Sport : Terror-Opfer: Wut auf dem Eis

Claus Vetter

Die Stimmung im Sportforum war gedrückt. Der Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) trainierte wie üblich, aber mancher beim EHC Eisbären war mit seinen Gedanken anderswo. "Natürlich war der Terroranschlag in den USA das beherrschende Thema", sagte Trainer Uli Egen.

Es ist ein Thema, dass die Eisbären auch direkt betrifft. In einem der beiden Flugzeuge, die am Dienstag in das World Trade Center geflogen wurden, saßen zwei Scouts der Los Angeles Kings. Der Klub aus der nordamerikanischen National Hockey League (NHL) gehört wie die Eisbären zum Konzern der Anschutz-Gruppe aus den USA. Einer der beiden Spielerbeobachter war im Sommer maßgeblich an der Zusammenstellung des Eisbären-Teams beteiligt. Ace Bailey hatte viele der neuen Spieler beobachtet. "Der erste Schock waren die Bilder aus Amerika", sagte Peter John Lee, Manager der Eisbären, "der zweite Schock kam, als wir erfahren mussten, dass es zwei von unseren Leuten getroffen hat." Lee hatte im Sommer in ständigem Kontakt mit Bailey gestanden.

Spontan hatte die DEL am Dienstag das Spiel zwischen Nürnberg und Oberhausen abgesagt, auch die für Mittwoch angesetzte Partie zwischen Mannheim und München fiel aus. In keiner anderen deutschen Profi-Liga sind so viele Nordamerikaner beschäftigt wie in der DEL mit ihren 20 US-Amerikanern und über 110 Kanadiern. "Wir werden uns mit allen Klub-Vertretern unterhalten und dann weiter sehen", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Nach langer Beratung wurde entschieden, die Spiele am Wochenende auszutragen. Billy Flynn, Marketingleiter bei den Eisbären, begrüßt das. "Wir sind alle wütend", sagte der aus Boston stammende Amerikaner, "aber so eine Tragödie darf nicht alles beeinflussen."

Die Eisbären sagten gestern Fototermine ab, auch das für Sonntag im Rahmen des Spieles gegen die Mannheimer Adler vorgesehene Stadionfest - das Sportforum sollte offiziell in "Wellblechpalast" unbenannt werden - wurde verschoben. Und auch wenn gestern mit großem Einsatz trainiert wurde, ging es bei den Eisbären nicht nur ums Eishockey. Fünf Spieler haben ihren ersten Wohnsitz in den USA. "Zum Glück ist keine der Familien unserer Spieler betroffen", sagte Trainer Egen. Trotzdem, am Wochenende wird gespielt. Auch wenn Egen meint: "Dieses Drama betrifft uns alle."

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