Tennis : Schlappen für Haas und Kiefer

Das deutsche Daviscup-Team steht in der Erstrundenpartie gegen Frankreich nach zwei bitteren Schlappen mit dem Rücken zur Wand.

Halle/Westfalen - Nicolas Kiefer und Thomas Haas verloren am Freitag in Halle/Westfalen unerwartet ihre Auftakt-Einzel und dürfen sich im Doppel an diesem Samstag (15.00 Uhr/DSF) und den beiden abschließenden Einzeln am Sonntag nun keinen Ausrutscher mehr leisten. Nach dem 0:2 droht der Tennis-Nationalmannschaft der direkte Abstieg aus der Weltgruppe, in die sie nach zwei Jahren in der Zweiten Liga im vorigen September gerade erst zurückgekehrt ist.

Von wütenden Protesten der von zweifelhaften Entscheidungen der Referees aufgebrachten 10 000 Zuschauer begleitet, kassierte Haas nach heißem Kampf gegen Jungstar Richard Gasquet eine unglückliche 6:1, 4:6, 4:6, 7:6 (7:1), 3:6-Pleite. Der in Hamburg geborene Wahl-Amerikaner musste damit ebenso die Melbourne-Revanche des Franzosen hinnehmen wie Kiefer gegen Sebastien Grosjean. Den hatte der Australian-Open-Halbfinalist vor gut zwei Wochen im Viertelfinale noch in fünf Sätzen ausgeschaltet, doch diesmal musste er sich nach schwacher Vorstellung mit 5:7, 6:7 (7:9), 0:6 glatt geschlagen geben.

Kapitän Patrik Kühnen und seine Spieler haderten besonders mit Chef-Referee Mike Morrissey und seinen Stuhl-Schiedsrichtern. Sogar ein Eklat drohte, als Morrissey bei Satzball Gasquet einen Punkt von Haas wiederholen ließ, weil die Zuschauer zu laut gewesen waren. Eine zumindest ungewöhnliche Entscheidung, die von den 10.000 auf den Rängen mit einem gellenden Pfeifkonzert quittiert wurde. Erst Kühnen, der sich den Abend vor seinem 40. Geburtstag sicher schöner und erfolgreicher vorgestellt hatte, konnte das Publikum beruhigen.

Auch Kiefer wurde ein «Opfer» der Schiedsrichter. Mit Kampf und bedingungslosem Einsatz hatte er sich gegen die 10. Niederlage im 18. Länderspiel gestemmt, bis ihm eine Entscheidung im Tiebreak des zweiten Durchgangs den möglichen Ausgleich vermasselte und völlig von der Rolle brachte. Weil der Linienrichter «Aus» gerufen und Grosjean damit irritiert habe, annullierte der schwedische Referee Mohamed Lahyani den Punkt zum 8:8. «Er hat alles richtig gemacht», sagte Morrissey. Doch beim Hannoveraner riss danach endgültig der Faden.

«Dumm gelaufen», sagte der total gefrustete Kiefer und mühte sich, die verdiente Niederlage fair zu akzeptieren. «Sebastien hat bei den wichtigen Punkten einfach besser gespielt. Vielleicht war ich auch zu passiv, als ich im ersten Durchgang zwei Satzbälle hatte.» Seine nüchterne Analyse konnte nicht verbergen, wie sauer der 28-Jährige war. Vor allem die Lehrstunde im dritten Durchgang hätte ihm nicht passieren dürfen. «Ich habe meine Chancen nicht genutzt», ärgerte sich der Weltranglisten-Zwölfte. «Aber ich bin auch nur ein Mensch.»

Der einstige Daviscup-Kapitän Boris Becker scheint die unnötige Pleite geahnt zu haben. Statt der Mannschaft bei der kniffligen Auftaktpartie zur Seite zu stehen, stichelte der Daviscupsieger in einer «Handelsblatt»-Kolumne gegen seine Nachfolger, die sich seit Jahren zum Ziel gesetzt haben, den drei Triumphen 1988, 1989 und 1993 einen vierten hinzuzufügen. «Ausreden, dass hier etwas zwickt oder dort etwas nicht richtig ist, kann ich nicht mehr hören», sagte Becker und forderte stattdessen schlicht und einfach Siege. (Von Andreas Bellinger, dpa)

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