Tennis : Pech, der treue Begleiter

Thomas Haas muss in Wimbledon wegen einer Bauchmuskelverletzung aufs Achtelfinale verzichten.

Petra Philippsen[London]
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Thomas Haas: Kein Schlag ohne Schmerzen. -Foto: AFP

LondonEs ist einer dieser Momente, die Thomas Haas schon allzu oft erlebt hat. Mit schweren Schritten betritt er den Raum im All England Lawn and Tennis Club, der für Pressekonferenzen vorgesehen ist. Seine Baseballkappe der New York Yankees hat er tief ins Gesicht gezogen, aber seinen enttäuschten Blick kann sie dennoch nicht verbergen. Haas muss seine Achtelfinalpartie gegen Roger Federer absagen, ein Faserriss im Bauchmuskel lässt ein Duell mit dem Titelverteidiger aus der Schweiz nicht zu.

„Ich wollte unbedingt auf dem Centre Court gegen Roger spielen. Dafür habe ich so hart gearbeitet. Aber es geht nicht“, sagt Haas. Bereits nach seinem ersten Match habe er Muskelkater verspürt, ihn nach der langen Wettkampfpause aber als normal eingestuft. In der Drittrundenpartie gegen Dimitri Tursunow seien die Schmerzen dann „unglaublich schlimm“ geworden, bei jedem Aufschlag habe er sie gespürt. Der Turnierarzt verabreichte ihm noch während des Matches „Pain Killers“, wie Haas die Schmerzmittel nannte, und zusammen mit dem Adrenalinschub und dem „Unbedingt-Gewinnenwollen“ biss er sich durch. Doch schon abends gelang es dem 29-Jährigen kaum noch, normal aufzustehen oder sich hinzusetzen.

Am Samstag seien die Schmerzen noch heftiger geworden, woraufhin Haas einen Spezialisten aus München einfliegen ließ. Der diagnostizierte auf dem Ultraschall einen zwei Zentimeter langen Riss. „So eine Verletzung hatte ich noch nie. Jetzt muss ich wohl zwei bis vier Wochen pausieren“, vermutet Haas, der sich in den nächsten Tagen nach München zurückziehen und erneut ins Reha-Zentrum nach Donaustauf in „bewährte Hände“ begeben will, um zumindest noch einige der Vorbereitungsturniere auf den US Open bestreiten zu können.

„Ich weiß jetzt gar nicht, wie ich mich fühlen soll“, sagt Haas ernüchtert und sein Blick wandert gen Boden. „Einerseits dachte ich, dass ich wegen meiner Schulterprobleme gar nicht spielen könnte, dann komme ich sogar zum ersten Mal ins Achtelfinale.“ Ein Traum sei das für ihn gewesen, aber nun habe der Frust die Oberhand gewonnen.

An Position 13 war Haas gesetzt, doch nicht einmal seine persönliche Glückszahl vermochte zu verhindern, dass sich auch in diesem Jahr seine beispiellose Pechsträhne in Wimbledon fortsetzt: 2001 hatte er sich an einem Brokkoli-Käse-Gericht den Magen verdorben und musste in der ersten Runde aufgeben. Ein Jahr später bangte er am Krankenbett seiner mit dem Motorrad verunglückten Eltern und verzichtete auf seine Teilnahme, 2003 stoppte ihn eine schwerwiegende Schulterverletzung. Den kuriosesten Tiefschlag erlebte Haas aber 2005, als er während des Einschlagens auf einen umherliegenden Ball trat und umknickte. Er musste gegen Janko Tipsarevic aufgeben. Der Serbe könnte im Viertelfinale nun der nächste Gegner von Federer werden, der über das entgangene Duell ebenfalls enttäuscht war. „Ich habe Roger schon getroffen. Er hat es bedauert. Unsere letzten Matches waren sehr eng und Roger ist immer heiß auf solche Spiele“, erzählt Haas. Er sei nicht sicher, ob er noch mal so eine Chance bekommen würde, sagt er, fügt dann aber mit einem Lächeln hinzu: „Ich hoffe immer noch auf mein Happyend in Wimbledon.“

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