Tennis : Ivan Lendl: "Steeb ist die perfekte Vorbereitung auf McEnroe"

Tennis-Legende Ivan Lendl über seinen heutigen Schaukampf, das Ende der Ära Federer-Nadal und seinen immer noch großen Ehrgeiz.

Ivan Lendl, 50, gewann acht Grand-Slam-Titel und stand 270 Wochen an der Spitze der Tennis-Weltrangliste. Der gebürtige Tschechoslowake musste seine Profikarriere 1994 wegen einer Rückenverletzung beenden. Heute trifft er in der Havellandhalle in Seeburg um 14 Uhr in einem Schaukampf auf den ehemaligen deutschen Davis-Cup-Spieler Carl-Uwe Steeb. Der Eintritt ist frei.
Ivan Lendl, 50, gewann acht Grand-Slam-Titel und stand 270 Wochen an der Spitze der Tennis-Weltrangliste. Der gebürtige...Foto: picture-alliance / Augenklick/ F

Herr Lendl, Sie sind gerade aus den USA nach Deutschland geflogen. Hatten Sie Sägespäne mit im Gepäck? Früher haben Sie die gerne benutzt, um ihre Hände zwischen Ballwechseln zu trocknen.

Nein (lacht). Ich habe gehofft, Charly Steeb würde sich daran erinnern und mir heute welche mitbringen.

Vor Ihrem heutigen Schaukampf gegen Steeb haben Sie sich aber immerhin erkundigt, wo Sie am Samstagabend noch trainieren können. Wie ernst nehmen Sie Tennis noch?

Wenn ich irgendwo antrete, will ich mich auch ordentlich präsentieren. Dabei ist es wichtig, den Court zu kennen. Ich habe zwar keine ernsthafte Trainingseinheit absolviert, aber ich wollte mich an die Geschwindigkeit des Untergrundes, die Bälle und das ganze Drumherum gewöhnen.

Sie haben Ihre ProfiKarriere 1994 beendet. Was bringt Sie heute nach Brandenburg?

Charly Steeb hat mitbekommen, dass ich wieder ein paar Matches spiele und rief mich an. Ich fand das eine tolle Idee, weil ich seit langer, langer Zeit nicht mehr in Berlin gespielt habe. Außerdem ist Charly Linkshänder – insofern ist er für mich die perfekte Vorbereitung auf John McEnroe, gegen den ich im Februar im New Yorker Madison Square Garden spiele.

Warum haben Sie überhaupt wieder mit Tennis angefangen?

Erstens geht es meinem Rücken besser. Als ich wieder angefangen habe zu spielen, hat mir das überraschenderweise sehr viel Spaß gemacht. Außerdem baue ich eine Tennisakademie auf und ich finde, wenn du jungen Spielern etwas beibringen willst, muss du auch selbst spielen. Ich habe auch wieder mehr Zeit für Tennis, weil meine fünf Töchter jetzt älter sind und aufs College gehen.

Nach ihrem Karriereende haben Sie viel Golf gespielt. Hat Ihnen das dieselbe Befriedigung verschafft wie Tennis?

Ja, weil ich an Wettkämpfen teilnehmen konnte. Wenn man sein ganzes Leben Wettkämpfe bestreitet, braucht man das. Ich liebe es immer noch, nervös zu werden und den Druck zu spüren.

Warum sollten wir uns heute Steeb gegen Lendl anschauen – und nicht Andy Murray gegen Novak Djokovic im Finale der Australian Open?

Weil die beiden um 9.30 Uhr spielen und wir um 14 Uhr. Das Finale in Australien wird zu Ende sein, wenn wir auf den Platz gehen.

Sie rechnen nicht mit einem Fünfsatzkrimi?

Ich glaube nicht, dass sie fünf Stunden lang spielen werden, nein.

Werden Sie trotzdem früh aufstehen, um sich das Finale anzusehen? Oder interessiert Sie das gar nicht mehr so sehr?

Natürlich interessiert mich das! Ich denke, es wird ein sehr interessantes Finale. Wir erleben gerade eine spannende Zeit im Männertennis. Es ist eine riesige Chance für Novak und Andy, die Australian Open zu gewinnen. Beide spielen gerade sehr, sehr gut – und es ist sehr selten, dass weder Nadal noch Federer im Finale stehen. Ich freue mich darauf, zu sehen, wie die beiden mental damit umgehen.

Federer und Nadal haben das Finale in Melbourne verpasst, beide waren zuletzt nicht auf der Höhe ihres Spiels. Sie selbst waren 270 Wochen lang die Nummer eins der Weltrangliste. Wie schwer ist es, sich an der Spitze zu behaupten?

Ich habe das niemals als Bürde empfunden. Es ist etwas, für das ich sehr hart gearbeitet habe. Ich hatte nie das Gefühl, dass es schwierig war, damit umzugehen.

War es früher einfacher, an die Spitze zu kommen und dort zu bleiben?

Es ist sicherlich schwieriger geworden. Es ist wie in jedem Sport: Die Qualität hat sich fantastisch weiterentwickelt. Schauen Sie sich nur an, wie sich die Zeiten im Schwimmen oder der Leichtathletik in den vergangenen 20 Jahren entwickelt haben! Ähnlich ist es auch im Tennis. Und es gibt viel mehr Spieler, die den Spitzenspielern gefährlich werden können.

Federer und Nadal spielen immer seltener gegeneinander. Denken Sie, dass die Zeit der beiden zu Ende geht?

Ja, wie gesagt: Murray und Djokovic, Juan Martin Del Potro – wenn er wieder fit ist –, vielleicht Tomas Berdych: Sie alle holen auf.

Federer und Nadal gehen trotz ihrer Rivalität sehr respektvoll miteinander um. Macht es das Duell weniger interessant als beispielsweise Ihre Rivalität mit McEnroe, Mats Wilander oder Boris Becker?

Ich denke, so sollte Sport sein: Man sollte so hart wie möglich gegeneinander kämpfen und trotzdem hinterher befreundet sein. Man kann aber meine Rivalität mit McEnroe nicht mit der vergleichen, die ich mit Wilander oder Becker hatte. Die Beziehung war komplett anders.

Was hat den Unterschied gemacht?

Mit Wilander und Becker war es viel mehr so, wie Sie es zwischen Federer und Nadal beschreiben.

Und mit McEnroe war die Rivalität weniger freundlich?

Auf jeden Fall weniger freundlich, ja (lacht).

McEnroe und andere ehemalige Profis spielen regelmäßig auf der Senioren-Tour. Haben Sie das auch vor?

Ich will nur ab und zu ein Match spielen. Drei oder vier Spiele pro Woche sind einfach zu viel für mich. Ich bin 50 Jahre alt: Am Tag nach einem Match fühlt sich mein Körper nicht so toll an.

Worauf freuen Sie sich bei Ihrem Match gegen McEnroe am meisten?

Wir beide werden alles geben, um zu gewinnen. Daran gibt es gar keinen Zweifel.

Es wird also keine Witzchen und Schläge hinter dem Rücken geben?

Vielleicht gibt es Witze – vor allem aber geht es um ernsthaftes Tennis.

Das Gespräch führten Anke Myrrhe und Lars Spannagel.

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