Tennis : Monica Seles - Rücktritt statt Comeback

Viele Fans haben sich auf ihr Comeback gefreut, doch Tennis-Ikone Monica Seles hat Schmerzen. Sie legt den Schläger aus der Hand und wird nie mehr der Filzkugel nachjagen.

Andreas Bellinger,Heiko Oldörp[dpa]
Seles
Monica Seles -Foto: dpa

MiamiMonica Seles hat ihre spektakuläre Karriere still und leise beendet. "Ich habe mich entschieden, aufzuhören", heißt es in einer knappen Nachricht, die das Management der einstigen Nummer eins der Tennis-Welt verbreitet hat. Nur wenige Wochen, nachdem die inzwischen 34-Jährige ihr Comeback für Ende März angekündigt hatte, zog sie überraschend einen endgültigen Schlussstrich. "Ich hatte noch einmal mit einer Rückkehr geliebäugelt", erklärte die in Novi Sad geborene Amerikanerin, die höchstens noch bei Show-Veranstaltungen für den guten Zweck zum Tennis-Schläger greifen will.

Die Leidenszeit mit zahllosen Blessuren und bisweilen schlimmen Schmerzen im Rücken und den strapazierten Sprunggelenken sollte in Key Biscayne kommenden Monat eigentlich ein Ende finden. "Ich liebe es zu spielen", hatte sie ihr Comeback nach fast fünf Jahren Pause quasi als Geburtstagsgeschenk am 2. Dezember angekündigt. Zwar wolle sie nur noch die wichtigsten Turniere spielen - aber wenigstens die.

Schmerzen zu groß für Profi-Tennis

Doch die Schmerzen blieben - und die notwendigen Fortschritte auf dem Weg zurück in den Tennis-Zirkus blieben aus. Die unausweichliche Konsequenz hieß: Ich will nicht mehr. Das deprimierende 4:6, 0:6-Erstrunden-Aus in Roland Garros 2003 gegen die Russin Nadja Petrowa wird somit als ihr letztes Profi-Match in die Annalen eingehen. Auch wenn sie danach nicht ganz abstinent war. So spielte sie in der amerikanischen Team-Tennis-Serie, in der auch Steffi Graf und andere Ehemalige hier und da dem guten Zweck wegen zum Schläger greifen.

Darüber hinaus wurde es sportlich gesehen aber still um die neunmalige Grand-Slam-Siegerin, die 1992 im legendären Finale der French Open Steffi Graf im dritten Satz mit 10:8 besiegte. Nach 53 gewonnenen Titeln, 14.891.762 Dollar Preisgeld und "zwei Karrieren" ist nun Schluss für die in Florida lebende Seles, die am 11. März 1991 erstmals auf Platz eins der Weltrangliste stand und diese Position insgesamt 178 Wochen lang innehatte. Zum Vergleich: Steffi Graf war 377 Wochen an der Spitze der Tennis-Welt.

Dramatischer Messer-Anschlag

Die am 13. Februar 1989 gestartete "erste Karriere" endete dramatisch am 13. April 1993 beim Turnier am Hamburger Rothenbaum. Ein verwirrter Fan rammte ihr in einer Spielpause ein Messer in den Rücken. Die Wunde an der Schulter heilte schnell, nicht aber die an der Seele der damals 19-jährigen Seles. Psychisch schwer angeschlagen konnte die Top-Spielerin erst nach zwei Jahren und drei Monaten auf den Tenniscourt zurückkehren, auf dem sie von 717 Matches 595 gewann.

So wie vorher wurde es freilich nie mehr. Immer wieder kamen mehr oder minder schwere Verletzungen dazwischen, und die Unbeschwertheit war unwiederbringlich verschwunden. Bestenfalls ein paar Schläge daheim in Sarasota mit den Nachbarn wie Jennifer Capriati, Martina Navratilova oder Jimmy Arias ließ der lädierte Körper zu. Das Thema Tennis schien passé. Bis Lindsay Davenport ihr Comeback nach einem Jahr Babypause wagte. "Was Lindsay gemacht hat, ist richtig cool", sagte Monica Seles begeistert und startete ihren letzten Versuch.

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