Tennis-WM : In fremden Socken

Radek Stepanek springt beim Masters Cup für Andy Roddick ein und muss sich Roger Federer erst nach hartem Kampf geschlagen geben. Sollte sich noch ein Spieler verletzen, käme Nicolas Kiefer zum Einsatz.

Benedikt Voigt[Schanghai]
ATP-Masters Cup in Shanghai - Radek Stepanek
Mit geliehenem Schläger. Nachrücker Radek Stepanek trat mit fremder Ausrüstung gegen Roger Federer an. Seine eigene steckte im...Foto: dpa

Es dürfte im Masters Cup der besten acht Tennisspieler der Welt schon besser ausgerüstete Spieler als Radek Stepanek gegeben haben. Weil der Tscheche in Thailand im Urlaub weilte, als ihn die ATP als Ersatzspieler nach Schanghai beorderte, kam der Tennisprofi ohne Ausrüstung und Kontaktlinsen in China an. Zwar ließ er sich seine Tennis-Utensilien sofort nachschicken. „Doch die sind jetzt im Zoll stecken geblieben“, sagt Radek Stepanek. Und als der Tscheche am Mittwochnachmittag erfuhr, dass er zwei Stunden später spielen sollte, weil Andy Roddick verletzt ist – lagen sie noch immer dort.

Schläger von Djokovic, Socken von Murray

Radek Stepanek stand schließlich am Mittwochabend in einer wunderlichen Mixtur auf dem Platz: Mit Kontaktlinsen von einem chinesischen Optiker, Socken von Andy Murray und Tennisschlägern von Novak Djokovic. „Unter diesen Umständen habe ich heute sehr gut gespielt“, sagte der 30-Jährige. Er unterlag einem gesundheitlich angeschlagenen Roger Federer nach hartem Kampf 6:7 (4:7), 4:6. Der Schweizer wahrte damit seine Chancen, zum sechsten Mal in seiner Karriere in das Halbfinale des Masters Cup einzuziehen. Das erste Match hatte er gegen Gilles Simon überraschend verloren. Andy Murray steht hingegen schon unter den letzten Vier, er holte gegen Gilles Simon seinen zweiten Sieg (6:4, 6:2).

Federer war krank und im ersten Satz  verunsichert

„Ich habe gleich dreimal Glück gehabt“, sagte Federer. Erstens, weil sein Gegner mit fremden Schlägern spielen musste. Zweitens, weil er selbst am Dienstag mit Kopfschmerzen und einer Magenverstimmung im Hotel bleiben musste. „Am Dienstag hätte ich nicht spielen können, ich konnte noch nicht einmal trainieren“, sagte Federer. Drittens, weil er nicht gegen den mächtigen Aufschläger Andy Roddick antreten musste, der am Dienstag im Training umgeknickt war. Durch Roddicks Ausscheiden ist im Übrigen der zweite Ersatzspieler Nicolas Kiefer nur eine weitere Verletzung von einem Einsatz beim Masters Cup entfernt. Der deutsche Tennisprofi sagte: „Wenn ich jetzt drankomme, brenn’ ich noch ein Feuerwerk ab.“ Das ist zum Teil auch Stepanek gelungen, der gegen den vor allem im ersten Satz verunsicherten Federer überzeugte. Bei einem Sieg hätte er sogar Chancen auf den Einzug ins Halbfinale gehabt. Im zweiten Satz hatte sich Federer besser auf den Tschechen eingestellt. Nach einem Break zum 5:3 kassierte Federer zwar das Rebreak. Doch anschließend konnte Stepanek nicht mehr punkten – und verlor mit einem Doppelfehler das Match.

Trotz der widrigen Umstände wusste Radek Stepanek seinen unplanmäßigen Einsatz zu schätzen. „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagte er. Am Freitag darf er noch ein zweites Mal spielen – gegen Gilles Simon. Dann vielleicht sogar in eigenen Socken.

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