Tennis : Thomas Haas: Zu früh für die Frührente

Thomas Haas geht entspannt in die Australian Open, ans Ende der Tenniskarriere denkt er nicht mehr.

Petra Philippsen[Melbourne]
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Foto: ReutersX90089

Es dauerte nicht lange, nur etwa bis der dritte Volley an ihm vorbeisauste, da warf Henri Kontinen seinem Trainer einen konsternierten Blick zu, der zu sagen schien: Heute ist definitiv der falsche Tag, um mit Thomas Haas zu trainieren. Der nämlich spielte in der Melbourner Mittagshitze angriffslustig und zeigte dem jungen Finnen, warum es dieser nicht ins Hauptfeld der heute beginnenden Australian Open geschafft hatte. Haas ist bester Laune, die drei Niederlagen der vergangenen Tage beim Einladungsturnier in Kooyong konnten daran nichts ändern. „Das waren doch nur Trainingsmatches. Und wirklich schlecht habe ich nicht gespielt“, sagte Haas entspannt. Tatsächlich gab es an seinen Auftritten gegen Novak Djokovic, Fernando Gonzalez und Jo-Wilfried Tsonga wenig zu kritisieren. „Es fehlten vielleicht hier und da 20 Prozent“, ergänzte Haas, „ich fühle mich sehr wohl und bin gut vorbereitet auf die Australian Open.“

Während der Seitenwechsel suchte Haas immer wieder das Gespräch mit Thomas Hogstedt. Der schwedische Trainer steht ihm in Melbourne zur Verfügung, es ist allerdings nur eine Übergangslösung, bis Haas einen neuen Coach gefunden hat. Die Saisonvorbereitung absolvierte der 31-Jährige lediglich mit seinem Physiotherapeuten Alex Stober im heimischen Florida. „Optimal ist es nicht“, sagte Haas, der stets Kraft aus einem geordneten Umfeld zieht, „doch es ist eben schwierig, jemanden zu finden, der mir das gibt, was ich brauche.“ In erster Linie ist das eine Vertrauensperson, ein Motivator. Und kein Tennislehrer. Haas plant eine weitere Zukunft als Berufsspieler. Zwei, drei Jahre möchte er sich noch auf der Tour mit den Besten messen, sofern es sein Körper zulässt. Die dreifach operierte Schulter plagt Haas schon länger nicht mehr, dafür zwickt es momentan im rechten Knie. Doch latente Schmerzen auszuhalten, ist der gebürtige Hamburger inzwischen gewohnt. Kein Grund, in Frührente zu gehen. „Wenn ich nicht mehr mithalten kann oder ich keinen Spaß mehr habe, dann höre ich auf“, sagte Haas.

Aber warum sollte er? Beginn des vergangenen Jahres noch am Rande der Top 100 notiert, brachten starke Auftritte in Madrid und Paris und schließlich der Turniersieg in Halle und das Halbfinale in Wimbledon Haas bis auf Rang 18. „Ich bin schon stolz darauf“, gab Haas zu, „vor allem, dass ich zum siebten Mal ein Jahr in den Top 20 abgeschlossen habe.“ Haas ist mit 31 Jahren – in seiner 14. Profisaison – wieder der beste Deutsche und damit Gradmesser für seine Landsmänner. Nicht allen gefällt das. „Ein paar Spieler respektieren mich, doch viele sind eben schnell neidisch oder missgönnen einem den Erfolg.“ Vielleicht liegt auch darin ein Grund, dass Haas in den vergangenen zwei Jahren auf den Davis-Cup verzichtet hat. Diese Pause habe ihm vielleicht das „gewisse Extra“ für die erfolgreichen Turniere in der Saison beschert, vermutete Haas. Und dennoch bereut er, im Viertelfinale gegen Spanien nicht dabei gewesen zu sein. Es habe ihn gekränkt, dass keiner seiner Mitspieler anrief und auch dass Teamchef Patrik Kühnen sich nicht mehr um ihn bemühte, enttäuschte ihn.

Während der mittäglichen Trainingsstunde schaute Kühnen kurz bei Haas vorbei, suchte vielleicht ein wenig demonstrativ das Gespräch. Ob Haas im März beim Davis-Cup dabei sein wird, will er erst nach den Australian Open entscheiden. Die Tendenz ist positiv. „Ich will erst abwarten, wie ich jetzt so drauf bin“, sagte Haas. Nur allzu gerne würde er beim Gerangel um den Titel in Down Under mitmischen. Einen großen Vorteil hat Haas dabei: „Ich muss nichts mehr beweisen. Ich genieße einfach jede Minute.“

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