Tennis in Hamburg : Neue Probleme für das Rothenbaum-Turnier

Dank Rafael Nadal waren die German Open der Tennisprofis in Hamburg ein Publikumsrenner. Doch die Zukunft des Turniers ist längst nicht gesichert.

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Volles Haus. Rund 70 000 Tennisfans kamen in dieser Woche auf die Anlage am Hamburger Rothenbaum. Doch schon im nächsten Jahr könnten es deutlich weniger werden, wenn Stars wie Rafael Nadal dem Turnier fernbleiben.
Volles Haus. Rund 70 000 Tennisfans kamen in dieser Woche auf die Anlage am Hamburger Rothenbaum. Doch schon im nächsten Jahr...Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Michael Stich war aus der Puste. Mit seinen 46 Jahren ist der ehemalige Wimbledonsieger noch gut in Schuss, doch die 45-minütige Einheit mit Rafael Nadal am Sonntag hatte Stich an seine Konditionsgrenzen gebracht. „Rafa hatte keinen gefunden, mit dem er sich vor dem Finale einschlagen konnte“, erzählte Stich schwer atmend, „und wir sind ja eine Full-Service-Agentur. Da mache ich alles.“ Als Turnierdirektor kümmert er sich mit seiner Vermarktungsagentur HSE darum, dass die Traditionsveranstaltung am Hamburger Rothenbaum läuft. Und das auch schon mal mit vollem Körpereinsatz.

Gelohnt hatten sich die Anstrengungen schon im Vorfeld bei der Verpflichtung des spanischen Superstars. Insgesamt 70 000 Zuschauer kamen während der Turnierwoche vor allem für Nadal. Auch das Endspiel, das der frühere Weltranglistenerste gegen Fabio Fognini aus Italien gewann, war mit 7500 Tickets ausverkauft. Dazu spielte am Wochenende endlich auch das Wetter in Hamburg mit, doch dann sorgte der Hauptsponsor, Wettanbieter bet-at-home, für schlechte Laune bei den Turnierverantwortlichen. Und so ziehen unerwartet dunkle Wolken über der Zukunft des Rothenbaums auf.

Stich hatte es gleich noch einmal fast die Luft genommen. Eigentlich war er gerade mittendrin, ein durchweg positives Fazit seiner Veranstaltung zu ziehen, die er nach Jahren der finanziellen Unsicherheiten vor dem Aus gerettet hatte. Den verbalen Tiefschlag von Claus Retschitzegger sah Stich offenbar nicht kommen. Der Sprecher des österreichischen Wettanbieters monierte: „Rechnet man Nadal raus, war das Teilnehmerfeld an der Schmerzgrenze. Von der Qualität her ging es eher Richtung eines 250er-Turniers.“ Stichs Miene versteinerte sich. Der Vertrag mit dem Hamburger Hauptsponsor läuft aus, aber noch vor einem Jahr hatte Retschitzegger von bet-at-home die Verlängerung mit der HSE als reine Formsache bezeichnet. Nun scheint das Geschacher um die Tantiemen eröffnet zu sein.

Der Hauptsponsor ärgerte sich über das schwache Teilnehmerfeld

Denn die Spieler- und Turnierorganisation ATP hatte in diesem Jahr die Preisgeldgrenze um mehr als zehn Prozent angehoben, in Hamburg muss nun um 1,3 Millionen Euro gespielt werden. Das bedeutet eine Mehrbelastung für die Sponsoren, und für dieses Geld wollen diese bei einem 500er-Turnier, also die dritthöchste Kategorie, mindestens eine Handvoll Top-20-Spieler sehen. Nadal war durch kurzfristige Absagen jedoch der Einzige, und für einen Star wie ihn müssen zusätzlich um die 500 000 Euro aufwärts als Antrittsgeld gezahlt werden. Stich verständigte sich mit dem Management des Mallorquiners allerdings auf eine etwas geringere Summe für ein paar andere Zugeständnisse wie die Wildcard für den spanischen Junioren Jaume Munar. Nadal wollte unbedingt auf der roten Asche in Hamburg spielen, suchte dringend Matchpraxis. Das kam Stich zugute. Vor zwei Jahren konnte er so auch den Schweizer Roger Federer an die Elbe lotsen. Damals war der Zuschauerzuspruch ähnlich stark.

„Nadal ist eine absolute Bereicherung“, wehrte sich Stich, „sportlich, medial und für den Ticketverkauf.“ Die Investition refinanziere sich, betonte er. Das Zugpferd war da, es fehlten jedoch weitere hochkarätige Spieler oder zumindest erfolgreichere deutsche. „Viele der Besten spielen eben lieber auf Hartplatz, die kann man nicht zwingen“, fügte Stich hinzu.

Genau daran stört sich Retschitzegger: „Man muss mittelfristig überlegen, ob so kurz vor den US Open nicht der Hartplatz ein Thema sein könnte.“ Das lehnt Stich kategorisch ab, wie auch der Club an der Alster, der Besitzer der Anlage. Finanziell wäre so ein Umbau ohnehin nicht zu stemmen, und um Geld geht es nun zweifellos in den Verhandlungen mit Retschitzegger. Bis 2018 läuft Stichs Vertrag noch, doch ohne Sponsoren hat sein Turnier keine Zukunft. Nadal war sein Geld wert, doch im nächsten Jahr ist Hamburg eingeklemmt zwischen Wimbledon und den Olympischen Spielen in Rio. Dann werden die Stars erst recht einen Bogen um die rote Asche am Rothenbaum machen – vermutlich auch ein Rafael Nadal.

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