Sport : Tennis-Party beim Nachbarn?

ERNST PODESWA

Die Daviscup-Premiere "liebevoller und innovativer"VON ERNST PODESWA BREMEN.Na, geschätzter Tennisfreund, schon mal die Antennen ausgefahren und sich beim Bekannten angemeldet? Natürlich bei dem, der das kleine schwarze Ding (Decoder) für rund 50 Mark monatlich von "Premiere" erworben hat.Denn die Direktübertragungen vom "Aufbruch in das neue Zeitalter im Daviscup" mit der Partie Deutschland gegen Südafrika sind nur im Bezahl-Fernsehen (Pay-TV) zu erleben. Allerdings haben sich erst etwas mehr als 1,5 Millionen Abonnenten von den Werbeversuchen und Ködern des Hamburger Senders überzeugen lassen.Michael Pfad, Sportchef von "Premiere", sieht darin kein Problem.Der Decoder könne ja auch als "soziales Instrument" gesehen werden: "Unsere Übertragungen vom Fußball führen jede Woche Menschen zusammen, die gemeinsam Sport konsumieren wollen." Zurück also zu den Fernsehzeiten der 50er und 60er Jahre, als sich Freunde und Nachbarn dort trafen, wo eine Glotze bei Highlights das Dabeisein vermittelte. Dem Deutschen Tennis Bund muß dieser Rückfall in die TV-Steinzeit mißfallen.Aber Schuld daran, daß eine seiner attraktivsten Veranstaltungen in den Status einer Spartenübung geraten ist, trägt er selbst: 1995 verkaufte der DTB die Fernsehrechte vom Daviscup für fünf Jahre und heute utopische 120 Millionen Mark an den TV-Rechteriesen UFA.Der bereut diesen Deal, versucht aber bis zum Ende der Laufzeit das finanzielle Manko gering zu halten.Nachdem im Vorjahr die ARD als Zweitrechteverwerter die Übertragung von der Auftaktpleite in Spanien vorzeitig beendet hatte, griff nun der tief in den roten Zahlen steckende "Premiere"-Kanal für zwei Jahre zu. "Liebevoller und innovativer", so heißt es, soll das Geschehen in der Bremer Stadthalle vermittelt werden: Mit 28 Kameras, mit einem Blick - ähnlich wie beim Profiboxen seit längerem üblich - in die Kabinen und Mikrofonen an der Bank des Kapitäns Carl-Uwe Steeb (Foto: Reuters), mit selbstgewählten Einmarschmusik-Titeln für die Daviscup-Neulinge (der "local heroe" Guildo Horn soll nicht unter den Interpreten sein).Becker und Steeb stünden den Neuerungen nach "amerikanischem Zuschnitt" durchaus positiv und kooperativ gegenüber, wie der junge "Premiere"-Sportverantwortliche versicherte.Becker und möglicherweise Steeb würden temporär als Co-Kommentatoren (gegen ein entsprechendes Honorar) zur Verfügung stehen.Aber mit einer um die Stirn gebundene Kamera ("die Sicht des Kapitäns") auf der Bank zu sitzen, das war denn dem geduldigen "Charly" (Steeb) zuviel. Radio Bremen hatte noch einen Anlauf als Drittrechte-Verwerter in N 3 genommen.Doch für eine Minute wollte "Premiere" statt der üblichen 1000 bis 1500 Mark recht ungerührt 10 000 DM kassieren (in Worten zehntausend) ein Tarif, der bei Fußball-WM üblich ist. Wer sich übrigens von "Premiere" nicht kaufen lassen möchte und keine Tennis-Party beim Nachbarn anstrebt, dem bleibt eine rund einstündige Zusammenfassung beim DSF: Heute ab 22 Uhr, morgen ab 20.45 Uhr.

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