Sport : Tennis-Nachwuchs: Sechs Matchbälle abgewehrt

Ernst Podeswa

Eher trist ist die Gegenwart des deutschen Tennissports: Alle sieben Starter des Deutschen Tennis Bundes scheiterten beim ATP-Turnier in Stuttgart schon in der ersten Runde. Und die prominenten Spieler Thomas Haas und Nicolas Kiefer hatten es nicht mal für nötig befunden, bei einem der wichtigsten Turniere auf deutschem Boden überhaupt dabei zu sein.

Wer die Zukunft des weißen Sports hier zu Lande besichtigen will, der kann dies derzeit auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß im Grunewald tun. Dort spielen rund 140 Jugendliche bis 18 Jahre aus 44 Nationen bis Sonntag bei den Berlin Junior Open. Mit einer Begeisterung, wie man sie bei Haas und Co. leider oft vermisst. Bestes Beispiel dafür ist der 15-jährige Sebastian Rieschick. Gestern erreichte das Talent von Gelb-Weiß Lichtenrade durch ein 6:3, 7:6 über den Holländer Jesse Huta Galung die Runde der letzten Acht. Tags zuvor hatte der Berliner, der im Dezember bei der inoffiziellen Jugend-WM, dem Orange Bowl, im Finale stand, seine kämpferischen Qualitäten bewiesen. Nach einem 2:5-Rückstand und Abwehr von sechs Matchbällen warf Rieschick den an Nummer zwei gesetzten Australier Clinton Letcher aus dem Wettbewerb. Eberhard Wensky, Chef der Sportabteilung bei Rot-Weiß, erwartet von Anna-Lena Groenefeld (16) aus Nordhorn, "dass sie bald hier bei den German Open der weltbesten Damen mitspielen kann".

Mit den Junior Open (Etat 200 000 Mark) knüpft Rot-Weiß an alte Traditionen an: "Wir hatten bis 1992 dreimal die Jugend-Europameisterschaften hier und eines der weltweit besten Nachwuchsturniere hier." Der junge Björn Borg (1969 - 71) hat hier gewonnen, Yannick Noah (1976) oder Boris Becker (1983). Auch Steffi Graf zeigte hier ganz früh ihre außergewöhnliche Begabung.

Ein anderer Aspekt des jetzigen Turniers ist, dass dem Tennis-Weltverband ITF signalisiert wird: Berlin ist ein Standort, der mehr als die German Open organisieren kann. Jugend-Europameisterschaften, Daviscup oder ein ATP-Turnier der Herren, sagt Wensky, "denn wir haben dafür durch die German Open die Infrastruktur und bewährte Organisatoren hier". Und eine moderne Anlage, die bislang nur zehn Tage im Jahr beim Damenturnier richtig genutzt wurde. Auch, weil die Anwohner kulturelle Veranstaltungen bisher aus Lärmgründen abschmettern konnten. Was gegen das dezente "Plopp" der Filzbälle kaum gelingen dürfte.

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