Sport : Tennis Borussia: TeBe macht Weihnachtseinkäufe

Karsten Doneck

Auch die Temperatur war auf der Anzeigetafel vermerkt. In gelber Schrift auf schwarzem Untergrund. Gerade mal ein Grad plus wurde im Mommsenstadion gemessen. Doch nicht nur Regen und Kälte ließen die wenigen Anhänger des Fußball-Regionalligisten Tennis Borussia am Freitagabend frösteln. Da stand noch etwas anderes auf der Anzeigetafel, was sie erschauern ließ. Nämlich das Ergebnis: TeBe gegen SC Verl 1:2. Mit dieser zwölften Saisonniederlage überwintern die Charlottenburger unweigerlich auf einem Abstiegsplatz. Auch der durch den Trainerwechsel von Mirko Slomka zu Robert Jaspert erhoffte Effekt verpuffte nahezu wirkungslos. TeBe hat in fünf Spielen unter Jasperts Regie nur vier Punkte geholt - und schon dreimal verloren.

Sicher, der neue Trainer konnte nicht über Nacht die vorherigen Versäumnisse anderer ausbügeln. Die TeBe-Elf hinkt gerade konditionell der Konkurrenz hinterher, brach gegen Verl nach passabler erster Hälfte im zweiten Durchgang kräftemäßig völlig ein. Das ist nicht Jaspert anzulasten. Eher schon seinem Vorgänger Mirko Slomka - und noch weitaus mehr dem Präsidium, das vor der Saison um die Zweitliga-Lizenz kämpfte so wie Don Quichotte mit den Windmühlenflügeln, darüber hinaus aber den Aufbau einer konkurrenzfähigen Mannschaft für die Regionalliga völlig vernachlässigte. Eine ernsthafte sportliche Vorbereitung auf die Saison fand praktisch gar nicht statt. Unter diesem Defizit leidet TeBe jetzt noch.

"Wir haben sehr gute Fußballer, die aber ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben", hat Jaspert kurz nach seinem Amtsantritt auf die Frage geantwortet, ob denn Verstärkungen vonnöten seien. Der TeBe-Trainer selbst erlegte sich Maßhalten auf. "Keine Schnellschüsse!" beschied er das Präsidium. 39 Spieler hat TeBe in dieser Saison inzwischen eingesetzt. Es werden noch mehr. Jaspert mag sich neuerdings dem Thema Verstärkungen nicht mehr verschließen. "Vier Spieler, aber maximal", fordert er.

Ein Neuer wird wohl ein Altbekannter sein: Marco Tredup, der beim 1. FC Union nicht glücklich wird, steht ganz oben auf dem Wunschzettel. "Ich habe mit ihm gesprochen. Er kann sich vorstellen, wieder bei uns zu spielen", sagt Geschäftsführer Michael Plassmann. Aber noch verlangt Union eine zu hohe Ablösesumme, auch Tredup müsste seine Gehaltsvorstellungen reduzieren. TeBe ist auch nicht abgeneigt, Mittelfeldspieler Christian Fährmann aus der Wuhlheide nach Eichkamp zu lotsen. Alles eine Frage des Preises. Aber Jaspert betont eben auch: "Vorne liegt unser Hauptmanko. Wir brauchen Spieler, die kopfballstark, schnell und torgefährlich sind." Kriterien, die Tredup und Fährmann nicht erfüllen. Eher verhalten ist auch das Interesse am Ex-Herthaner Steffen Karl, der gegen Verl auf der Tribüne saß. "Er besitzt eine gewisse Erfahrung", sagt Jaspert zwar über den Routinier, "aber er hat auch einen großen Trainingsrückstand. Und außerdem wollen wir ja junge Spieler integrieren."

Noch vor Weihnachten will TeBe auf dem Spielermarkt zugreifen, wenngleich die Transferliste erst am 15. Januar schließt. Dann jedoch befindet sich TeBe bereits zu einem einwöchigen Trainingslager in Side. Mit einem Massenaufgebot von 45 Spielern reist TeBe in die Türkei. Allerdings können sich einige Akteure aus dem jetzigen Kader darauf gefasst machen, nicht dabei zu sein. Jaspert sagt: "Es gibt Spieler, die uns nicht weiterhelfen." Und Plassmann ergänzt: "Es ist immer einfacher, neue Spieler zu holen, wenn der ein oder andere weg ist. Das entlastet den Etat." TeBe hat blaue Briefe verschickt. Von den bisher 39 erprobten Spielern sollen bis zu acht aus dem Kader gestrichen werden.

Mit einem erneuten Abstieg mag sich bei Tennis Borussia übrigens derzeit noch niemand beschäftigen. Plassmann sagt: "Wenn wir uns jetzt Gedanken über die Oberliga machen, würden wir doch nur den Eindruck erwecken, dass wir Robert Jaspert den Klassenerhalt nicht zutrauen."

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