Tennis Borussia : Wolke sieben oder Pleite

Regionalligist Tennis Borussia kann sich nur durch die Hilfe eines Investors vor der Insolvenz retten.

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Berlin - Can Akgün kann jederzeit kommen. Er muss nur die Quittung unterschreiben, dann kriegt er sein Geld. Jetzt, sofort und auf der Stelle. „Türkiyemspor zahlt wenig, aber Türkiyemspor zahlt“, sagt Fikret Ceylan, der Manager des Berliner Fußball-Regionalligisten. Alles andere – eine Lüge! „Soll ich es Ihnen beweisen?“ Ceylan holt einen Stapel Papiere aus seiner Sakkotasche, er öffnet einen Briefumschlag und präsentiert die 50-Euro-Scheine. Das ausstehende Gehalt, das Akgün nach seinem Abschied noch bekommt. Einen Monat habe man offen gehabt, sagt Ceylan, aber jetzt sei alles bezahlt, sogar im Voraus. „Bis März haben wir Ruhe.“ Hätten Mannschaft und Vorstand sonst nach Side ins Trainingslager reisen können?

Auch Tennis Borussia, neben Türkiyemspor und Herthas U 23 dritter Berliner Regionalligaklub, wäre dem vermaledeiten Winter, der einfach nicht enden will, gerne entflohen. „Aber wo sollen wir das Geld hernehmen?“, fragt Finanzvorstand Christian Schwarzkopf. Trainer Thomas Herbst musste sich in der Vorbereitung auf die Rückrunde gar keine Mühe machen, ein abwechslungsreiches Programm zu ersinnen. Die Einheiten sehen derzeit immer gleich aus: „Laufen, laufen, laufen.“ Seit drei Wochen haben seine Spieler nicht mehr mit dem Ball trainiert. „Es ist schon katastrophal“, sagt Herbst.

Die sportlichen Schwierigkeiten aber sind nichts im Vergleich zu den eigentlichen Problemen bei TeBe. Der frühere Bundesligist steckt wieder einmal in existenzieller Not. Zwar ist Aufsichtsratsmitglied Axel Lange erneut mit 40 000 Euro eingesprungen, trotzdem warten die Spieler immer noch auf Teile ihres Gehalts. „Es gibt laufende Kosten, die wir nicht decken können“, gesteht Schwarzkopf.

Das Paradoxe ist: Tennis Borussia steht vor der Pleite – und träumt schon von einer besseren Zukunft. „Es gibt mehr als einen Hoffnungsschimmer“, sagt Schwarzkopf. Der Klub hat einen neuen Hauptsponsor ausfindig gemacht, der zudem als strategischer Partner einsteigen will. Sogar vor der Mannschaft hat der Investor seine Pläne bereits vorgestellt. „Das war ein sehr glaubwürdiger Auftritt“, sagt Schwarzkopf. Aber der Vertrag ist noch nicht unterschrieben, und Geld ist auch noch nicht geflossen. Sollte es zu einer Zusammenarbeit kommen, „könnte es in der nächsten Saison richtig losgehen“, sagt der TeBe-Finanzvorstand. Auf absehbare Zeit wäre dann sogar die Dritte Liga als Ziel wieder realistisch.

In der Vergangenheit haben die Tennis Borussen nicht die besten Erfahrungen mit ihren Groß-Geldgebern gemacht. Die Allianz mit der Göttinger Gruppe hatte Anfang des Jahrtausends den Lizenzentzug für den Profifußball zur Folge, und mit der öffentlichkeitsscheuen Treasure AG waren die Fans auch nie richtig glücklich. Ihre finanzielle Unterstützung ermöglichte zwar den Aufstieg in die Regionalliga; nachdem deren Mitinhaber wegen sexuellen Missbrauchs jedoch zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, endete die Zusammenarbeit im Sommer vorzeitig. Gerüchte, dass es sich bei dem neuen Investor um den geschassten Union-Sponsor ISP handle, dementiert Schwarzkopf.

Ende Januar ist eine Abordnung von TeBe eigens nach Frankfurt am Main gereist, um den Deutschen Fußball-Bund über die aktuellen Schwierigkeiten zu informieren. Der Verband habe seine Unterstützung zugesagt, berichtet Schwarzkopf. „Es ist ja nicht so, dass wir blauäugig in die Saison gegangen sind.“ Der Etat von 1,3 Millionen Euro sei gedeckt gewesen, doch einige Sponsoren konnten ihre Zusagen nicht einhalten. Ein größerer Handwerksbetrieb zum Beispiel wollte eine fünfstellige Summe zahlen. Inzwischen musste er von 30 Angestellten 25 entlassen – da ist die finanzielle Unterstützung für einen Fußballklub nicht gerade opportun.

Bis Ende Februar soll sich entscheiden, ob der neue Investor wirklich bei TeBe einsteigt. Jeden Tag kann die erlösende oder erschütternde Nachricht kommen. „Entweder wir schweben auf Wolke sieben oder wir landen vor dem Insolvenzgericht“, sagt Schwarzkopf. Wenn der neue Investor abspringt, wird TeBe Insolvenz beantragen müssen und in die Oberliga zwangsabsteigen. Aber die Zuversicht ist derzeit etwas größer als die Angst. Nur drei Spieler haben den Klub in der Winterpause verlassen. Intern hatten sie bei TeBe mit deutlich mehr gerechnet.

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