Testspiel für die DFB-Elf : Die Schweiz als Klein-Holland

Die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielt heute zur EM-Vorbereitung gegen die Schweiz (Anstoß 18:00 Uhr). Es geht um die Plätze im Kader - doch nicht nur die möglichen Streichkandidaten müssen sich beweisen.

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Hier spielt der Chef. Bundestrainer Joachim Löw im Zweikampf mit dem Schalker Benedikt Höwedes. Foto: dpa
Hier spielt der Chef. Bundestrainer Joachim Löw im Zweikampf mit dem Schalker Benedikt Höwedes.Foto: dpa

Der Deutsche Fußball-Bund unterhält inzwischen gute Kontakte zur Feuerwehr der ukrainischen Stadt Lemberg. Dort findet für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am 9. Juni das erste EM-Endrundenspiel gegen Portugal statt. Darauf sei jetzt alles ausgerichtet, wie es Lukas Podolski im südfranzösischen Trainingslager sagte, da müsse der Rasen brennen. „Wer hat das gesagt?“, fragt Joachim Löw vorsichtshalber nach. Als dem Bundestrainer der Name Podolski bestätigt wird, ist er beruhigt.

Das EM-Auftaktspiel gegen Portugal ist für die Deutschen noch ein Weilchen hin. Ab heute sind es zwei Wochen. Und über diese beiden Wochen sagt Löw, dass es die entscheidenden sind. 20 Trainingseinheiten stecken dem deutschen Tross in den Knochen. „Der Prolog ist gelungen, aber jetzt kommen die Kraft raubenden und schweren Etappen.“ Da tut Abwechslung gut, etwa das erste von zwei Testspielen. In Basel trifft das deutsche Team heute ohne ihren achtköpfigen Bayern-Block auf die Schweiz (18 Uhr/live im ZDF), das „kleine Holland“, sagt Löw, die Niederländer sind Deutschlands zweiter EM-Gegner. Doch das Spiel gegen die von Ottmar Hitzfeld betreuten Schweizer besitzt noch aus einem anderen Grund seinen Reiz. Am Dienstag nach Pfingsten wird Löw seinen EM-Kader von vorläufig 27 Spielern auf endgültige 23 stutzen. Da das kickende Personal den Pfingstsonntag in der Boxengasse des Formel-1- Grand-Prix im benachbarten Monaco verbringen wird und am Montag erstmals nach dem Drama gegen Chelsea die Bayern im Kreis der Nationalmannschaft zu begutachten sein werden, wird es keine neuen Erkenntnisse über das Spiel gegen die Schweiz hinaus mehr geben.

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Mit dem Boot ging es rüber ins Fahrerlager Foto: dapdWeitere Bilder anzeigen
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24.05.2012 14:48Mit dem Boot ging es rüber ins Fahrerlager

Allerdings hat Löw angedeutet, dass er seine Entscheidungen, welcher Torwart und welche drei Feldspieler aussortiert werden, nicht allein vom Testspiel abhängig machen wird. Dennoch werden einige Spieler in Basel die Gelegenheit bekommen, sich unter Wettkampfbedingungen zu zeigen. Wen es im Einzelnen treffen wird, wollte Löw nicht sagen. Dennoch zeichnen sich Konturen ab. So werden die Madrider Sami Khedira und Mesut Özil nicht über volle 90 Minuten gehen. Hier werden der Dortmunder Ilkay Gündogan, 21, sowie der junge Schalker Debütant Julian Draxler, 18, Einsatzzeit erhalten. Die Abwehr dürfte sich in Abwesenheit der Bayern von allein aufstellen. Also mit Benedikt Höwedes (Schalke) auf der rechten und Marcel Schmelzer (Dortmund) auf der linken Seite, die Innenverteidigung bilden der Dortmunder Mats Hummels und Per Mertesacker vom FC Arsenal. Der lange Zeit verletzte Mertesacker hat seit Februar kein Pflichtspiel mehr bestritten.

Auch Miroslav Klose wird sich beweisen müssen. Der ewige Klose, der vor seinem 115. Länderspiel und seinem sechsten Turnier steht, hatte manche Einheit auf dem Platz des beschaulichen Bergdörfchens Callian auslassen müssen. Der Rücken war’s. „Er muss ran“, sagt Löw – und wird doch kein Risiko eingehen bei seinem Paradestürmer (63 Tore). „Wir brauchen den Miro nicht für 60 Minuten, sondern bei der EM für mehrere Spiele.“ Und wenn es für das Spiel in Basel nicht reichen sollte, auf Klose wird Löw für die EM nicht verzichten. Eher schon auf den Stuttgarter Cacau, dem in Marco Reus ein starker Konkurrent erwachsen ist. Den vielleicht besten Spieler der abgelaufenen Bundesligasaison sieht Löw als echte Alternative für den Sturm. „Er läuft gut quer, er hat ein Näschen dafür“, sagt Löw und fügte hinzu, dass man nicht so sehr mit hohen Bällen operieren, sondern „vorzugsweise flach spielen“ wolle.

Gute Laune, beste Stimmung – alles vorhanden, sagt Löw. Nur habe man in den zurückliegenden Tagen keine Rücksicht genommen auf das Schweiz-Spiel. Vielleicht werde man dem einen oder anderen Spieler die Belastungen der intensiven Trainingstage ansehen, aber so solle es dann auch bitte sein. Ganz am Ende zählt sowieso nur der 9. Juni.

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