Tennis gegen Krebs : Wie Alisa Kleybanowa ihre Krankheit bezwang

Die Russin Alisa Kleybanowa galt als großes Talent im Frauentennis. Doch dann erkrankte sie am Hodgkin-Lymphom, einer Form von Blutkrebs. Bei den US Open gab sie nach über zwei Jahren nun ihr Comeback.

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Aufschlag ins Leben. Alisa Kleybanowa wagt seit diesem Sommer die Rückkehr auf den Tennisplatz. Bei den US Open gewann sie ihr Auftaktmatch.
Aufschlag ins Leben. Alisa Kleybanowa wagt seit diesem Sommer die Rückkehr auf den Tennisplatz. Bei den US Open gewann sie ihr...Foto: AFP

Ihren 22. Geburtstag im Juli 2011 wird Alisa Kleybanowa nie vergessen. An diesem Tag teilte die Russin der Öffentlichkeit auf ihrer Webseite mit, dass sie am Hodgkin-Lymphom erkrankt sei, einer Form von Blutkrebs. An Tennisspielen war nicht mehr zu denken, sie musste um ihr Leben kämpfen. Und dazu war Kleybanowa wild entschlossen. Sie schrieb noch am selben Tag auf ihrer Webseite in ihren Turnierkalender: „Nächstes Match: Kleybanowa – Krebs 6:0, 6:0!“ Ein Statement, das ihre Willenskraft und ihren unerschütterlichen Glauben an ein Happy End ausdrückte. Und es sollte sich erfüllen. „Aus diesem Kampf bin ich als Siegerin hervorgegangen“, sagte sie nun stolz in den Katakomben des Arthur-Ashe-Stadiums von New York. Auch bei den US Open hat sie einen Sieg errungen. Kleybanowa ist zurück in ihrem alten Leben, und doch ist es ein Neustart – mit ungewissem Ausgang.

Der Court Nummer sieben auf der Westseite der Anlage in Flushing Meadows war am Montagabend brechend voll, die Zuschauer lärmten und johlten munter mit, wie sie es hier gerne tun. Die junge Puerto Ricanerin Monica Puig hatte gleich einen ganzen Fanpulk hinter sich versammelt. Doch davon ließ sich Kleybanowa nicht beirren. Sie fixierte stur nur den Ball, alles andere blendete sie aus. „Ich wollte diesen Sieg so sehr, ganz egal, was es mich kostet“, erklärte die Russin.

Und sie hielt dem zweieinhalbstündigen Kraftakt mit etlichen Aufs und Abs bravourös stand. Ihr wuchtiges Spiel und ihre clevere Übersicht blitzten immer wieder auf, und auch wenn bei ihrem 6:4, 3:6 und 7:5-Erfolg noch nicht alles wie früher lief, so tat der Sieg vor allem ihrer Seele gut. „Ich hatte während meiner Krankheit nur das eine Ziel vor Augen“, sagte Kleybanowa, „ich wollte unbedingt wieder Tennis spielen, der Gedanke daran hat mir so viel Kraft gegeben nicht aufzugeben.“

Vor zweieinhalb Jahren, bei den Australian Open 2011, hatte sie zum letzten Mal an einem Grand-Slam-Turnier teilgenommen. Damals war sie die Nummer 20 der Welt, hatte schon zwei Titel gewonnen und mehr als zwei Millionen Dollar Preisgeld verdient. Ihr Weg schien immer nur steil nach oben zu gehen. Dann bekam sie die Diagnose, die sie aus ihrer heilen Welt riss. Doch Kleybanowa verfluchte nicht das Schicksal. „Ich habe versucht, es wie ein Match anzugehen“, sagte sie, „da probiert man auch absolut alles, um am Ende der Gewinner zu sein.“ Sie unterzog sich bis Ende 2011 einer Chemotherapie, ertrug geduldig die Schmerzen und Strapazen, wie sie es als Athletin von klein auf gewohnt war: „Ich habe mir gesagt: Sieh es wie ein richtig hartes Training an. Du weißt, es wird schwer, aber wenn du durchhältst, fühlst du dich hinterher besser.“

Seit einem Jahr geht es ihr besser, und Kleybanowa wagte in diesem Sommer die Rückkehr auf den Tennisplatz, spielte zunächst dosiert ein paar der unterklassigsten Turniere. Ein Kaltstart bei den US Open wäre ein zu großer Schritt gewesen, doch sie wird danach ohnehin wieder kleinere Turniere spielen müssen. Als Nummer 363 der Welt hat sie keine Wahl. Doch lange wird sie sicherlich nicht durch die Provinz tingeln, denn die harten Zeiten haben sie innerlich noch stärker gemacht. Umso mehr will sie nun ihr Ziel erreichen: einen Platz unter den Top Ten. „Ich will nur noch nach vorne schauen“, sagte sie, „und das, was mich nicht umgebracht hat, macht mich jetzt nur noch härter.“

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