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Testspiel WM 2014 Deutschland - Polen : Müdes 0:0 beim Debütantenball

Joachim Löw gewinnt wenig Erkenntnisse im "Spiel mit Aussicht": Mit vielen neuen Gesichtern und dem Schalker Julian Draxler als Kapitän spielt das deutsche Team nur 0:0 gegen Polen.

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Gestatten, Kramer. Der Gladbacher (r.) im Zweikampf mit dem Polen Thiago, Cionek.
Gestatten, Kramer. Der Gladbacher (r.) im Zweikampf mit dem Polen Thiago, Cionek.Foto: dpa

Wahrscheinlich war Hamburg einfach nur mal wieder dran mit einem Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Aber im Nachhinein wirkt es natürlich wie ein perfekt ausgeklügelter Plan, diese Begegnung zwischen einer (leicht) verstärkten deutschen U 21 und der polnischen B-Elf an den Bundesligastandort zu vergeben, an dem in dieser Saison der vielleicht übelste Fußball gespielt wurde. Die Zuschauer werden sich am Dienstagabend bei einigen deutschen Spielern auf dem Feld zwar gefragt haben, wer das denn bitte schön sei, aber das Hamburger Publikum hat in den vergangenen Wochen schon Schlechteres zu sehen bekommen als das, was das zusammengewürfelte Perspektivteam beim 0:0 gegen Polen zeigte. Am Ende gab es neben ein paar Pfiffen sogar freundlichen Applaus für das Team von Bundestrainer Joachim Löw.

Dass der 20 Jahre alte Julian Draxler die Nationalmannschaft nach alter Sitte als Kapitän aufs Feld führen durfte, sagte eigentlich alles: Mit zehn Länderspielen war der Schalker der erfahrenste deutsche Spieler auf dem Feld. In der Startelf standen acht Debütanten, mit der geballten Erfahrung von 13 Länderspielen, später kamen mit André Hahn, Sebastian Jung, Maximilian Arnold und Christian Günter vier weitere Neulinge hinzu. Allein Polens Torhüter Artur Boruc, der schon bei der WM 2006 im Vorrundenspiel gegen die Deutschen im Tor gestanden hatte, brachte es auf mehr Einsätze als der komplette Kader der Gastgeber für dieses Länderspiel.

Dafür, dass die Mannschaft in dieser Formation noch nie zusammengespielt und auch nur eine gemeinsame Trainingseinheit absolviert hatte, war die Leistung vor gerade mal 37.569 Zuschauern in der Hamburger Arena sogar recht ordentlich. Die Deutschen ließen den Ball sicher durch ihre Reihen laufen, nach einer Viertelstunde wies die Statistik 5:0 Ecken für die Gastgeber aus. Deren Defensive ließ vor der Pause wenig zu. Zwei Kopfbälle nach Standardsituationen flogen auf das Tor von Ron-Robert Zieler, dazu ein nicht besonders platzierter Fernschuss.

Die wenigen Routiniers blieben draußen

Dass dem deutschen Spiel nach vorne der Zug abging, war vor allem den besonderen Umständen geschuldet. Natürlich fehlte es an Automatismen, an der Feinabstimmung. Vor der Pause entstand aus dem Spiel heraus nur eine gefährliche Situation, doch Leon Goretzka brachte nach einer Flanke von Linksverteidiger Oliver Sorg keinen Druck hinter den Ball. Sein Schalker Teamkollege Julian Draxler verfehlte mit einem Fernschuss knapp das Tor. Die beste Chance der ersten Hälfte resultierte aus einer Ecke. Der Kopfball von Rechtsverteidiger Antonio Rüdiger wurde kurz vor der Linie geklärt.

Als „Spiel mit Aussicht“ hatte Joachim Löw die Begegnung gegen die Polen zu vermarkten versucht. Für einige der Talente besteht immerhin noch die Aussicht, zur WM nach Brasilien reisen zu dürfen. Der Test gegen Polen war die einzige Gelegenheit, den Bundestrainer noch einmal von den eigenen Qualitäten zu überzeugen. Am Mittwoch oder Donnerstag wird Löw seinen Kader auf 25 oder 26 Spieler reduzieren, die nächste Woche ins Trainingslager nach Südtirol fliegen.

Kevin Volland im Fokus

Von den Debütanten aus dem 30er-Kader machte Shkodran Mustafi in der Innenverteidigung einen sehr erwachsenen Eindruck: Der Spieler von Sampdoria Genua wirkte präsent, robust und zeigte einige gute Spieleröffnungen. Der Schalker Max Meyer deutete immer wieder seine außergewöhnliche Ballfertigkeit an; Klubkollege Leon Goretzka hingegen, der zur zweiten Hälfte in der Kabine blieb, wirkte auf der rechten Seite etwas verloren, genauso wie Kevin Volland in der Spitze. Für einen Stürmer, der auf Zuspiele angewiesen ist, gelten in diesem Fall jedoch durchaus mildernde Umstände.

Dem Hoffenheimer werden trotzdem die besten Chancen eingeräumt, auch die nächsten Runden in Löws WM-Casting zu überstehen. Bessere als André Hahn, der zur zweiten Hälfte kam, zunächst ein bisschen übermotiviert wirkte und mit einer schwachen Flanke gleich eine gute Gelegenheit zunichte machte. Nach Vollands Auswechslung rückte der Augsburger in die Spitze und hatte kurz vor Schluss mit einem Seitfallzieher die beste Chance der zweiten Hälfte. Kurz vor der Linie wurde sein Ball noch gestoppt. Kurz vor der Ziellinie gestoppt zu werden – das könnte André Hahn in den nächsten Tagen noch einmal passieren.

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