Tennis : Triumph der Diva

Maria Scharapowa gewinnt die Australian Open - doch das Publikum kann sich mit ihrer unterkühlten Art nicht so recht anfreunden.

Petra Philippsen
Maria Scharapowa
Spiel, Satz, Sieg: Maria Scharapowa. -Foto: dpa

MelbourneDer Hauptteil der Show beginnt unmittelbar nach dem dritten Matchball. Maria Scharapowa sinkt auf die Knie, theatralisch schlägt sie die Hände vor das Gesicht, ganz so, als wolle sie ihre Freudentränen vor der Welt verbergen. Doch sie weint keineswegs. Zu gerne möchte sie mit der Geste zeigen, wie sehr sie von diesem Titel bei den Australian Open überrascht und überwältigt wurde, dass sie nie und nimmer mit ihm gerechnet hätte. Doch Maria Scharapowa hatte zwei Wochen lang zielstrebig und selbstbewusst auf den finalen Glücksmoment hingearbeitet, war ohne Satzverlust geblieben und überrollte mit ihren knallharten Schlägen im Viertelfinale sogar die Weltranglistenerste Justine Henin. Ihre Endspielgegnerin Ana Ivanovic, die Aufsteigerin der Szene, aber bei großen Endspielen noch unerfahrener, war für die wiedererstarkte Scharapowa keine unüberwindliche Hürde und der 7:5, 6:3-Sieg daher wenig verwunderlich.

Die 15 000 Zuschauer in der ausverkauften Rod Laver Arena in Melbourne vermochte sie mit ihrem Auftreten nicht zu rühren. Wie schon in den Partien zuvor spendeten sie der Russin eher verhaltenen Applaus, der auch relativ schnell wieder abebbte. Geliebt wird Scharapowa auch in Australien nicht, zu aufgesetzt, zu unecht wirkt jede Geste und jede Bewegung von ihr. Das kann auch ihre äußerliche Schönheit nicht wettmachen. Sie bleibt unnahbar, genau wie auf den unzähligen Titelseiten diverser Glamour-Magazine oder auf Werbeplakaten, die meist metergroß an Hochhäusern prangen. Ivanovic dagegen, die sich zwar auch medien- und werbewirksam zu vermarkten weiß, kommt dabei ganz natürlich rüber. Als ihr kurz die Stimme versagt, weil sie bei der Dankesrede für ihren Anhang wirklich mit den Tränen kämpft, wird die Serbin von mitfühlendem Applaus getröstet.

Die neue Nummer zwei der Weltrangliste fand ihr Lächeln schnell wieder und konnte über ihre Fehler aus der Partie schon wieder herzhaft lachen. „Ich werde sehr viel daraus lernen und beim nächsten Mal mache ich es bestimmt besser“, kündigte Ivanovic an. Die offene und natürlich anmutende Art der 20-jährigen Serbin fehlt der fast gleichaltrigen Scharapowa gänzlich. „Das letzte Jahr war sehr schwer für mich“, begann diese und widmete ihren dritten Grand-Slam- Titel der Mutter ihres Fitnesstrainers Michael Joyce, deren Tod ihr während der schweren Zeit ihrer Verletzungen eine neue Sichtweise auf ihr Leben gegeben habe. Hätte Ivanovic diese Worte gesprochen, wären die Zuschauer mit Sicherheit zu Tränen gerührt gewesen. So aber wollte der Funke nicht überspringen.

Der Mensch hinter der Fassade ist kaum spürbar und erklärt vermutlich die gegensätzlichen Reaktionen auf ihre Person. Die einen lehnen sie ab, die anderen vergöttern geradezu das divenhafte Auftreten der langbeinigen Blondine, wie sie es seinerzeit mit Anna Kournikowa taten. Ebenso wie ihre Landsfrau wurde auch Scharapowa unter dem harten Drill von Trainer-Guru Nick Bollettieri schon im Alter von neun Jahren zum Profi geformt. Nur, wer das Zeug zur Nummer eins hat, wird in der Akademie in Florida gefördert. Scharapowa hatte es, und sie erklomm im Jahre 2005 kurzzeitig die Spitze der Weltrangliste. Doch in der letzten Saison erlebte sie ein „Seuchenjahr“, sie quälte sich mit einer langwierigen Schulterverletzung. Als sie unter anderem bei den US Open schon in der dritten Runde ausschied, fühlte die ehrgeizige Russin, dass sie etwas Grundlegendes an ihrem Spiel ändern müsse und arbeitete in der Winterpause hart an sich. „Ich versuche jetzt, in kritischen Momenten ruhiger zu bleiben und den Druck auf die Gegnerin weiter zu erhöhen. Ich will die Kontrolle über das Geschehen“, erklärte Scharapowa.

In Melbourne hat Maria Scharapowa diese Kontrolle wiedergefunden. Mit ihrem Power-Tennis, den wuchtigen Schlägen und ihrem aggressiven, kampfbetonten Auftreten überzeugte sie jedes Mal auf dem Platz. Außerhalb des Platzes lacht sie dagegen oft unsicher wie ein verklemmter Teenager, wenn sie einer Frage ausweichen will oder es ihr zu persönlich wird. Viel lieber spricht sie da über ihre Stärken und Ziele – besonders nach einem Sieg: „Ich musste mir alles hart erkämpfen und heute habe ich alles richtig gemacht. Ich bin noch sehr jung, und ich denke, ich habe noch eine große Karriere vor mir.“

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