Sport : Tennismeisterschaften von Bayern: Zwillinge als Extramotivation

Stefan Hermanns

Niki Pilic hatte zu seinem Abschied auf einen klangvollen Sieger gehofft, doch dieser Wunsch des scheidenden Turnierdirektors ging nicht in Erfüllung. Der Weltranglisten-68. Jiri Novak (Tschechien) bezwang gestern im Finale der mit 400 000 Dollar dotierten 86. Internationalen Tennismeisterschaften von Bayern den noch unbekannteren Franzosen Anthony Dupuis mit 6:4, 7:5 und sicherte sich neben den 54 000 Dollar Prämie für den Sieger zugleich den dritten Titel seiner Karriere. "Das ist unglaublich. Das hätte ich nie gedacht", jubelte der 26-jährige Novak, der in diesem Jahr vor München überhaupt erst ein Spiel gewinnen konnte. "Ich erwarte Zwillinge, das war eine Extramotivation für mich", bekannte der glückliche Sieger. Novak genügte gegen den 28-jährigen Franzosen in dessen erstem Endspiel ein durchschnittliche Leistung, um vor rund 2500 Zuschauern auf der Anlage des MTTC Iphitos zu siegen.

Dabei hatte Novak selbst nicht damit gerechnet, dass die Arbeit mit seinem neuen Coach Jan Kukal so schnell Früchte tragen würde. "Ich hätte nie gedacht, überhaupt ins Finale zu kommen, habe aber hart mit meinem Coach dafür trainiert und gewusst, dass die Resultate irgendwann kommen." Gegen Depuis, Nummer 91 der Weltrangliste, lag er überdies gleich mit einem Break zurück. Doch dem bislang titellosen Rechtshänder waren die Strapazen des Sonnabends, als er Younes El Aynaoui 5:7, 6:1, 6:2 niederhielt, deutlich anzumerken. Ihm unterliefen erheblich mehr leichte Fehler als in der Vorrunde.

Bei nasser Witterung bereiteten Novak die harten Schläge des Grundlinienspielers kaum Probleme. Erst drehte der Tscheche den ersten Satz zum 6:4, nach einer Stunde und 17 Minuten hatte er schließlich dem tapfer kämpfenden Dupuis aus allen Siegträumen gerissen.

Mit dem Finale der beiden Außenseiter ging zugleich die Ära des kroatischen Daviscup-Kapitäns Pilic bei dem Turnier zu Ende. Zehn Jahre hatte der 61-Jährige Stars wie Ivan Lendl, Björn Borg oder Andre Agassi nach München gelockt. "Jetzt bin ich an den Punkt gelangt, wo ich einer neuen Generation Platz machen möchte", sagte der ehemalige Weltklassespieler, der mit Deutschland drei Mal als Teamchef den Daviscup gewann. Doch machte Pilic ungeachtet der finanziellen Fragen seinen Nachfolgern Mut: "Rudi Berger und Dr. Fritz werden das fortführen, mindestens zehn oder 20 Jahre."

Noch steht unterdessen nicht definitv fest, ob der Finanzchef Dr. Martin Fritz und sein neuer Turnierdirektor, der ehemalige Schiedsrichter Rudi Berger, im nächsten Jahr auch eine 87. Auflage des größten Tennis-Turniers in Bayern ausrichten werden. Verhandlungen mit dem jetzigen Hauptsponsor BMW werden wohl erst Ende Mai eine Entscheidung bringen. "BMW bleibt unser erster Ansprechpartner", erklärte Fritz. Berger ist sich sicher, dass "wir auch im nächsten Jahr hier ein Turnier haben werden."

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