TENNIS : Federers Abschied

Anke Myrrhe

Nun ist sie wohl endgültig vorbei, die Übermacht des Schweizers. Bereits seit knapp zwei Wochen steht fest, dass Roger Federer ab Montag nicht mehr an der Spitze der Tennis-Weltrangliste stehen wird. Nach viereinhalb Jahren wird ihn Rafael Nadal ablösen. Aber nicht nur gegen den Spanier verliert Federer inzwischen regelmäßig, gestern wurde wieder einmal deutlich, dass die Zeit des scheinbar Unbesiegbaren Geschichte ist. Federer unterlag im Viertelfinale des olympischen Tennisturniers dem US-Amerikaner James Blake 4:6, 6:7 (2:7).

In acht Begegnungen gegen Blake hatte der 27-Jährige lediglich einen Satz abgegeben. „Ich kann meinen Kindern eines Tages erzählen, dass ich den besten Spieler der Welt geschlagen habe“, sagte Blake nach dem Match – eine Einschätzung mit der er vor kurzem sicher richtig gelegen hätte. Kaum ein Spitzenspieler hatte eine positive Bilanz gegen den Schweizer, über vier Jahre hinweg spielte er oft unmenschliches Tennis. Doch es war nicht mehr jener Beste der Welt, gegen den der Weltranglistensiebte Blake gestern gewann. Federers Stärke lag in den vergangenen Jahren vor allem darin, dass er in Bedrängnis sein bestes Tennis spielte. Genau diese Souveränität ist ihm abhanden gekommen. Der Moment des Umschwungs liegt irgendwo zwischen der Niederlage gegen Novak Djokovic im Halbfinale der Australian Open im Januar und der Demütigung, die ihm Nadal im Finale der French Open im Mai zufügte. Besiegelt wurde er aber durch die Finalniederlage in Wimbledon gegen den Spanier, der ihn nun in der Weltrangliste überholt hat.

In Peking wollte der Fahnenträger der Schweiz alles wieder gut machen, Gold holen und zeigen, dass er zurückkommen kann. Doch nun ist Federer wieder in der Welt der Normalsterblichen angekommen – wie in Peking auch die Williams-Schwestern. Nach Serena verabschiedete sich gestern auch Venus in der Runde der besten acht. Die Wimbledonsiegerin aus den USA verlor gegen die Chinesin Na Li mit 5:7, 5:7. Anke Myrrhe

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