Tennis-Star Petra Kvitova : Mit links und Rückwärtsdrall für Tschechien

Zwei Wimbledon-Siege, Weltranglistenplatz vier - und überragende Voraussetzungen: Die Tschechin Petra Kvitova ist im Fed-Cup-Finale die stärkste Konkurrentin des deutschen Teams - hat aber eine Schwäche.

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Immer wieder überraschend. Petra Kvitova schwankt sehr in ihren Leistungen.
Immer wieder überraschend. Petra Kvitova schwankt sehr in ihren Leistungen.Foto: imago

Selbst im Training versetzt Petra Kvitova ihre Zuschauer ins Staunen. Beim Aufwärmen in der Prager Arena schnappt sie sich einen Fußball und köpft ihn zu ihrem Trainer David Kotyza – und zurück, und zurück, und zurück und noch mal zurück. Insgesamt fünfmal gehen die Kopfbälle zwischen beiden hin und her, dafür wird sie nicht nur von ihren Teamkolleginnen bejubelt.

Für die Ahs und Ohs im tschechischen Fed-Cup-Team ist Kvitova schon seit einigen Jahren zuständig. Vor allem was die Leistungen mit dem kleinen gelben Filzball angeht, auf dem Tennisplatz. Zweimal gewann sie Wimbledon (2011 und 2014), zweimal führte sie ihre Mannschaft zum Sieg im Fed-Cup (2011 und 2012) und in der Weltrangliste steht sie derzeit auf Rang vier. Im diesjährigen Fed-Cup-Finale, das Kvitova am Samstag deutlich gegen Andrea Petkovic gewann, war sie die erwartet stärkste Konkurrentin der Deutschen.

"Ich spüre den großen Druck"

Dass auf ihr deshalb auch hohe Erwartungen lasten, ist der 24-Jährigen aus Bilovec bewusst. „Ich spüre den großen Druck. Alle erwarten, dass ich meine zwei Einzel gewinne“, sagt Kvitova. „Aber den größten Druck mache ich mir selbst, wenn wir zu Hause spielen.“ 10 000 Fans feuerten sie in Prag an und erzeugten eine Atmosphäre, die das Fed-Cup-Team dort schon vor zwei Jahren zum Triumph trug. Doch so sehr diese Stimmung beflügeln kann, mit großer Aufmerksamkeit und großen Hoffnungen hat Kvitova sonst auch ihre Probleme. Sie scheut das Rampenlicht. Oft wirkt sie zurückhaltend, fast schüchtern. „Ich mag es nicht so sehr, erkannt zu werden. Damit umzugehen, ist sehr schwer für mich“, sagt Kvitova.

Besonders von ihrem ersten Wimbledon-Erfolg wurde sie überrollt. An all die Begleiterscheinungen, die solch ein Sieg mit sich bringt, „musste ich mich erst einmal gewöhnen“, betont sie. „Ich wollte doch immer die gleiche bleiben wie vor Wimbledon.“ Nicht abzuheben und dennoch die neuen Erwartungen zu erfüllen, beschäftigt Kvitova mehr, als ihr lieb ist. Und darunter leiden ihre Leistungen, sie schwanken sehr. Denn auch wenn Kvitova Wimbledon in diesem Jahr zum zweiten Mal gewonnen hat, bei den drei anderen Grand-Slam-Turnieren scheiterte sie spätestens in der dritten Runde. Sie wirkte unbeweglich, langsam und nicht fit.

Größe, Kraft und Aggressivität

Dabei hat sie überragende Voraussetzungen, um es sogar bis an die Spitze der Weltrangliste zu schaffen. Kvitova kann dank ihrer Größe (1,82 Meter) und Kraft nicht nur wuchtig aufschlagen und ist äußerst aggressiv in den Grundschlägen. Weil sie zudem eine Linkshänderin ist, kann sie ganz andere Winkel spielen als die vielen Rechtshänderinnen gewöhnt sind. Das ist ein enormer Vorteil. Vor allem dieses Fed-Cup-Finale zeigt, wie weit man als Linkshänderin kommen kann, wenn man diese Vorzüge ausnutzt. Unter den besten 30 Spielerinnen der Welt gibt es fünf Linkshänderinnen, drei davon spielen an diesem Wochenende in Prag. Neben Kvitova sind dies ihre Teamkollegin Lucie Safarova und Angelique Kerber, die am Samstag auch das zweite Einzel gegen Safarova verlor.

Von diesem Linkshänder-Vorteil ist auch Martina Navratilova überzeugt. Doch für sie bringt Kvitova noch mehr mit. „Petra kann den Ball großartig als Slice mit Rückwärtsdrall spielen – und das liegt nicht am Wind“, sagte die gebürtige Tschechin einmal. Die frühere Weltranglistenerste aus den USA, übrigens ebenfalls Linkshänderin und natürlich Kvitovas Jugendidol, ist überzeugt: „Wimbledon wird nicht der einzige Grand-Slam-Titel sein, den Petra gewinnt. Es werden sicher noch viele folgen.“ Wenn sie sich von dem Druck nicht verrückt machen lässt. So wie im Juli in Wimbledon. Da spielte sie so stark, dass sie sich selbst überraschte. „Ich habe gedacht: Oh mein Gott, ist das gut.“ Wenn sie das öfter hinbekommt, dann glaubt auch Kvitova: „Ich kann das Frauentennis dominieren. Nicht in einem Monat, aber bald.“

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