Tennis : Kroatien gewinnt erstmals Davis-Cup

Trainer Niki Pilic hat das kroatische Tennis-Team zum ersten Erfolg im Daviscup geführt und sich einen historischen Triumph beschert. Noch vor fünf Jahren spielte Kroatien in der dritten Liga.

Bratislava - Mario Ancic setzte sich am Sonntag in der Sibamac-Arena von Bratislava im entscheidenden fünften Match gegen den Slowaken Michael Mertinak mit 7:6 (7:1), 6:3, 6:4 durch und sorgte damit für den umjubelten 3:2-Erfolg. Der kroatische Team-Kapitän Pilic, der 1988, 1989 und 1993 Deutschland zum Daviscup-Pokal geführt hatte, ist damit der erste Coach, der den wertvollsten Mannschafts-Titel im Tennis mit zwei verschiedenen Teams gewinnen konnte.

«Mit Kroatien ist alles emotionaler», hatte Pilic bereits vor dem Endspiel gegen die Slowakei gesagt. In Kroatien hat der 66-Jährige durch den Finalerfolg ein Stück Tennis-Geschichte geschrieben und ein sportliches Wunder vollbracht. Als er vor fünf Jahren sein Amt antrat, spielte das Land in der dritten Liga gegen Teams wie die Elfenbeinküste oder Lettland.

Doch nachdem der Außenseiter in diesem Jahr in der ersten Runde bereits den Titelfavoriten USA auswärts mit 3:2 besiegt hatte, krönte der an Nummer 22 der Weltrangliste platzierte Ancic jetzt mit seinem Sieg die Erfolgs-Saison der Kroaten. Doppel-Spezialist Mertinak war erst kurzfristig von Kapitän Miroslav Mecir für den ursprünglich vorgesehenen Karol Kucera nominiert worden und wehrte sich zunächst tapfer, war am Ende aber chancenlos.

Zuvor hatte Dominik Hrbaty am Sonntag für den 2:2-Ausgleich gesorgt. Der Slowake bezwang in einem packenden Match über fünf Sätze Ivan Ljubicic nach 3:21 Stunden mit 4:6, 6:3, 6:4, 3:6, 6:4. Der Weltranglisten-Neunte Ljubicic verpasste mit der Niederlage seinen zwölften Punkt in diesem Jahr für Kroatien, mit dem er den Rekord von John McEnroe aus dem Jahr 1982 eingestellt hätte. Dem Amerikaner waren damals auf dem Weg zum Finalsieg gegen Frankreich zwölf Siege gelungen.

«Ich bin heute morgen mit einem blockierten Halswirbel aufgewacht und wusste lange nicht, ob ich spielen kann oder nicht», sagte der frustrierte Ljubicic. «Das war wahrscheinlich die schwierigste Entscheidung meiner Karriere - anzutreten oder nicht.» Im dritten Satz habe er sich wegen der eingenommenen Schmerzmittel sogar in der Kabine übergeben müssen.

Am Samstag hatten Ljubicic und Ancic durch einen Sieg im Doppel gegen Hrbaty und Mertinak für die 2:1-Führung gesorgt. Am Freitag hatte Ljubicic das Auftakt-Einzel gegen Karol Kucera gewonnen, anschließend war Hrbaty durch einen Vier-Satz-Sieg gegen Ancic der Ausgleich für die Slowaken gelungen. (tso/dpa)

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