Sport : Teure Steffi-Graf-Show

Der frühere Rot-Weiß-Direktor Wensky meldet mit der EWE Tennisturnier Sport GmbH Insolvenz an

Frank Bachner

Berlin - Im Handelsregister des Amtsgerichts Berlin ist die „EWE Tennisturnier Sport GmbH“ unter der Nummer 66039 eingetragen. Alleiniger Gesellschafter: Eberhard Wensky, früherer Direktor des Tennisklubs Rot-Weiß, früherer Geschäftsführer der Rot-Weiß GmbH und 25 Jahre lang Direktor des Weltklasse-Frauenturniers German Open in Berlin. Gut möglich, dass der Eintrag bald gelöscht wird. Denn Eberhard Wensky hat für seine GmbH Insolvenz angemeldet. „Die aktuellen Verbindlichkeiten betragen rund 250 000 Euro“, sagte Wensky dem Tagesspiegel. Ein paar Gläubiger dürften jetzt Angst haben, dass nur noch ein Bruchteil ihrer Forderungen erfüllt wird.

Die EWE Tennisturnier Sport GmbH richtete unter anderem im September 2004 den Schaukampf zwischen Steffi Graf und Gabriela Sabatini in der Max-Schmeling-Halle aus. Anlass war die feierliche Umbenennung des Stadions auf der Rot-Weiß-Anlage in Steffi- Graf-Stadion. In diesem Stadion hatte die Karriere der früheren Weltranglistenersten begonnen. Als Wensky aber die finanzielle Bilanz der Veranstaltung zog, war die Feierstimmung dahin. „Der Schaukampf hat rund 40 000 Euro Verlust gebracht“, sagt Wensky.

Er hatte mit mehr Sponsoreneinnahmen gerechnet, aber Geldgeber blieben aus. „Die Situation im Tennis ist nicht einfach“, sagt der frühere Turnierdirektor. Die Versicherungsgesellschaft, die den Schaukampf versichert hatte, wartet immer noch auf Geld von der EWE Tennisturnier Sport GmbH. „Stimmt, da steht noch etwas aus, rund 15 000 Euro“, sagt Wensky. Auch das Jugendturnier im Sommer 2005, das die GmbH auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß ausgerichtet hat, wurde kein Erfolg. Das Geld für die Schiedsrichter, die bei dieser Veranstaltung arbeiteten, überwies Wensky erst mit monatelanger Verspätung. „Ein paar Sponsoren haben verspätet bezahlt“, sagt Wensky dazu. „Die GmbH hat allerdings auch noch ausstehende Forderungen gegenüber Werbepartnern.“

Hauptgrund für die Insolvenz ist für den 66-Jährigen allerdings der Umstand, dass er die hohen Verbindlichkeiten der Rot-Weiß GmbH habe übernehmen müssen. „Ich habe gedacht, ich könnte mit Werbemaßnahmen und mit Sponsoren Gewinne erzielen“, sagt Wensky. Das habe allerdings nicht geklappt, weil sich die Situation im Tennis verschärft habe.

Die EWE Tennisturnier Sport GmbH ist aus der Rot-Weiß GmbH hervorgegangen. Die hatte den sportlichen Betrieb von Rot-Weiß abgewickelt. Spitzenspieler von Rot-Weiß hatten Verträge mit der Rot-Weiß GmbH, doch weil diese GmbH finanzielle Probleme hatte, wurden Gehälter verspätet gezahlt. Teilweise warten Spieler bis heute auf ihr Geld. „Die EWE Tennisturnier Sport GmbH und die Rot-Weiß GmbH sind keine zwei Rechtsformen“, betont Rot-Weiß-Präsident Hans-Jürgen Jobski. „Die GmbH wurde nur umbenannt.“ Der Klub hatte seine Anteile im August 2004 für einen symbolischen Preis komplett an Wensky abgetreten. Der Verein wollte nach Jobskis Angaben aber die offenen Spielergehälter mit einem Abschlag bezahlen. Vorausgesetzt, die Betroffenen seien einverstanden. „Bis auf zwei Fälle ist das geschehen“, sagt Jobski.

Die Frage ist jetzt, ob auch der Klub von der Insolvenz der EWE Tennisturnier Sport GmbH betroffen ist. „Überhaupt nicht“, sagt Jobski. „Wir haben mit der GmbH nichts zu tun.“ Auch die zwei ausstehenden Spielergehälter seien allein Wenskys Sache. Einer der betroffenen Spieler ist nach Tagesspiegel-Informationen Vitali Chvets, der jahrelang für die Berliner angetreten ist. Er soll noch rund 15 000 Euro erhalten. Nach Jobskis Angaben habe Chvets, der jetzt in Weißrussland lebt, das Klubangebot abgelehnt. Er besteht ganz offensichtlich auf seinem vollständigen Gehalt. Nach Jobskis Worten will der Spieler das Geld von Wensky, weil er einen Vertrag mit der Rot-Weiß GmbH hatte.

Nach Wenskys Ansicht muss allerdings der Klub das ausstehende Gehalt bezahlen. „Das ist die Sache von Rot-Weiß“, sagt Wensky. Mit einem anderen früheren Spieler, der ebenfalls noch auf sein Gehalt wartet, habe er dagegen eine Lösung vereinbart.

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