Tennisprofi Florian Mayer : Spiele gegen das Image

In Hamburg mögen sie Florian Mayer mit seiner unorthodoxen Spielweise. Doch der Tennisprofi wird das Image des netten, unscheinbaren Typs einfach nicht los.

von
Der richtige Belag. Auf Sand kann Florian Mayer eine Menge.
Der richtige Belag. Auf Sand kann Florian Mayer eine Menge.Foto: dpa

Die ersten Tennisbegeisterten machten bereits vor den Toren des Hamburger Rothenbaums enttäuscht wieder kehrt. Ausverkauft war der Centre Court am Mittwoch. Das hat es beim wiederbelebten Traditionsturnier lange nicht mehr gegeben. Die Zusage des Schweizer Weltstars Roger Federer hat den Ticketverkauf enorm befeuert, und Thomas Haas wollen sie als ihren Hamburger Jung hier ohnehin immer sehen. Großflächig plakatiert wurde mit den Konterfeis der beiden für das größte deutsche Turnier geworben. Den übrigen deutschen Spielern bleibt nur die Statistenrolle, Florian Mayer hat sich damit abgefunden. „Mein Name zieht eben nicht so sehr“, sagt der 29 Jahre alte Bayreuther. Selbst als er vor zwei Jahren als Nummer 20 der Welt der bestplatzierte deutsche Profi war, hatte sich Turnierdirektor Michael Stich nicht getraut, mit ihm zu werben.

Florian Mayer wird das Image des netten, unscheinbaren Typs einfach nicht los. In Hamburg aber mögen sie den Schlacks mit der unorthodoxen Spielweise, und es ist wohl dieser Rückhalt, der bei Mayer etwas auslöst. Denn hier geht er aus sich heraus, spielt mit dem Publikum und traut sich, Emotionen zu zeigen. „Die Unterstützung ist in Hamburg wirklich besonders“, sagt Mayer, der am Donnerstag im Achtelfinale gegen den Spanier Feliciano Lopez antritt. „Das hilft enorm.“

Mayer weiß, dass die meisten Fans wegen Federer und Haas kommen. Von seinem Lauf ins Viertelfinale von Wimbledon vor einem Jahr hätte die breite Masse kaum Notiz genommen, moniert er. Eher schon, dass er dieses Mal in der ersten Runde gegen den Weltranglistenersten Novak Djokovic ausgeschieden war. „Das war einfach bitter mit der Auslosung“, sagt Mayer. Danach rappelte er sich jedoch auf, um die verlorenen Weltranglistenpunkte zügig wettzumachen und den Absturz auf Rang 60 zu verhindern. Er kämpfte sich beim zweitklassigen Turnier in Braunschweig bis zum Titel und federte damit den Fall auf Rang 45 ab.

Dass er wieder Spaß am Tennis hat, war in den ersten Runden von Hamburg zu sehen, als er Nikolai Dawidenko und Alexandr Dolgopolow überzeugend schlug. „Man kann das Außenstehenden nur schwer erklären“, sagt Mayer, „aber bei diesem Turnier gewinnt tatsächlich der, der am besten Tennis spielt.“ Die Stuttgarter Höhenluft etwa mache den Ausgang von Partien unberechenbar, da die Bälle weiter fliegen als gewöhnlich. „In Hamburg kann man zeigen, was man kann.“

Auf Sand kann Mayer eine Menge. Seine ansatzlosen, beidhändigen Stoppbälle spielt niemand so wie er, auch die eingesprungene Rückhand steht in keinem Lehrbuch. „Bis ins Viertelfinale will ich es auf jeden Fall schaffen“, sagt Florian Mayer. Dann würde wohl Roger Federer warten, der am Mittwoch wie auch Thomas Haas das Achtelfinale erreichte. Aber am Rothenbaum scheint für Mayer derzeit alles möglich.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar