Tennis : Dubai droht Lizenzentzug durch die WTA

Das Einreise-Verbot für die Israelin Shahar Peer zum WTA-Turnier in Dubai bringt die Organisatoren in den Vereinigten Arabischen Emiraten immer mehr in die Bredouille. Die WTA ist verärgert und der erste Sponsor ist bereits abgesprungen.

Marseille/Dubai/BerlinIsraels Tennis-Star Andy Ram hat die Profi-Organisationen ATP und WTA aufgefordert, ihm seinen geplanten Start in Dubai zu ermöglichen. "Es ist eine der größten Veranstaltungen im Turnier-Kalender, also müssen sie Wege finden, dass Israelis dort spielen können", sagte der Doppel-Spezialist nach seinem Auftaktmatch beim ATP-Turnier am Dienstagabend in Marseille.

Die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate hatten der Israelin Shahar Peer die Einreise für das derzeit stattfindende WTA-Turnier verweigert. Venus Williams, die dem Spielerrat der WTA angehört, erklärte am Mittwoch in Dubai, dass die Spielerinnen nicht über einen Boykott diskutiert hätten. Auch werde es keine schnellen Entscheidungen über Sanktionen geben. "Wir sitzen alle im selben Boot: Spielerinnen, Sponsoren und WTA", erklärte die Amerikanerin. Williams verurteilte Peers Ausschluss jedoch: "Sie ist ein guter Mensch. Das Startrecht hätte ihr nicht verwehrt werden dürfen. Es war unfair, und wir alle unterstützen sie."

Es wird geprüft, wie Peer entschädigt werden kann

Israels IOC-Mitglied Alex Gilady erklärte in der Tageszeitung "Die Welt" (Mittwoch-Ausgabe), er wolle den Fall der 21-jährigen nicht vor das Internationale Olympische Komitee (IOC) bringen. Man werde den Verbänden nicht vorschreiben, wie sie ihre Angelegenheiten zu regeln haben. Gilady schlug vor: "Die Spielerin könnte eine Kompensation in Ranglistenplätzen und nicht in Geld verdienen." Die WTA prüft laut ihrem Chef Larry Scott, wie die frühere Soldatin Peer entschädigt werden kann. Der Amerikaner hatte ferner erklärt, es werde geprüft, ob 2010 noch Platz für das mit zwei Millionen Dollar dotierte und hochklassig besetzte Turnier von Dubai im Kalender ist. "Die Zukunft des Turniers steht sehr in Zweifel. Wir sind verärgert und empört. Es wird auf jeden Fall Sanktionen geben, aber erst nach dem Turnier. Was wir auch entscheiden: Es wird sein sehr klares Signal sein," so Scott. Das "Wall Street Journal Europe" ist inzwischen als Sponsor der Veranstaltung abgesprungen.

Ob Ram ein Visum erhält, ist offen. Ein ATP-Sprecher hatte erklärt, es sei die Gelegenheit für die Vereinigten Arabischen Emirate, die richtige Entscheidung zu treffen. Welche Maßnahmen ATP und WTA nach den weltweiten Protesten ergreifen sollen, ließ Ram offen. "Ich weiß nicht, was getan werden sollte - vielleicht das Turnier absagen oder mit einer Geldstrafe belegen. Das Turnier abzusagen, ist das Letzte, was Shahar und ich möchten. Aber etwas muss getan werden, damit sich diese Situation im nächsten Jahr nicht wiederholt", meinte der Australian-Open-Sieger 2008 im Doppel.

Die Turnier-Organisatoren in Dubai hatten die Visum-Verweigerung für Peer am Dienstag mit dem Gaza-Krieg und Sicherheitsbedenken begründet. Es seien Fan-Proteste befürchtet worden, die die Sicherheit des gesamten Turniers hätten bedrohen können. Ram äußerte zwar Verständnis für die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate, der 28-Jährige fügte aber hinzu: "Wenn sie ein großes Turnier veranstalten und nicht alle über die Rangliste qualifizierten Spieler akzeptieren, ist das falsch. Es ist traurig zu sehen, dass Politik und Sport vermischt werden." Die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. (sg/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben