Tennis : Nicht nur Stars spielen schön

Das deutsche Tennis-Publikum muss sich von den Erwartungen vergangener Jahre verabschieden. Anke Myrrhe wünscht sich mehr Bodenständigkeit.

Anke Myrrhe

Seit Jahren wartet Tennis-Deutschland darauf, dass endlich wieder jemand kommt und den Boris Becker macht. Aber es will einfach keiner kommen. Inzwischen sind die Hoffnungen so weit gesunken, dass man sich damit begnügt, dass ja Roger Federer zumindest deutschsprachig ist.

In der Nacht zum Montag gab es die nächste Ernüchterung: Philipp Kohlschreiber ist bei den US Open ausgeschieden. Wieder ein Deutscher raus. In der dritten Runde. Nichts Besonderes also. Ein Junge mit einem Namen, den außerhalb Deutschlands sowieso niemand aussprechen kann, und der schon in Wimbledon kläglich gescheitert ist. Kann so einer eigentlich Tennis spielen? Er kann!

Sicher, mit seinen 23 Jahren ist Kohlschreiber nicht mehr der Jüngste, und ein Rafael Nadal, der mit 22 bereits dreimaliger French-Open-Sieger ist, wird er sicher nicht mehr werden. Aber er hat gutes Tennis gespielt, nicht zum ersten Mal. Sein Auftritt gegen Carlos Moya war sportlich klasse – hätte Kohlschreiber etwas abgebrühter gegen Spaniens Tennisveteranen agiert, wäre Moya chancenlos gewesen. Und auch sein Alter muss kein Nachteil für Kohlschreiber sein. Philipp Kohlschreiber ist gereift. Im Mai hatte er das ATP-Turnier in München gewonnen, danach hob er ab und scheiterte in Wimbledon auch an seiner Arroganz. Nun gibt er bescheidenere Ziele aus, realistischere.

Das sollte das deutsche Tennispublikum auch tun. Es sollte sich verabschieden von Erwartungen der Vergangenheit, den Superlativen und dem Gerede von der Weltklasse. Ausnahmespieler wie Boris Becker und Steffi Graf hat das deutsche Tennis derzeit nicht. Aber immerhin einen guten Philipp Kohlschreiber.

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