Sport : Tennis: Ende der Selbstzweifel

Oliver Trust

Stuttgart. Thomas Haas lässt sich meist nicht anmerken, wie sehr ihn diese turbulenten letzten Monate beschäftigen. Es gehört zu seinem Image, abgeklärt zu wirken. Trotzdem sind die letzten Wochen für den 23 Jahre alten Tennisprofi aus Hamburg mit die wichtigsten seiner Karriere gewesen. Der Turniersieg in Wien und die überraschenden Erfolge von Stuttgart haben eine lange Periode voller Selbstzweifel und eine tiefe Motivationskrise beendet. Am Sonntagnachmittag, kurz vor vier Uhr, war alles vergessen. In der Stuttgarter Schleyerhalle riss Haas glücklich lächelnd die Arme hoch. Das sonst oft spröde Publikum in Stuttgart jubelte ausgelassen. Der 23 Jahre alte Hamburger hatte das Finale gegen den Weißrussen Max Mirnyi 6;2, 6:2, 6:2 in rekordverdächtigen 1:32 Stunden gewonnen. Nach Adelaide, Long Island, Wien war es für Haas bereits der vierte Turniersieg in seinem wohl erfolgreichsten Jahr.

Online-Gaming Spiel, Satz und Sieg: Der Pong-Klon von meinberlin.de "Kein Zweifel, das ist der schönste Sieg, weil ich es endlich in Deutschland geschafft habe", sagte Haas. Mehr als ein Halbfinale (in Hamburg) hatte er nie erreicht. "Es ist nicht einfach, nach Becker, Stich und Graf. Aber es gibt ein paar, die nach kommen." Ab Montag wird Haas wieder einen Sprung in der Männer-Weltrangliste machen und vielleicht wieder in die Top Ten zurückkehren. Auf dieser Position stand er schon im September 1999, vor über zwei Jahren. Jetzt hat Haas zudem beste Chancen, sich noch für die Masters-Endrunde der besten acht Spieler des "Champions Race" in Sydney zu qualifizieren. "Wenn du 20. oder 21. bist, dann kommen alle möglichen Leute und sagen dir, wie du da rauskommst", sagt er. "Das macht dich unheimlich müde."

Auf den Courts konnte er das lange nicht verdrängen. Deshalb brach er den Ausflug in die Selbstständigkeit ab und kehrte im September 2000 reumütig ins Trainingscamp von Nick Bollettieri in Florida zurück. Genau ein Jahr hatte Haas es alleine versucht. "Ich fühle mich einfach wieder wohl", sagte Haas. Das schlechte Image des verwöhnten Jungen mit Ferrari ist nun dem des ehrgeizigen Sportlers gewichen. "Ich bin selbstbewusster geworden", beschreibt Haas seinen Reifeprozeß. Dazu gehört auch, zu sich selbst zu stehen und sich selbst zu akzeptieren. "Früher habe ich zu viel geschluckt, jetzt lasse ich den Frust raus. Das befreit."

Es war wohl der letzte Versuch, die Rückkehr in die Weltspitze zu schaffen. Dafür hat Haas alles getan und sich sogar vorübergehend von seiner Freundin getrennt, ohne die er konzentrierter sei. Die neue Konzentration auf sein Leben als Profi erstreckt sich jedoch nicht nur auf sein Liebesleben. Haas kehrte seinem Trainer Sven Groenveld den Rücken, "weil er festgestellt hat, dass ihn das nicht weiter bringt", wie Vater Peter Haas erläuterte. "Ich bin froh, dass ich mich in Stuttgart gegen meine eigenen Zweifel und alle Schwierigkeiten durchgesetzt habe", sagte Thomas Haas. Der Lohn: "Wenn man wieder oben steht, gewinnt man auch enge Spiele."

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