Sport : Tennis Borussia: TeBe kämpft um Ablösesummen

Karsten Doneck

Ende Juli, das erste Punktspiel stand bevor, hat Michael Plassmann klar Farbe bekannt. Konfrontiert mit der Frage nach dem Sponsor, stellte der Geschäftsführer von Tennis Borussia unmissverständlich fest: "Die Göttinger Gruppe ist der Partner an unserer Seite." Schön und gut. Dann aber kam der bedenkenswerte Zusatz: " ... auch in der kommenden Saison." Und dann?

Der Vertrag zwischen TeBe und dem Unternehmen aus der Finanz- und Versicherungsbranche läuft zum Ende der Saison 2000/2001 aus. Da sind zwar noch Optionen in das Vertragswerk eingebaut, aber ob die Göttinger Gruppe die wahrnimmt? Das ohnehin stets der Kritik ausgesetzte Unternehmen hat nicht zuletzt durch sein Engagement für den Fußball einen zusätzlichen schweren Imageschaden erlitten. Da war das sportlich miserable Abschneiden der hochdotierten TeBe-Mannschaft in der vorigen Saison und der anschließende Lizenzentzug wegen einer nicht eingereichten Bankbürgschaft über 26 Millionen Mark. Wahrlich keine Ruhmesblätter, auch für den Sponsor nicht. "Es gibt eine Antistimmung gegen die Göttinger Gruppe und damit auch gegen den Verein", sagt Heinz Pietzsch, Mitglied im TeBe-Aufsichtsrat. Und fügt rückblickend auf das Verfahren um den Lizenzentzug hinzu: "Der DFB will die Göttinger Gruppe raus haben aus dem Fußball, deswegen wurde der Verein brutal vorgeführt."

Was in der Tat der Fürsorgepflicht des DFB widerspricht: TeBe hat zur vorigen Saison für 11,5 Millionen Mark neue Spieler geholt. Der Verein, durch den Zwangsabstieg ohnehin schon hart bestraft, kann aber jetzt keineswegs einen Teil dieser Investition wieder eintreiben. Die Spieler dürfen ablösefrei wechseln. TeBe behilft sich momentan mit kleinen juristischen Tricks. So wurden zwölf ehemaligen TeBe-Profis, die längst in anderen Vereinen trainieren - wie Hilfiker (Ulm) oder Ciric (Eintracht Frankfurt) - Einschreibebriefe zugestellt, in denen sie aufgefordert wurden, beim TeBe-Training zu erscheinen. Auf diese Weise sollten die Spieler doch noch ablösepflichtig gemacht werden. "Durch den Lizenzentzug sind die Spieler ja nicht automatisch frei", meint Plassmann. DFB-Justiziar Goetz Eilers hält entgegen: "Das von TeBe zitierte Arbeitsrecht passt nicht für diesen Fall."

Die Göttinger Gruppe ist bei TeBe angetreten, um über den Fußball ihre Bekanntheit zu steigern. Das ist sicher gelungen, aber zuletzt nur noch begleitet von negativen Schlagzeilen. Logisch, dass darunter die Bereitschaft am weiteren Sponsoring leidet. "In dieser Saison wird mit Sicherheit nichts passieren", meint Pietzsch. "Wie es danach weitergeht, muss man sehen. Die Aussagen sind ja eindeutig. Sie wollen weitermachen." Und wenn nicht? Könnte TeBe überhaupt auf eigenen Füßen stehen? Pietzsch: "Warum nicht?"

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