Tennis : Neuer Tag, neue Demütigung

Erst Hamburg, jetzt Berlin: Der Deutsche Tennis-Bund verliert seine Turniere und soll auch noch fast 18 Millionen Euro an die ATP zahlen.

Friedhard Teuffel
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Darf ich auch mal etwas sagen? DTB-Präsident Georg von Waldenfels. Foto: dpa

Berlin - Wenn über das deutsche Tennis entschieden wird, dann wird inzwischen nicht einmal mehr mit dem deutschen Tennis geredet. „Da ist mit uns nicht gesprochen worden“, sagte Georg von Waldenfels, der Präsident des Deutschen Tennis-Bundes (DTB), als er davon erfuhr, dass die German Open der Frauen in Berlin aus dem Turnierkalender gestrichen sind. Die Hoheit über sein wichtigstes Frauenturnier hatte der DTB ohnehin verloren: 2004 hatte es der Verband an den Tennis-Verband Katar verkauft.

Um nicht untätig zu sein, schickte Waldenfels am Mittwoch noch eine E-Mail an Larry Scott, den Vorsitzenden der Spielerinnen-Organisation WTA: „Deutschland ist einer der wichtigsten Tennismärkte und Berlin ein ganz besonderer Standort. Die German Open sind eines der Traditionsturniere schlechthin.“ Die WTA entscheidet schließlich, wo welches Turnier stattfindet. Wahrscheinlich wird diese Nachricht jedoch allenfalls den Eindruck bei der WTA hinterlassen, dass der Deutsche Tennis-Bund seinen Stolz noch nicht ganz verloren hat. Schwerer wird es Waldenfels fallen, bei den Katarern noch einmal für den Standort Berlin zu werben. Die Führung des katarischen Verbandes hatte gewechselt, und schon in den vergangenen Wochen fand der DTB-Präsident dort keinen Ansprechpartner mehr. Eine kleine Hoffnung hat Waldenfels noch: „Vielleicht könnten die Katarer ihr kleines Frauenturnier in Berlin veranstalten.“ Seine Einflussmöglichkeit muss er jedoch realistisch einschätzen: „Was aus dem Turnier wird, das liegt nicht mehr in unserer Hand.“

Der Verlust des Berliner Turniers ist für den DTB die zweite demütigende Nachricht innerhalb von wenigen Tagen. Die andere betrifft das Männer-Turnier in Hamburg. Ohne Entschädigung und nach einem kostspieligen Prozess hatte der DTB den Masters-Status im vergangenen Jahr verloren, die Spieler-Organisation ATP hatte ihm den einfach aberkannt und das Turnier auf einen unbeliebten Termin im Sommer verlegt. Das hatte auch ein Gericht im amerikanischen Bundesstaat Delaware abgesegnet. Der DTB bemühte die zweite Distanz, ein Gericht in Philadelphia. Am Montag versuchte sich der DTB erst einmal außergerichtlich mit der ATP zu einigen. Doch das scheiterte an einem besonders prekären Punkt: Die ATP will vom DTB die Anwaltskosten aus dem erstinstanzlichen Verfahren erstattet bekommen und das sind: 17,7 Millionen Dollar.

Waldenfels ist auch jetzt noch verwirrt von dieser Summe. „Das ist gar nicht zu fassen.“ 17,7 Millionen Dollar sind 13,5 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der DTB war mit 2,7 Millionen Euro Anwaltskosten ausgekommen. Eigentlich galt in dem Verfahren, dass jeder seine Anwälte selbst bezahlt, doch die ATP besteht auf der Gültigkeit einer Klausel in ihren Statuten. „Das ist eine Klausel, die wir gar nicht kannten und die noch gar nicht veröffentlicht war“, sagt Waldenfels. Dem DTB sei daher auch jetzt noch einmal von seinen Anwälten geraten worden, sich nicht auf die Forderung der ATP einzulassen.

Zu einer Einigung kam es noch nicht, ebenso wenig wie zu der erhofften Entschädigungszahlung durch die ATP für den Verlust des Masters-Status in Hamburg. Die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung mit der ATP ist nun deutlich gesunken. Im Frühjahr wird vermutlich das Gericht in Philadelphia ein Urteil fällen. Auch diese Entscheidung über seine Zukunft könnte über die Köpfe des deutschen Tennis hinweg getroffen werden. Friedhard Teuffel

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