Sport : Tennis Borussia will den Schwung aus dem Pokal in die Zweite Liga mitnehmen

Benedikt Voigt

Es sah aus, als wollte Uwe Rösler seinen Arbeitstag schon nach 2 Minuten und 20 Sekunden beenden. So zügig war der Stürmer von Tennis Borussia nach seinem Treffer zum 1:0 seinen Mitspielern davon und dem Ausgang des Olympiastadions entgegen gestürmt. Doch Rösler hatte etwas zu erledigen, und dazu musste er bis zur Seitenauslinie spurten. Dort stand Trainer Winfried Schäfer, und ihm reichte der Angreifer demonstrativ die Hand. War das nun der Dank, dass Schäfer ihn immer wieder aufgestellt hatte, obwohl der Angreifer seit dem 6. August keinen Ball mehr über die Torlinie brachte? "Nein", sagte Rösler, "ich wollte zeigen, dass wir hier alle an einem Strang ziehen."

Es war ein Handschlag gegen die Kritik der letzten Wochen. Wie das Pokalspiel gegen Hertha BSC. "Wir wollten uns so präsentieren, dass die Negativberichterstattung ein Ende hat", sagte Trainer Winfried Schäfer. Das ist Tennis Borussia an diesem DFB-Pokalabend im lila-weiß geschmückten Olympiastadion gegen den Erstligisten Hertha BSC auch gelungen. "Wir waren die bessere Mannschaft", erklärte Trainer Winfried Schäfer und sein Gegenüber Jürgen Röber widersprach nicht. Der Hertha-Coach lobte den Zweitligisten sogar: "Tennis Borussia ist eine sehr starke Mannschaft - wenn man sie spielen lässt."

Und Tennis Borussia spielte. "Wir haben heute unser wahres Gesicht gezeigt", sagte Bruno Akrapovic, "jetzt muss auch die Zweite Liga dieses Gesicht von Tennis Borussia kennenlernen." Winfried Schäfer stellte erfreut fest: "Man hat heute in der Kabine gespürt, dass die Mannschaft dieses Spiel gewinnen wollte." Doch es reichte trotz der Treffer von Rösler und Walker nicht für einen erneuten Sieg im Derby, denn Hertha BSC erwies sich in den entscheidenden Momenten als cleverer. Während Ouakili freistehend zu Beginn der Zweiten Halbzeit den Führungstreffer vergab, nutzte Aracic auf der Gegenseite die erste Chance in der Verlängerung. "Da merkt man, dass Hertha eine Champions-League-Mannschaft ist, die reagiert in solchen Momenten einen Tick eher", sagte Schäfer.

Weil man aber den Gegner, der sonst gegen Mailand, Chelsea und Istanbul spielt, am Rande einer Niederlage hatte, schöpft Tennis Borussia neue Hoffung für die Zweite Liga. "Dass in der Mannschaft etwas steckt, hat sich doch heute gezeigt", erklärte Uwe Rösler. Erstmals begann der nun fast kahlrasierte Stürmer ohne Sasa Ciric im Sturm. "Aus taktischen Gründen", sagte Schäfer. Ciric, der zuletzt seine Teamkollegen kritisiert hatte, wollte sich dazu nicht äußern.

Im vergangenen Jahr hatte Tennis Borussia den Lokalrivalen im Pokal geschlagen und danach in der Zweiten Liga die Punkte leichtfertig vergeben. "Ich hoffe, dass es in diesem Jahr umgekehrt läuft", sagte Akrapovic. Mit der Niederlage gegen Hertha ist der erste Teil davon ja eingetreten. Doch am Sonntag kommen die Stuttgarter Kickers, und Tennis Borussia muss gewinnen, um den Anschluss an die Spitzengruppe nicht zu verlieren. "Ein ganz unangenehmer Gegner, die stellen sich hinten rein", fürchtete Rösler. Wie sich gegen Hertha wieder bestätigte, spielt Tennis Borussia dann am besten, wenn auch der Gegner sich um den Sieg bemüht.

Schäfer ist optimistisch. "Mit diesem Siegeswillen müssen wir in jedes Spiel reingehen", sagte der Trainer. Trotz der Niederlage gab er sich zufrieden. "Ich bin stolz darauf, was die Mannschaft heute gezeigt hat." Es störte ihn auch nicht, dass ein Journalist sagte: "Eine Frage bitte, Herr Röber". "Schäfer", antwortete der TeBe-Trainer gelassen, "Schäfer". Es war ein Abend, an dem man bei Tennis Borussia nachsichtig sein darf.

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