Tennis : Das Ende eines großen Kampfes

Als der Applaus einfach nicht enden will, kann sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Amélie Mauresmo beendet ihre Karriere.

Anke Myrrhe
Mauresmo
Amélie Mauresmo -Foto: AFP

Berlin - Als der Applaus einfach nicht enden will, kann Amélie Mauresmo ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. „Es ist ein bisschen traurig“, sagt sie schluchzend zu den anwesenden französischen Medienvertretern, wirft mehrfach ihr langes dunkelblondes Haar von rechts nach links, ein bisschen so, als würde sie sich hin und her winden. Dann pustet sie einmal kurz durch und fährt mit fester Stimme fort. „Ich habe mir diese Entscheidung gut überlegt, und ich denke, es ist richtig so.“ Amélie Mauresmo wird nicht auf den Tennisplatz zurückkehren, zumindest nicht auf der Profitour. Die Französin ist in Paris vor die Presse getreten, um mit 30 Jahren ihr Karriereende zu verkünden.

Wie schwer Amélie Mauresmo dieser Schritt gefallen ist, sieht man ihr an diesem Donnerstagvormittag deutlich an. Doch sie lächelt, wirkt erleichtert, dass die Nachricht nun endlich raus ist. Denn der Rücktritt kommt nicht eben überraschend, nach zwei Jahren, in denen die früheren Erfolge immer seltener wurden. „Wenn man älter wird, ist es etwas schwieriger, an der Spitze zu bleiben“, sagt sie. Von 1999 bis zum sportlichen Höhepunkt 2006, als sie die Australian Open und Wimbledon gewann, hatte sie das Jahr immer in den Top Ten beendet, als persönliches Highlight jedoch beschrieb sie selbst immer die Tatsache, dass sie es 2004 als erste Französin überhaupt an die Spitze der Weltrangliste schaffte.

In den vergangenen beiden Jahren jedoch häuften sich die Verletzungen. Nach ihrer Zweitrundenniederlage bei den US Open im September bestritt Mauresmo kein Turnier mehr und sprach bereits Anfang Oktober Worte, die bei Spielerinnen in ihrem Alter zwangsläufig aufhorchen lassen. „Ich habe den Durst für den Wettkampf verloren. Ich muss mich nun zurückziehen und eine Entscheidung für den Rest meiner Karriere treffen.“ Vor genau einer Woche folgte die Ankündigung Mauresmos, sich in Zukunft für die „Sport for life“-Stiftung engagieren zu wollen – ein weiteres Indiz für die Abkehr von jenem Sport, der 15 Jahre lang ihr Lebensmittelpunkt gewesen war.

Früh wusste die Französin, was sie wollte. 1983 saß die beinahe vierjährige Amélie Mauresmo in Saint Germain en Laye, einem bourgeoisen Vorort im Westen von Paris, vor dem Fernseher und bestaunte Yannick Noahs French-Open- Sieg. Da entschied sie, Tennisspielerin zu werden. Zehn Jahre später wurde sie Profi, mit 14 Jahren – im Frauentennis nicht ungewöhnlich früh. Jedoch wurde schnell klar, dass Mauresmo anders war als die anderen Mädchen. Die wie aus dem Lehrbuch gespielte einhändige Rückhand brachte ihr immer ebenso viel Aufmerksamkeit ein, wie ihr breites Kreuz, ihre überdurchschnittliche Fitness und die Härte ihrer Schläge. Dass sie sich öffentlich zu ihrer Homosexualität bekannte, passte für viele zu diesen eher unweiblichen Merkmalen in der Zeit vor dem Power-Tennis der Williams-Schwestern. Mauresmo hatte zu kämpfen mit ihrem harten Image, das so gar nicht zu der nachdenklichen Frau passte, die sie abseits des Platzes ist. Wer ahnte denn, dass ihr größtes Problem auf dem Platz war, dass sie zu viel nachdachte? Das Verhältnis zum französischen Publikum war immer zwiegespalten, nicht nur einmal beschwerte sie sich, dass ihre Erfolge in Frankreich nicht richtig anerkannt wurden, was auch daran lag, dass sie bei den French Open nie über das Viertelfinale hinauskam.

Nun hat sie sich entschieden, das nicht mehr endlos weiter zu versuchen. „Ich habe ich mich entschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen und eine neue Seite aufzuschlagen“, sagt Mauresmo lächelnd. Was darauf stehen wird, weiß sie noch nicht.

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