Tennis: US Open : Matthias Bachinger fordert Andy Murray

Matthias Bachinger wollte schon aufhören als Tennisprofi. Nun spielt er bei den US Open in der zweiten Runde gegen Andy Murray.

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Da hat er sich selbst überrascht. Matthias Bachinger steht nach einem starken Auftritt bei den US Open in der zweiten Runde.
Da hat er sich selbst überrascht. Matthias Bachinger steht nach einem starken Auftritt bei den US Open in der zweiten Runde.Foto: dpa

Am Montag vergangener Woche bummelte Matthias Bachinger gerade durch die Münchner Innenstadt, als sein Handy klingelte. Ein Verantwortlicher der Spielerorganisation ATP rief an und teilte ihm mit, dass er noch ins Qualifikationsfeld für die US Open nachgerückt sei. Bachinger war völlig perplex. Damit hatte er überhaupt nicht gerechnet, schließlich war er bis auf Platz 235 der Weltrangliste abgerutscht. Zuletzt hatte er im Sommer in der Bundesliga für Kurhaus Aachen gespielt, in Neuss. Weiter kann man als Tennisspieler kaum weg sein von New York. Bachinger buchte aufgeregt gleich den nächsten Flug. „Dienstagnachmittag bin ich angekommen, am Mittwoch hatte ich mein erstes Match“, erzählt Bachinger kopfschüttelnd. Und es war erst der Beginn einer Reise, die der 27 Jahre alte Münchner wohl nie mehr vergessen dürfte. Nicht nur, dass sich Bachinger mit drei souveränen Siegen ins Hauptfeld spielte, er gewann auch erstmals in seiner Karriere ein Match bei einem Grand-Slam-Turnier. Nun wird er am Donnerstag mit einem Duell gegen Andy Murray belohnt.

Dabei hatte Bachinger das Profidasein schon aufgeben wollen. „Ich kann das alles selbst noch gar nicht glauben“, sagte Bachinger, nachdem er Radek Stepanek mit 6:3, 6:2 und 6:2 in der ersten Runde demontiert hatte. Der Tscheche gilt als einer der widerspenstigsten Spieler der Tour. „Das war mein bestes Match aller Zeiten“, sagte Bachinger. Nach dem Überraschungssieg kam er sich wie in einem Traum vor. Fünf Anläufe hatte er bei den vier Major-Turnieren schon genommen, jedes Mal scheiterte er im ersten Spiel. In New York sogar zweimal, und das in dramatischen Fünfsatzkrimis. Irgendwie schien sich das Schicksal gegen ihn verschworen zu haben. „Es gibt einfach Phasen im Tennis, in denen man hartnäckig bleiben muss“, sagt Bachinger. Das habe ich gemacht. Und jetzt werde ich dafür belohnt.“

Leicht fiel es ihm jedoch nicht immer, die schweren Phasen in seiner Karriere durchzustehen. Bei einem, der sich vor drei Jahren schon einmal unter die Top 100, auf Rang 85, vorgearbeitet hatte und zum erweiterten Davis-Cup-Team zählte, kratzt ein Absturz in die Niederungen der Rangliste auch am Ego. So ein Wiederaufstieg durch zweit- und drittklassige Turniere zehrt, die Gegner sind hungrig und ausgeschlafen. Und wenn dann der Körper nicht mitspielt, ist man chancenlos. „Ich hatte plötzlich zu hohen Blutdruck und die Ärzte wussten nicht, warum“, erzählt Bachinger. Meist wurde ihm auf dem Platz so schwindelig, dass er das Training abbrechen musste. Irgendwann ging gar nichts mehr, er musste eine Zwangspause einlegen. „Ich war genervt, ziemlich frustriert. Ich habe in dieser Zeit oft ans Aufhören gedacht“, sagt er. Aber abdanken ohne noch einmal zu kämpfen, wollte Bachinger dann doch nicht. Er fühlte sich inzwischen nach einer alternativen Behandlungsmethode wieder besser und startete im Frühjahr den Neuanfang: „Ich sagte mir: Erwarte nicht immer so viel, sondern spiele einfach und hab Spaß dabei. Und das mache ich im Moment.“

Seine Augen leuchten bei dem Gedanken an das nächste Match. Bachinger ist wie Murray 1987 geboren. Mit 14 Jahren spielten sie gegeneinander Juniorenturniere, waren befreundet. „Einmal habe ich gegen Andy gewonnen. In Italien, mit 7:6 im dritten Satz. Das werde ich nie vergessen“, sagt Bachinger. „Denn Andy war damals schon richtig gut.“ Während Murray früh nach Barcelona zog, um Profi zu werden, ging Bachinger in München weiter in die Schule. Ihre Wege trennten sich. Murrays Aufstieg verlief rasant, er wurde Wimbledonsieger und holte olympisches Gold. Bei Bachinger kommt nun alles etwas später, aber noch nicht zu spät. „Ich werde das Match auf jeden Fall genießen. Und wenn es nicht reicht, ist es auch nicht schlimm. Ich bin einfach glücklich, dass ich wieder hier bin.“

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