Sport : Tennis Borussia: High noon für den Nicht-mehr-Zweitligisten

Karsten Doneck

Der Lizenzentzug sei endgültig, beharrt der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Einspruch zwecklos? Der Nicht-mehr-Zweitligist Tennis Borussia denkt da verständlicherweise anders, gibt sich zurzeit kämpferischer als die Mannschaft in manchem Punktspiel der abgelaufenen Saison. Gestern diskutierten Vorstand und Aufsichtsrat über vier Stunden lang die kritische Lage. Das Ergebnis der Beratung soll erst heute auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben werden. Fest steht, dass der Verein, anstatt als letzte Instanz das unabhängige DFB-Schiedsgericht anzurufen, lieber vor ein ordentliches Gericht zieht, um eine einstweilige Verfügung zu erreichen. Ziel ist es, dass TeBe bis zur abschließenden juristischen Klärung des Falles die Lizenz zurück erhält. Darüber hinaus soll, so Aufsichtsratmitglied Heinz Pietzsch, "das Gericht drei neutrale Gutachter als Wirtschaftsprüfer einsetzen, die entscheiden sollen, ob wir lizenzfähig sind". Der Fall Tennis Borussia wird vor dem Landgericht Frankfurt (Main) voraussichtlich am 14. Juni um die Mittagszeit verhandelt. High noon für TeBe!

Die Borussen sind bis dahin erst einmal zwangsversetzt in die Regionalliga, und stehen auch dabei unter Zeitdruck. Da für die Klubs der zweigleisigen dritten Liga erstmals ein Lizenzierungsverfahren stattfindet, muss TeBe innerhalb von 14 Tagen entsprechende Unterlagen einreichen. Und es geht darum, die vom Verein mit großen Hoffnungen ins Leben gerufene Kapitalgesellschaft auf Aktien (KGaA) wieder aufzulösen, weil der Verein unter dieser Konstruktion in der Regionalliga gar nicht spielberechtigt wäre.

TeBe-Vorstandsvorsitzender Erwin Zacharias streut nach wie vor ungetrübten Optimismus, der ihm auch als Hochnäsigkeit ausgelegt werden könnte. "Mit dem Thema dritte Liga beschäftigen wir uns gar nicht", ließ Zacharias verlauten, "wir werden das jetzt durchkämpfen." Und Heinz Pietzsch setzt sogar noch eins drauf. Er droht: "Wir müssen überlegen, ob wir nicht einen Schadenersatzprozess gegen den DFB führen."

Den Schaden hat zunächst jedoch TeBe. Zachraias schaltete offenbar auf stur, als der DFB vom Verein zusätzliche finanzielle Sicherheiten verlangte. Und zwar sollten die Borussen bis zum 31. Mai für eine Unterdeckung im Etat eine Bankbürgschaft über 20 Millionen Mark hinterlegen, die sich Monat für Monat um ein Zwölftel verringert hätte. TeBe reagierte bockig. Die Summe sei doch hieb- und stichfest abgesichert - und zwar durch die Göttinger Gruppe. Doch der Alleinfinanzier der Tennis Borussen steckt selbst in der Geld-Klemme. Das wiederum blieb den Herren des DFB nicht verborgen. Also wurden Sicherheiten verlangt von einem nicht der Göttinger Gruppe untergeordneten Bankhaus. Fraglich, ob sich TeBe überhaupt ernsthaft darum bemüht hat, diese Bedingung zu erfüllen.

"Der Verein hat Grundstücke und Immobilien im Wert von 22 Millionen Mark, die unbelastet sind oder zumindest nahezu unbelastet", so Heinz Pietzsch. In Niederschönhausen und in der Heerstraße stehen diese wertvollen Objekte. Dass dem DFB dieser kapitale Besitz nicht ausreicht, mag auch ein bezeichnendes Licht darauf werfen, wie wenig der DFB der Finanzkraft des TeBe-Sponsors "Göttinger Gruppe" noch traut.

An einem Zwangsabstieg der Tennis Borussen hängen auch etliche Arbeitsplätze. Rund 70 Beschäftigte hat der Verein in Festanstellung, etliche dieser Jobs würden in der Regionalliga wegrationalisiert. Bisher spürten die Angestellten unmittelbar nichts von Zahlungsproblemen der Göttinger Gruppe, pünktlich erhielten sie ihre Gehälter.

Die TeBe-Profis ihrerseits befinden sich in vertragslosem Zustand, können ablösefrei gehen und sogar noch Handgeld für sich herausschlagen. Für Winfried Schäfer wird es indes wohl kein Zurück ins Traineramt mehr geben. So oder so. Pietzsch sagt: "Die Verpflichtung dieses Trainers war einer der größten Fehler, die wir begangen haben."

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