Tennis : German Open: Keine Kohle aus Katar

Die German Open der Frauen stehen vor dem Aus – die Veranstalter des Tennisturniers zahlen nicht. Das Steffi-Graf-Stadion droht ein Denkmal zu werden.

Frank Bachner,Friedhard Teuffel
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Wenn die Schecks nur auch so schnell unterschrieben wären… Ein Mitglied des Tennis-Verbandes aus Katar gibt auf der Anlage des...

Berlin - Seit dem vergangenen Freitag sind die German Open der Tennisspielerinnen verschwunden. Eigentlich hätte in diesen Tagen der Kartenvorverkauf begonnen, doch das Turnier existiert im Internet nicht mehr. „Ich persönlich glaube nicht mehr daran, dass es noch einmal stattfindet. Deshalb habe ich die Seite am Freitag mit gutem Gewissen abgeschaltet“, sagt Claudio Gärtner. Er hatte sich mit seiner Agentur um den Internetauftritt des Turniers gekümmert. 12 000 Euro fordert er noch vom Tennis Verband Katar, der die German Open in den vergangenen vier Jahren in Berlin veranstaltet hat. Ein anderer Mitarbeiter aus der Organisation der German Open schätzt, dass Angestellte des Turniers und beauftragte Firmen noch auf insgesamt eine Million Euro warten.

Noch stehen die German Open im Kalender der WTA-Tour. Beginn: 18. Mai 2009. Preisgeld: 600 000 Dollar. Aber finden sie wirklich statt? Im Berliner Turnierbüro ist niemand zu erreichen. Verwelkte Pflanzen, verwaiste Schreibtische und eine Menge nutzloser, alter Papierkram zeugen davon, dass hier offensichtlich niemand mehr arbeitet. Auch die Internetseite des Tennisverbands Katar ist gerade gesperrt. Ein Mitarbeiter der Geschäftsstelle in Doha verweist am Telefon auf den Generalsekretär und vermittelt eine Nummer. Dort hebt niemand ab.

Aus einem schönen Tennisstadion droht nun ein Denkmal zu werden. Ein Denkmal für eine verstorbene Tradition. Fast drei Jahrzehnte hat das Stadion am Hundekehlesee im späten Frühling einige der besten Tennisspielerinnen der Welt zu den German Open empfangen, und eine besonders gerne, Steffi Graf. Deshalb trägt es auch ihren Namen. Der Tennisverband aus Katar galt als Retter dieses Turniers. Er übernahm die German Open 2004, weil dem Deutschen Tennis-Bund der jährliche Verlust zu hoch war. „Dass das Turnier für Berlin nicht verloren war, haben wir den Katarern zu verdanken“, sagt Josef Minderjahn, Präsident des LTTC Rot-Weiß, auf dessen Gelände das Turnier alljährlich stattfindet.

Inzwischen ist der Verband aus Katar jedoch zum Problem des Turniers geworden. Die Verbandsführung hat in diesem Jahr schon mehrfach gewechselt, und die Nachfolger haben sich bisher offenbar nicht um die Schulden ihrer Vorgänger gekümmert. „Es liegt an Organisationsproblemen innerhalb des Verbands“, sagt Minderjahn. Auch der LTTC Rot-Weiß fordert noch Geld. „Wir haben drei Viertel unseres Gelds bekommen und ich gehe davon aus, dass der Rest auch bald kommt“, sagt Minderjahn.

Einen Plan B, falls die Katarer nicht zahlen, hat er nicht. Derzeit rechnet er damit, dass das Turnier stattfindet. „Katar ist einer der reichsten Staaten der Erde. Die können und wollen es sich nicht leisten, hier einfach so auszusteigen. Die wissen eben nicht, wie das ist, wenn ein kleiner Handwerker auf sein Geld wartet.“ Auch das Hotel Interconti, in dem während des Turniers die Spielerinnen wohnen, soll noch auf Geld warten. Stellung nehmen will das Hotel jedoch nicht dazu. Ein Mitarbeiter aus der Turnierorganisation sagt: „Die Zahlungsmoral der Katarer war auch in den vergangenen Jahren nicht gut, aber spätestens im September hatten wir unser Geld.“

Mit dem Aufstieg des deutschen Tennis in den achtziger Jahren waren auch die German Open nach oben geklettert. Bis in die zweite Reihe, direkt hinter die vier Grand Slams. Am meisten Glanz verlieh dem Turnier Steffi Graf, neunmal hat sie gewonnen. In den vergangenen Jahren verlor das Turnier jedoch immer mehr an Wert, auch bedingt durch den Absturz des deutschen Frauentennis. Nun könnte das Stadion am Hundekehlesee mit seinen 7000 Plätzen für den Centre Court im nächsten Jahr vergeblich auf Besuch warten. Mehr als 20 Millionen Mark aus Lottomitteln waren Mitte der neunziger Jahre in den Ausbau des Stadions geflossen.

Der Deutsche Tennis-Bund versucht, das Turnier noch zu retten. Präsident Georg von Waldenfels reiste Anfang November nach Doha, um die Katarer nach dem fehlenden Geld zu fragen und sich nach der Zukunft des Turniers zu erkundigen. „Der Präsident des Tennisverbandes hat mir in die Hand versprochen, dass in der nächsten Woche alles Geld überwiesen wird“, sagt Waldenfels. Passiert ist jedoch nur eins: Die Verbandsführung wechselte abermals, den neuen Präsidenten kennt Waldenfels noch nicht. In der vergangenen Woche habe er noch einmal mit dem Generalsekretär des Verbandes telefoniert. „Der hat mir gesagt: Es bleibt alles beim Alten.“ Waldenfels weiß nun selbst nicht mehr, was er glauben soll. „Die Nachrichtenlage ist verwirrend. Ich hoffe, dass die Katarer inzwischen wissen, dass auch für sie eine Menge auf dem Spiel steht.“

Sich noch einmal zusammenzuraufen für das Turnier stellt sich etwa Claudio Gärtner schwierig vor: „Entweder die Katarer suchen sich neue Firmen, mit denen sie zusammenarbeiten. Die kennen sich aber auf dem Gelände nicht aus. Oder sie arbeiten wieder mit uns.“ Dann werde er jedoch die Preise anheben und nur gegen Vorkasse arbeiten.

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