trainer Winfried Schäfer klingt aber auch nicht gerade so, als sei ihm der Stein der Weisen vor die Füße gefallen. "Wir müssen noch cooler, noch abgeklärter werden, dürfen nicht so kompliziert spielen", sagt er. Schäfer plagen derzeit noch andere Sorgen. Es wird kolportiert, gegen RWO habe Brinkmann sich selbst eingewechselt, bevor Schäfer dazu das Zeichen gab. Das wiederum käme einem herben Autoritätsverlust für den Trainer gleich. Und es existieren andere Brandherde: Ehrgeizige Spieler wie Hamann und Melzig werden sich auf Dauer kaum mit ihrem Reservistendasein abfinden.

Die Lage ist vertrackt: TeBe helfen derzeit nicht nur Erfolge, sie müssen auch noch schön herausgespielt sein. "Wir müssen die vorhandene Substanz der Mannschaft in Souveränität umwandeln", fordert Schindelmeiser, ist aber diesbezüglich guter Dinge: "Das Schöne am Fußball ist, dass das Geschäft so schnellebig ist. Man kann das Bild, das entstanden ist, schon eine Woche später wieder gründlich revidieren." TeBe spielt am Sonntag übrigens bei Greuther Fürth.

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