Sport : Tennis: Ohne Rücksicht auf Verdienste

Frank Bachner

Georg von Waldenfels ist ein konsequenter Mann. Jedenfalls sagt er das. Und dann erwähnt er kurz mal einen Namen, um zu zeigen, wie konsequent er ist. "Ich habe mich im Januar von Günter Sanders getrennt." Sanders war Turnierdirektor des Hamburger Männer-Tennisturniers, jetzt ist er nicht mehr im Amt. Es gab da finanzielle Unregelmäßigkeiten. Georg von Waldenfels war Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), als Sanders gehen musste, und er ist immer noch im Amt. Und von Waldenfels sagte gestern: "Eines ist klar: Wenn es Unregelmäßigkeiten gab, müssen Konsequenzen gezogen werden. Niemand ist unersetzlich, auch nicht jemand, der große Verdienste hat. Ich bin der Letzte, der etwas zudeckt."

Jetzt stellt sich die Frage, ob sich der DTB von Eberhard Wensky, dem Turnierdirektor des Damen-Tennisturniers German Open trennt. Wensky, bis Frühjahr kommissarischer Klubdirektor des LTTC Rot-Weiß Berlin, ist mit verantwortlich für die falsche Klub-Bilanz 2000, er ist auch mit verantwortlich dafür, dass Quellensteuern für ausländische Spielerinnen nach den German Open 1999 und 2000 verspätet ans Finanzamt überwiesen wurden. "Ich warte jetzt ab", sagt von Waldenfels, "welche Resultate Georg Körner aus dem Bericht von Ernst & Young zieht." Körner ist Geschäftsführer der Holding des DTB, er ist aber auch Steuerberater, und seit Dienstag hat er eine Zusammenfassung des Berichts der Wirtschaftsprüfer des renommierten Büros Ernst & Young. Die Finanzen des LTTC Rot-Weiß, das steht sinngemäß in der Zusammenfassung, wurden jahrelang abenteuerlich geführt. "Aber für mich", sagt Körner, "ist im Fall Wensky erst mal wichtig, ob der DTB geschädigt wurde." Und: Wurde er geschädigt? Keine Hinweise bisher, sagt Körner. "Die Abrechnungen der Turniere mit uns waren immer korrekt, die Spielerinnen erhielten immer ihr Geld, und die Quellensteuern wurden inzwischen überwiesen." Gut, der Verein habe finanzielle Probleme, "aber die gehen uns erst mal nichts an."

Das könnte sich ändern, sagt Körner, "wenn sich herausstellt, dass Wensky bewusst Forderungen an den DTB, die in Wirklichkeit nie bestanden, in der Bilanz 2000 unterbrachte. Da müssen wir uns überlegen, ob wir mit so jemandem noch zusammenarbeiten können." Nur: "Solange ich den kompletten Prüfbericht von Ernst & Young nicht habe, kann ich dazu nichts sagen."

Wenskys Ablösung war aber schon im Frühjahr mal diskutiert worden, kurz nachdem die Geschichte mit den Quellensteuern bekannt wurde. Mit von Waldenfels habe er über eine Ablösung geredet, sagt Joerg Scholz, der frühere Präsident von Rot-Weiß. Doch später, sagt Scholz, legte sich der Rot-Weiß-Vorstand quer. Wensky sei so kurzfristig nicht zu ersetzen, und ohne Wensky könne das Turnier nicht stattfinden, hätten seine Kollegen aus der Führungsetage gesagt. Wensky ist sich sowieso keiner Schuld bewusst: "Ich habe immer korrekt mit dem DTB abgerechnet und stets rechtzeitig Steuern überwiesen."

Der DTB beziehungsweise die DTB-Holding, die mit der Rot-Weiß-GmbH das Turnier abrechnet, kann genau genommen über eine Ablösung des Turnierdirektors nicht entscheiden. Die Holding überweist zwar jährlich 50 0000 Mark an den LTTC als Honorar für die Arbeit des Turnierdirektors, "aber Wensky ist nicht Angestellter der DTB-Holding", sagt Körner. "Der Verein schlägt einen Turnierdirektor vor, und wir müssen zustimmen." Rot-Weiß würde aber kaum einen Turnierdirektor mit Gewalt durchboxen.

Aber der LTTC-Vorstand hat im Moment noch andere Sorgen. Er muss zum Beispiel nervöse Mitglieder beruhigen. Gestern abend fand, nicht öffentlich, die Mitgliederversammlung statt, und dort musste die Klubführung über Schulden, schlampige Buchhaltung und geschönte Zahlen reden. Geschönte Zahlen könnten auch in den Bilanzen von 1997 und 1998 aufgetaucht sein. Denn auch dort sind Forderungen an den DTB aufgelistet. 1997 waren es 614 000 Mark, 1998 forderte der LTTC laut Bilanz sogar 937 000 Mark. Luftbuchungen? Der Verdacht besteht. Schließlich haben ja auch die Forderungen an den DTB, die in der Bilanz 2000 stehen, nie wirklich bestanden.

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