Sport : Tennis: Kommentar: Ein Sportheld als normaler Mensch

Ernst Podeswa

Es könnte durchaus sein, dass bei Blau-Weiss Lichtenrade oder beim Tennisclub in Zinnowitz auf Usedom Verschönerungskampagnen gestartet werden. Denn Boris Becker hat auch nach dem Abbruch seines Spiels in Graz verkündet, er werde wieder öfter Tennis spielen. Allerdings "nur an schönen Orten". Ob die Anlagen in Lichtenrade oder in Zinnowitz den Ansprüchen genügen?

Wohl eher nicht. Und auch die logistischen Möglichkeiten dürften hier kaum ausreichen, um 4000 Zuschauern, einer Hundertschaft von Medienleuten und einer unbekannten Zahl von Bodyguards Platz zu bieten. So, wie es jetzt in Graz war. Wer Becker dennoch live erleben möchte, sollte nach New York fliegen. Am 8. September ist bei den US Open ein Schaukampf gegen John McEnroe geplant. Und vom 14. bis 16. September will der Altmeister in Verona Proben seines Könnens gegen den Schweizer Roger Federer abliefern. In jener Arena, in der Startenöre von Luciano Pavarotti bis Placido Domingo ihr Publikum dahinschmelzen lassen.

Becker übt auf seine Anhängerschaft eine ähnliche Faszination aus. Das beweist der Andrang bei seiner Wiederkehr in der Steiermark. Seine Popularität hat durch private Eskapaden und wirtschaftliche Pleiten in den zwei Jahren seit seinem Rückzug kaum gelitten. Eher das Gegenteil scheint der Fall. Das Scheitern der Ehe und seine missglückten Versuche als Geschäftsmann haben ihm eher Sympathien eingetragen. Nach dem Motto: Der Sportheld Becker ist auch nur ein Mensch mit Fehlern und Schwächen. Und ganz gewiss hängt die aktuelle Zuwendung auch damit zusammen, dass seine Nachfolger Thomas Haas und Nicolas Kiefer nie sein Tennisformat erreichen werden.

Dass sein Comeback aber nicht "ein Schritt zurück in mein Leben, das ich kenne" sein wird, das signalisierten ihm das Zwicken im Rücken und die Oberschenkelverletzung. Die Tenniswelt wird er mit 33 Jahren nicht mehr einreißen können.

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