Tennis : Federer wird zum König von Wimbledon

Final-Krimi auf dem "heiligen Rasen": Roger Federer hat Rafael Nadal niedergerungen und damit den Rekord des Schweden Björn Borg von fünf Wimbledon-Titeln geknackt.

Federe
Seriensieger: Roger Federer gewinnt zum fünften Mal in Folge Wimbledon. -Foto: AFP

London Tennis Wimbledon Wimbledon Federer wird zum König von Wimbledon Final-Krimi in Wimbledon. Roger Federer hat Rafael Nadal niedergerungen und damit den Rekord des Schweden Björn Borg von fünften Wimbledon-Titelen genackt. London Seriensieger Roger Federer und Tennis-Queen Venus Williams sind die Giganten auf dem "Heiligen Rasen" von Wimbledon. Ungewohnt unsicher und ratlos, aber im entscheidenden Moment zum großem Kampf bereit, brachte der lange Zeit ideenlose Federer durch einen 7:6 (9:7), 4:6, 7:6 (7:3), 2:6, 6:2-Zittersieg im 3:45 Stunden langen Final-Krimi gegen den nach einem Ausrutscher im vierten Satz am rechten Knie lädierten Spanier Rafael Nadal seinen fünften Triumph nacheinander unter Dach und Fach. Mit weißer langer Hose und weißem Sakko nahm er die kostbare Trophäe aus der Hand des Herzogs von Kent in Empfang, nachdem er Minuten vorher noch vor Glück weinend auf dem ramponierten Rasen gelegen hatte.

"Ich war heute ganz einfach der Glücklichere. Rafael hätte es auch verdient gehabt", sagte der Champion nach der wieder gewonnenen Neuauflage des Vorjahres-Finals, mit der er den Rekord des Schweden Björn Borg egalisierte. "Alle Achtung", lobte der dreimalige Champion Boris Becker, nachdem der Schweizer den 34. Sieg in Serie im Londoner Südwesten geschafft hatte. "Das war knapp heute. Ich bin froh über jeden Titel, bevor Rafael ihn mir wegnimmt", sagte der Schweizer nach seinem elften Grand-Slam-Titel. Mehr hat nur der Amerikaner Pete Sampras, der allein in Wimbledon sieben seiner vierzehn Siege holte.

Finale der Sonderklasse

Bei wunderschönem Tennis-Wetter, das die verregnetsten All England Championships seit 25 Jahren fast vergessen ließ, boten die beiden topgesetzten Superstars ein Finale der Sonderklasse, das für Federer das erste Fünfsatz-Match in Wimbledon nach dem Achtelfinalsieg gegen Sampras 2001 war. "Fünf Siege in Serie: Ich gratuliere Roger, das ist fantastisch", sagte Nadal, der sich über ein "großartiges Turnier von mir" freute. Im Damen-Endspiel tags zuvor brillierte dagegen nur die Amerikanerin Venus Williams, die Marion Bartoli aus Frankreich 6:4, 6:1 bezwang und für ihren vierten Wimbledon-Sieg erstmals das gleiche Preisgeld in Höhe von 1,05 Millionen Euro bekam wie Champion Federer. Die Verlierer durften sich jeweils mit der Hälfte trösten.

"Ich will den Titel unbedingt. Ein Jahr ohne wäre sehr traurig", hatte sich der seit 54 Matches auf seinem Lieblingsbelag unbesiegte Federer vor seinem 13. Grand-Slam-Finale selbst unter Druck gesetzt. Offenbar zu sehr, denn nach einem gelungenen 3:0-Start drohte der mühsam stampfende "Fed-Express" mehrfach aus der Erfolgsspur zu springen. Nadal glich postwendend aus und machte dem wankenden Favoriten nach dem knapp verlorenen Tiebreak auch in den folgenden Sätzen das Leben unglaublich schwer.

Immer wieder bemühten beide Spieler den "Hawk-Eye" genannten elektronischen Schiedsrichter, der erstmals in Wimbledon eingesetzt wurde. Insbesondere Federer, der das System eigentlich ablehnt, lag mehrfach falsch mit seiner Intervention. Ohne Trainer in seiner Box fehlte dem Branchenprimus die nötige Korrektur. Und so bedurfte es beim Stand von 1:4 im vierten Satz schon eines Ausrutschers seines Kontrahenten, um die Partie schließlich zu gewinnen. Doch es war kein leichtes Spiel wie beim 6:0, 7:6, 6:7, 6:3 im vorigen Jahr gegen Nadal, der mit dem dritten French-Open-Sieg die Hoffnungen Federers auf den Grand Slam zunichte gemacht hatte.

Venus krönt ihr Comeback

"Es ist ein Wunder. Nie im Traum hätte ich damit gerechnet, hier heute zu stehen", sagte Venus Williams und hielt den Silberteller für ihren vierten Triumph nach 2000, 2001 und 2005 ganz fest umschlungen. Mit einem nie gefährdeten Erfolg gegen die überforderte Marion Bartoli löste sie die Französin Amelie Mauresmo als Championesse ab und krönte ihr Comeback, das wegen einer Handverletzung so richtig erst vor drei Monaten begonnen hatte. Martina Navratilova (USA/9), Steffi Graf (Brühl/7) und Billie Jean King (USA/6) holten zwar mehr Wimbledon-Titel als Venus Williams - doch die bekam erstmals das gleiche Preisgeld wie die Herren. "Das wurde aber auch Zeit", sagte sie nach ihrem sechsten Grand-Slam-Erfolg.

Für Marion Bartoli blieb nur das "tolle Erlebnis" ihres ersten Grand-Slam-Finals, das sie mit einem unerwarteten Dreisatzsieg gegen Vorjahresfinalistin Justine Henin aus Belgien erreicht hatte. Als sie Pierce Brosnan auf der Tribüne sah, habe sie sich noch mehr angestrengt, erzählte die 22-Jährige. Doch zum Finale erschien der einstige Bond-Darsteller nicht. Ein Blumenstrauß von 007 war ein schwacher Trost für die traurige Verliererin. (mit dpa)

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