Sport : Tennis: Der Oberschenkel streikt - wie früher

Boris Beckers Geist war wie immer willig, doch der Körper spielte wie so oft nicht mit. Ein falscher Schritt, ein kurzer heftiger Schmerz im rechten Oberschenkel, und das groß angekündigte und mit angeblich 600 000 Mark Antrittsgeld honorierte Comeback des dreimaligen Wimbledonsiegers bei der Senior Tour in Graz war vorbei. Gerade mal 46 Minuten hatten Becker und der 45-jährige Schwede Björn Borg gegeneinander gespielt, als der Deutsche beim Stand von 6:3, 2:3 aufgeben musste. "Immerhin habe ich bis dahin richtig gutes Tennis gespielt", sagte Becker, und es klang fast ein bisschen trotzig: "Das kann ich nämlich immer noch."

Becker will trotz seiner Verletzung im Oberschenkel heute gegen Pat Cash zu seinem zweiten Match antreten. Der Befund bei seinem Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfart in München ergab eine Verhärtung des Oberschenkels. Der 33-Jährige wurde drei Stunden behandelt, bevor er zurück nach Graz flog. Gegen Yannick Noah am Freitag konnte er nicht antreten.

Zahlreiche Fotografen, Kameraleute und Sicherheitsbeamte drängten sich um den Deutschen, als er am Donnerstag um 17.35 Uhr den Platz auf dem Dach eines Einkaufszentrums betrat. Ein paar Schritte hinter ihm schlenderte Björn Borg, unbehelligt wie ein Freizeitspieler, von den Fans und den Medien unbeachtet. Während der Pausen stand ein Ballmädchen mit einem Schirm neben Becker, um ihm bei 40 Grad Schatten zu spenden. Borg saß ein paar Meter weiter mutterseelenallein in der prallen Sonne. Und Becker genoss das Spektakel um seine Person. "Ich möchte zehn bis zwölf Turniere im Jahr an schönen Orten spielen, die ich mir genau aussuche", sagte er nach seinem unfreiwilligen Ausstieg: "Ich werde auch alles daran setzen, meine alten Wegbegleiter wie Michael Stich, Stefan Edberg oder Thomas Muster zu einem Comeback auf der Senior Tour zu überreden." Zumindest bei Stich wird er da wohl wenig Glück haben, denn der Wimbledonsieger von 1991 ließ bereits vor Monaten verlauten, dass er keinerlei Absicht habe, noch einmal in irgendeiner Form Wettbewerbstennis zu spielen: "Wenn ich das noch wollte, wäre ich ja nicht zurückgetreten. Ich überlege mir vorher, was ich tue."

"Tennis ist das, was ich am besten kann", sagte Becker nach seinem frühen Aus: "Die Seniors Tour ist eine Chance für mich, meinen geliebten Beruf weiter auszuüben." Sechs Kilo habe er zuletzt abgenommen und "hart trainiert wie in meinen besten Zeiten". Auch die Entourage ist groß wie immer, mittlerweile kümmert sich der frühere Daviscupspieler Markus Zoecke als persönlicher Betreuer um alle Wünsche und Belange des Stars.

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