Sport : Teure Meile

Beim Großen Preis in Hoppegarten darf jeder Galopper starten – wenn genug Geld da ist

Ingo Wolff

Hoppegarten. Sein Name ist so düster wie seine Fellfarbe: War Blade. Kriegsschwert klingt für einen edlen Vollblüter nicht gerade schön – besonders, wenn der dunkle Hengst neben Pferden wie Sambaprinz, Bear King (Bärenkönig), Up and Away (Auf und davon) oder Martillo auftaucht. So jedenfalls heißen vier seiner Gegner am Sonntag beim Großen Preis von Deutschland in Hoppegarten. Doch der Name ist bei Galoppern ohnehin zweitrangig, es zählt nur Erfolg. Und dabei zeigt sich War Blades schöne Seite.

Der Hengst gehört zu den schnellsten deutschen Pferden über die Meile. Im vergangenen Jahr lief er an gleicher Stelle – als das Rennen noch Berlin-Brandenburg-Trophy hieß – hinter Sambaprinz auf Platz zwei. Sein Erfolg ist kein Zufall, denn der Hengst aus dem Gestüt Karlshof wird von Andreas Schütz traininert. Er ist Deutschlands erfolgreichster Trainer und hat erst vor einer Woche zum vierten Mal das Deutsche Derby gewonnen. Nun will der Kölner Trainer mit War Blade in Hoppegarten das nächste große Rennen gewinnen. Der Große Porsche Preis von Deutschland, wie das Rennen seit dem Einstieg des neuen Hauptsponsors heißt, ist nicht nur das älteste und profilierteste Zuchtrennen in Hoppegarten, es ist zudem das wichtigste deutsche Meilenrennen.

Wie die Menschen bevorzugen auch Galopper verschiedene Streckenlängen. Und so gibt es eben Sprinter, Meiler und Steher. Gerade für Meiler gibt es in Deutschland aber nicht viele hochdotierte Rennen. Eines davon ist das Rennen am Sonntag, bei dem es um 105 000 Euro Preisgeld geht. Allein der Sieger erhält 63 000 Euro. Zudem geht es um viel Renommee. Der Große Preis ist ein so genanntes Gruppe-II-Rennen – das ist die zweithöchste internationale Kategorie, von denen es in Deutschland nur 14 gibt. Gruppe-I-Rennen gibt es nur sieben, davon ist keines ein Meilenrennen. Deshalb wurden alle guten Meiler für das wichtigste Hoppegartener Rennen des Jahres genannt.

„An sich kann jeder an diesem Rennen teilnehmen“, sagt Geschäftsführer Günther Gudert, „es gibt keine Qualifikation für das Rennen.“ Jeder Trainer oder Besitzer kann sein Pferd im Frühjahr melden, wenn er glaubt, dass es mithalten kann. Einzige Hürde ist das hohe Nenngeld von 1500 Euro. Theoretisch kann ein Pferd kurz vor dem Start nachnominiert werden, dann ist aber die zehnfache Startgebühr fällig. In der Regel zieht ein Trainer ein Pferd wenige Tage vor dem Rennen eher zurück, weil es nicht richtig fit ist. Bei Gruppe-Rennen gibt es keinen Gewichtsausgleich, das heißt, starke Pferde erhalten, anders als in anderen Rennen, kein Zusatzgewicht. „Kein Trainer will sich blamieren“, sagt Gudert. Deshalb werden von vornherein Pferde gemeldet, die im Toprennen mithalten können. „Das zeichnet einen Trainer aus, dass er seine Pferde gut einschätzt“, sagt Schütz. „Wenn ein Pferd überfordert ist, sieht das für den Trainer peinlich aus.“

Schon in der Winterpause plant Schütz für jedes seiner Pferde die Saison und analysiert dann aus den aktuellen Renn- und Trainingsergebnissen sowie der Form der anderen Pferde die Chance seiner Starter. „Wir haben bei War Blade lange überlegt, ob wir ihn laufen lassen“, sagt Schütz. Nun ist er einer von 16 Startern, die von den rund 50 gemeldeten Pferden übriggeblieben sind.

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