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Tennis : Novak Djokovic weist Manipulationsvorwürfe zurück

Als "absurd" bezeichnet Djokovic die Vorwürfe, dass er 2007 ein Match absichtlich verloren hat. Hintergrund ist die umstrittene Praxis in der Tennis-Szene bei Antrittsprämien.

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Novak Djokovic zieht in die dritte Runde der Australian Open ein.
Novak Djokovic zieht in die dritte Runde der Australian Open ein.Foto: REUTERS

Es ging auf Mitternacht zu, als Novak Djokovic zur Pressekonferenz in den Katakomben der Rod-Laver-Arena erschien. Er hatte gerade den 19-jährigen Qualifikanten Quentin Halys in der zweiten Runde der Australian Open locker bezwungen und erwartete nun Fragen zum Spiel. Doch das Interesse der Journalisten drehte sich um ein ganz anderes Thema. Die italienische Zeitung „Tuttosport“ hatte in einem Artikel Djokovic mit möglichen Wettmanipulationen im Tennis in Verbindung gebracht, die zum Wochenbeginn von den Medien BBC und „Buzzfeed“ enthüllt worden waren. „Ich denke, das ist einfach absurd“, sagte der überrumpelte Djokovic sichtlich sauer, „du kannst jedes Match nehmen, das du willst, in dem ein Topspieler in den vergangenen zehn Jahren in einer frühen Runde verloren hat, und dir dazu eine Geschichte ausdenken.“
Der besagte Artikel bezieht sich auf eine Partie des serbischen Weltranglistenersten aus dem Jahr 2007 beim Masters-Turnier in Paris Bercy. Damals hatte er seine Auftaktpartie gegen den französischen Weltranglisten-39. Fabrice Santoro mit 3:6 und 2:6 verloren – absichtlich, wie „Tuttosport“ unterstellt. „Solange es keine Beweise gibt, sind das für mich alles nur Spekulationen“, fuhr Djokovic mit Nachdruck fort. Ob er absichtlich verloren habe? „Das ist nicht wahr.“
Fragwürdig sind die Anschuldigungen tatsächlich, werden sie doch vom ehemaligen schwedischen Tennisprofi Thomas Nydahl erhoben, der selbst im Verdacht der Spielmanipulation steht. Als glaubwürdige Quelle dient Nydahl daher nicht, zumal er auch keinerlei Beweise für seine Behauptung erbringt. Für Djokovics Entlastung würde zumindest die Tatsache sprechen, dass er sich damals kurz zuvor die Weisheitszähne hatte herausoperieren lassen und gar nicht fit nach Paris angereist war. Dass er dennoch antrat, war allein der Tatsache geschuldet, dass die Spieler- und Turniervereinigung ATP Bonussummen für die Profis für die Masters- Events auslobt. Hat man an allen neun teilgenommen, erhöht sich die Summe auf eine Million Euro. Das war für Djokovic Anreiz genug, sich gegen Santoro auf den Platz zu stellen, wohl wissend, dass er nicht gewinnen würde. Das mag unsportlich klingen, ist im Tennis allerdings gang und gäbe. Viele Spieler wollen zumindest das Antrittsgeld der Turnierveranstalter mitnehmen, auch wenn sie nicht fit sind oder schlicht keine Lust haben. Meist geben sie dann im ersten Satz auf oder verlieren schnell. Wer einmal auch nur kurz auf dem Platz gestanden hat, kassiert.
Djokovic hatte damals in Paris dem Trainer eines anderen Spielers offenbar gesagt, dass er am nächsten Tag nicht mehr da sei und weiter zu den Tour-Finals reisen würde. Über diesen Weg mag die brisante Insiderinformation über seine Unpässlichkeit durchgesickert sein und zu auffälligem Wettverhalten geführt haben.


Die Mitnahmementalität beim Antrittsgeld ist ein Ärgernis für Veranstalter und Zuschauer, doch nicht zwangsläufig steht hinter diesen Niederlagen tatsächlich Manipulation. Diesen Eindruck vermitteln jedoch seit den BBC- und „Buzzfeed“-Enthüllungen etliche Medien, die mit Gerüchten und wilden Anschuldigungen arbeiten. Spieler, die namentlich nicht genannt werden wollen, bieten sich dabei als Kronzeugen an. Ihre Angaben über angebliche Wettmanipulationen und die Praktiken der Betrüger lassen sich so nicht nachprüfen und bleiben fragwürdig. Ebenso wie die Namen von 15 Profis, die angeblich auf der „Buzzfeed“-Liste stehen. Die Namen veröffentlichte ein anonymer Blog am Mittwoch – allerdings ebenso ohne Beleg.

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