Tennis : Die French Open platzen aus allen Nähten

35 000 Menschen schieben sich täglich zu den Tennisplätzen im Südwesten von Paris. Die Anlage am Bois de Boulogne ist viel zu klein. Das soll sich irgendwann ändern - doch gegen den geplanten Umbau formiert sich Widerstand.

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Der Court Central in Roland Garros könnte ein Dach gebrauchen. Das wird in diesen Tagen deutlicher denn je.
Der Court Central in Roland Garros könnte ein Dach gebrauchen. Das wird in diesen Tagen deutlicher denn je.Foto: dpa

Die Durchsage ist ein Wachmacher. „Ouverture des portes du Stade!“, schallt es morgens um Punkt 10 Uhr über die Lautsprecher der Anlage, wenn die Ordner zackig angewiesen werden, die Tore des Stade Roland Garros zu öffnen. Die Schlangen der wartenden Fans ziehen sich bereits kilometerlang den schmalen Bois de Boulogne hinunter. 35 000 Menschen schieben sich täglich zu den Tennisplätzen im Südwesten von Paris. 430 000 werden es in den zwei Turnierwochen, Tendenz steigend. Die Anlage platzt aus allen Nähten. Daran ändern wird sich so bald nichts.

Obwohl die French Open zuletzt 59 Millionen Euro Gewinn erwirtschafteten, bleiben die Franzosen das Sorgenkind im Kreise der vier Grand-Slam-Turniere. Die 85 Jahre alte Anlage muss dringend renoviert werden und braucht in diesen verregneten Tagen nötiger denn je ein Dach. Zudem ist die Platznot ihr Hauptproblem – in Melbourne, Wimbledon und New York gibt es im Verhältnis mehr als doppelt so viel Platz. Obwohl das Pariser Gelände in den letzten Jahrzehnten stetig erweitert wurde, ist man an die Grenzen gestoßen. Roland Garros liegt eingeklemmt zwischen der Autobahn Richtung Normandie, einem eleganten Wohnviertel und der Parkanlage Jardin des Serres d’Auteuil. Seit 1994 wurde nichts mehr ausgebaut.

Auch die Spieler sind längst genervt. Wenn die Stars wie Roger Federer den eigentlich kurzen Weg zum Trainingsplatz antreten, geht das im Getümmel nur umringt von sechs Sicherheitskräften. „Die Anlage ist dünn und eng wie ein Schlauch“, bemängelt Federer. Seit Jahren versprechen die Veranstalter Abhilfe, so recht glaubt niemand mehr daran. Obwohl im Februar 2011 die Renovierung und Erweiterung der Anlage vom französischen Tennisverband und der Stadt verabschiedet wurde. Doch seither gibt es Verzögerungen, Kostenerhöhungen und wütenden Widerstand der Anwohner, Umwelt- und Denkmalschützer.

Man hatte sich gegen die Verlegung in eines der drei möglichen Ausweichgebiete in der Pariser Vorstadt entschieden. Damit „das Turnier seine Identität behält“, sagt Turnierchef Gilbert Ysern. Doch so euphorisch sie die Umbaupläne erneut vorstellen, bleibt Fakt: Die geplanten Kosten sind um zehn Prozent auf 340 Millionen Euro gestiegen. Klagen und einstweilige Verfügungen verschleppen den Zeitplan. Das Dach über dem Court Philippe Chatrier wird nicht 2016, sondern frühestens 2018 fertig. Die Franzosen planen dann lukrative Nightsessions, die 40 Prozent mehr Zuschauer bringen würden. Es wäre wohl der Infarkt der Anlage.

Doch man möchte ja erweitern, von 8,5 auf 12,2 Hektar. Das wäre immer noch ein Drittel kleiner als die anderen Grand Slams. Dafür will man den angrenzenden Botanischen Garten platt walzen, für ein neues, 5000 Zuschauer fassendes Stadion. Ysern kontert Proteste mit den Worten, da stünden bloß „einige hässliche Gewächshäuser“. Und mit den Anwohnern hat man es sich auch verdorben, weil Teile der Nachbarschaft einem gigantischen Trainingszentrums weichen sollen. An den Häuserwänden der Gegend hängen große Transparente mit der Aufschrift: „Tennis hau ab!“

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