Sport : Teuer erkauft

Die Eisbären gewinnen, Fans protestieren gegen hohe Preise

Claus Vetter

Berlin. Fans können akribische Rechner sein. So wie am gestrigen Abend beim Eishockeyspiel zwischen den Eisbären und den Hamburg Freezers im Sportforum. Es waren exakt 30 Minuten gespielt, da verließ ein Großteil der Fans unter dem Protestruf „zu teuer“ die Stehtribünen. Die Anhänger der Eisbären sind mit den Eintrittspreisen nicht einverstanden, vor allem nicht, wenn ein Topzuschlag verlangt wird. Am Freitag kostete der Stehplatz nämlich 20 statt 15 Euro. Daher verließen die Fans die Halle für zehn Spielminuten. „Jeder Euro Topzuschlag zwei Minuten weniger Stimmung“ – so war auf einem Flugblatt zu lesen: Die rund 1000 der 5000 Zuschauer, die es bevorzugten, jene zehn Minuten draußen in der Kälte zu verbringen, verpassten ein Sechstel eines guten Eishockeyspiels, das die Berliner 4:2 (1:0, 1:1, 2:1) zu ihren Gunsten entschieden.

Das Für und Wider des Fanprotestes zu analysieren, ist eine interessante Sache – zumal eine Spitzenmannschaft wie die Eisbären nicht so nebenbei zu finanzieren ist. Die Anhänger sind, so war auf ihrer Note zu lesen, „gegen Billy’s Top-Zuschlag-Agenda 2006“ – sie hatten also den Marketingchef der Eisbären, Billy Flynn, als Preistreiber ausgemacht. Immerhin spielten die Eisbären-Profis sehr ansehnlich, obwohl mit Draxinger, Hördler, Busch und Rankel gleich vier Spieler wegen der am Sonntag in Berlin beginnenden U20-Weltmeisterschaft fehlten.

Nach nur 90 Sekunden ging der Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga in Führung. Steve Walker traf für die Eisbären. Bis zum nächsten Tor dauerte es dann allerdings 31 Minuten. Mitten im Berliner Fanprotest schoss Shane Peacock das 1:1. Der Jubel war danach in etwa so gewaltig wie bei einem Heimspiel des Farmsener Turnvereins in seiner kleinen Eishalle im Hamburger Stadtteil Farmsen – die rund 300 Leute starke Fankolonie der Freezers hatte die akustische Hoheit. Trotzdem kamen die Eisbären durch ein sehenswertes Tor von David Roberts zum 2:1.

Im letzten Drittel, als das Volk auf den Tribünen wieder vollzählig war und sich dort dauersingend bis Spielende aufhielt, kassierte dann Jens Baxmann nach einem Foul am Hamburger Kent Fearns eine Spieldauerstrafe. Hamburg war danach für fünf Minuten in Überzahl, Brad Purdie erzielte dabei sechs Minuten vor dem Ende das 2:2. Doch nach einem Konter gelang den Berlinern wenig später – immer noch in Unterzahl – das 3:2 durch Roberts. In der letzten Sekunde traf dann noch Aldridge zum 4:2. Da waren auch die Fans wieder zufrieden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben