Sport : Tennis Borussia: Im Stadium der Auflösung

Karsten Doneck

Der Blick auf die regionale Landkarte genügt. Die Reisen gehen künftig nach Neuruppin, Rathenow und Eberswalde. Vor drei Jahren wurde bei Tennis Borussia noch von der Champions League geschwafelt, doch die Realität spielt sich in der neuen Saison in der Fußball-Oberliga ab. Der Sponsor, die Göttinger Gruppe, ist über alle Berge, das Präsidium befindet sich im Stadium der Auflösung. In dieser misslichen Lage ruft der Verein am Donnerstag seine Mitglieder zur Versammlung. Tennis Borussia will - als Viertligist - einen Neuanfang, in ganz bescheidenem Stil. Das geht einher mit wichtigen personellen Veränderungen: Die Mitglieder sollen einen neuen dreiköpfigen Aufsichtsrat wählen. Zur Wahl stellen sich Klaus-Volker Stolle, früher schon mal TeBe-Präsident, und Axel Lange. Aus dem bisherigen Aufsichtsrat kandidiert nur Jörg Henschel erneut.

Jürgen Rinnewitz, letzter Vertreter der Göttinger Gruppe in diesem Gremium, hat seinen Rücktritt angekündigt, Heinz Pietzsch will sich in Zukunft nur noch als Ehrenpräsident für den Verein nützlich machen. Satzungsgemäß wird der neue Aufsichtsrat dann das Präsidium wählen, aus dem sich auch Michael Plassmann zum 30. Juni zurückziehen wird. Wer als Nachfolger des schon längst zurückgetretenen Erwin Zacharias neuer Präsident wird? Erster Anwärter ist der bisher schon zum Vorstand zählende Klaus Schumann.

Vor der Mitgliederversammlung hatte Tennis Borussia monatelang emsig Aufräumarbeiten zu leisten. Am meisten drückte dabei das Finanzproblem. Nach dem Ausstieg der Göttinger Gruppe musste TeBe bis zum Saisonende vier Monate finanziell überbrücken, und das bei monatlich anfallenden Fixkosten von rund 700 000 bis 750 000 Mark. Zwecks Kostendämpfung holte sich TeBe die Zustimmung von allen Angestellten, also auch von den Spielern, bis zum Saisonende auf ein Monatsgehalt zu verzichten. Zudem wurden langfristige Verträge mit Spielern "im gegenseitigen Einvernehmen" aufgelöst.

Das war freilich nur der erste Schritt, um den drohenden Konkurs abzuwenden. Der zweite Teil des Sanierungskonzeptes bestand in Geldbeschaffungsmaßnahmen. Und da kam TeBe zugute, dass die Göttinger Gruppe dem Verein ein wertvolles Grundstück in Niederschönhausen überlassen hat. "Mit dem Pächter dort konnten wir einen langfristigen Pachtvertrag schließen", sagt Michael Plassmann. Mit diesen Einnahmen und einem Kredit bei einer Bank in unbekannter Höhe kam Tennis Borussia über die Runden. Und Plassmann stellt beruhigt fest: "Jede Mark, die jetzt von außen reinkommt, fließt unmittelbar in den sportlichen Bereich. Wir brauchen uns kein Geld zu leihen, um irgendwelche Kredite zu tilgen."

Günstige Voraussetzungen also für den Neustart in der Oberliga. Aus aller einstigen Großsprecherei klug geworden, mag indes niemand vom sofortigen Wiederaufstieg reden. Plassmann sagt: "Der Verein steht jetzt auch sportlich erst einmal vor einem Jahr der Konsolidierung."

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