Tennisspieler Klaus Haas : „Okay, jetzt probierst du es mal“

Deutschlands bestplatzierter Tennisspieler ist 71. Hier spricht Klaus Haas über Fitness und Ehrgeiz im Alter.

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Klaus Haas, 71, ist Zweiter der Tennis-Weltrangliste in der Altersklasse Ü 70. Er ist amtierender Deutscher Meister im Einzel und...

Herr Haas, Sie sind 71 Jahre alt und aktiver Tennisspieler. Warum tun Sie sich das noch an?



Das ist die bequemste Art für mich, fit zu bleiben. Wenn man sich fit fühlt, erhöht sich doch auch die Lebensqualität erheblich. Und die Lust am Spiel und an der Bewegung ist bei mir nie verloren gegangen.

Aber würde dafür nicht auch ganz normaler Freizeitsport, wie ihn viele andere in Ihrem Alter noch betreiben, ausreichen?

Ja, aber wenn es so gut läuft, macht man eben weiter. Wenn ich Bundesliga spielen kann, warum soll ich mich dann mit Kreisklasse zufrieden geben?

Wie viele Turniere wollen Sie im neuen Jahr spielen?

Mal überlegen. Der Mai und der Juni sind blockiert von Punktspielen mit dem Verein. Ich spiele für Rot-Weiß Karlsdorf in der Regionalliga, das ist bei den Senioren die höchste Spielklasse. Da haben wir zum vierten Mal gegen Rot-Weiß Berlin im Endspiel um die Mannschaftsmeisterschaft verloren. Und sonst... also, Anfang Januar sind die Europameisterschaften in Seefeld, im Februar die Deutschen Hallenmeisterschaften, im April bin ich in Kroatien bei einem Vorbereitungsturnier, dann die Punktspiele, Pfingstturnier, und so weiter. Da ist praktisch jedes Wochenende im Sommer etwas los. Im Oktober sind wieder die Weltmeisterschaften der Senioren in der Türkei.

Wie oft trainieren Sie in der Woche?

Im Winter mindestens dreimal pro Woche Tennis und zweimal Fitness nebenbei. Tennis ist ein sehr einseitiger Sport. Da muss man schon etwas die Rückenmuskulatur stärken, damit die Belastungen ausgehalten werden können.

Gibt es denn in Ihrem Verein überhaupt Senioren, die mit Ihnen mithalten können?

In Karlsdorf haben wir ganz gute Leute zusammen. Nur sind die halt etwas weit weg, da fahre ich nur einmal in der Woche zum Training hin. Ansonsten habe ich hier in Darmstadt und Mainz genug Leute, mit denen ich trainieren kann. Ich habe selbst mal die Trainerausbildung gemacht, ich weiß ja, worauf es ankommt. Da trainieren wir untereinander.

Wie verbissen spielen Sie noch?

Wenn man auf dem Platz steht, ist es schon recht ernst. Wenn man gewinnen will, muss man kämpfen und die Sache ernst nehmen. Das ändert sich auch im Alter nicht.

In der Weltrangliste der Über-70-Jährigen sind Sie nun auf Position zwei. Schauen Sie da regelmäßig nach, welche Position Sie gerade innehaben?

Ab und zu guck ich mal rein. Ich will ja wissen, wer sich da sonst etabliert hat.

Sie waren zuvor ein Jahr lang die Nummer eins. Wollen Sie die Spitze zurückerobern?

So bin ich da nicht hinterher. Um die Punkte zu erreichen, hätte ich jetzt im Winter nach Südamerika fahren müssen. Die Weltmeisterschaften waren im November in Australien. Und dann habe ich gesagt: Wenn der Deutsche Tennis-Bund überhaupt nichts dazu gibt, fahre ich nicht hin. Und so hat der Australier Robert Howes die nötigen Punkte geholt und ist die Nummer eins geworden.

Ärgern Sie sich über den Deutschen Tennis-Bund?

Das ist ein heikles Thema. Der DTB ist ja pleite. Wenn ich meine Kollegen aus Frankreich, England oder Amerika anschaue: Die werden von ihren Seniorenverbänden gesponsert, wenn sie zur Weltmeisterschaft fahren. Im DTB ist es leider so, dass zwar 50 Prozent der Mitglieder Senioren sind, aber die haben überhaupt nichts zu sagen. Ich glaube der Präsident Herr Waldenfels weiß gar nicht, dass es Senioren gibt. Ich werde vom Verein ein kleines bisschen gesponsert. Über das Jahr muss man sehr viel selbst zuschießen.

Heißt das, dass Sie die ganzen Reisen aus eigener Tasche zahlen?

Meistens ja. Nach Kroatien etwa zahle ich nur den Flug, das Hotel zahlt der Veranstalter, weil der mich da gern haben will. Aber es bleibt immer was an mir hängen.

Waren Sie denn in jungen Jahren auch als Profi aktiv?

Nein, da ich keinen reichen Vater hatte, ging das nicht. Ich musste immer arbeiten, um leben zu können, und da hat es zum Tennis nicht gereicht. In Hessen war ich unter den ersten sechs oder so. Erst als ich Senior wurde, mit 45, ging es mir gesundheitlich so gut, dass ich gesagt habe: Okay, jetzt probierst du es mal. Ich habe natürlich trotzdem weiter gearbeitet. Dass ich es ganz nach vorn schaffen würde, hätte ich nie gedacht.

Ärgert es Sie, dass Sie nicht früher die Möglichkeit zu Ihrem Sport gehabt haben?

Im stillen Kämmerchen schon manchmal, heutzutage wäre es vielleicht einfacher gewesen. Aber das ist der Zug der Zeit, damit muss man sich abfinden.

Was haben Sie jetzt noch für Ziele?

Gar keine. Ich versuche, das Schönste und Beste aus den Sachen zu machen. Ich kann sagen, dass ich alles erreicht habe, was ich erreichen wollte.

Es gibt auch noch die Altersklasse Ü 85. Streben Sie die noch an?

Nein, um Gottes Willen, das muss nicht sein. Aber ein paar Jährchen möchte ich schon noch weitermachen. So lange es eben geht. Wenn ich anfangen muss, Schmerzmittel zu schlucken, damit ich spielen kann, höre ich auf.

Das Gespräch führte Anke Myrrhe.

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