Sport : Teurer Sünder

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Benedikt Voigt über Jan Ullrichs Gehaltsvorstellungen

Angenommen, das Knie schmerzt Sie so sehr, dass Sie ihrer Arbeit seit Januar nicht mehr nachgehen können. Das frustriert Sie derart, dass Sie sich eine Alkoholfahrt mit Unfallflucht sowie ein Drogenvergehen leisten. Ein Unbekannter hat ihnen in einer Diskothek zwei Pillen zugesteckt, die Sie natürlich runterschluckten. Ihr Berufsverband sperrt Sie daraufhin für ein halbes Jahr und auch ihr Arbeitgeber lässt den Vertrag mit ihnen ruhen. Und was machen Sie? Sie kündigen den Vertrag. Und jetzt kommt die entscheidende Frage. Angenommen, jemand bietet Ihnen trotz dieser unrühmlichen Serie eine neue Arbeitstelle an – für wie viel Geld würden Sie dorthin wechseln? „Für eine Million Euro wechselt Jan nirgendwo hin“, sagt Wolfgang Strohband.

Wahrscheinlich sind Sie nicht so prominent wie der Radprofi Jan Ullrich. Dennoch muten die Gehaltsvorstellungen seines Managers unverschämt an. Ullrichs letzter großer Erfolg, der Weltmeistertitel, liegt bereits ein Jahr zurück. Seitdem landete der 28Jährige mehrfach ähnlich tölpelhaft auf dem Boden wie bei seinem berühmten Sturz in die Böschung bei der Tour de France. Geschätzte 1,5 Millionen Euro pro Jahr soll Ullrich zuletzt beim Team Telekom verdient haben. Und jetzt soll das CSC-Tiscali-Team in ähnliche Dimensionen vorstoßen?

Als hätten Alkoholfahrt und Drogendelikt an Jan Ullrichs Image keinen Schaden angerichtet. Als sei er immer noch der Liebling aller Deutschen wie nach seinem Toursieg 1997. Als müsste er nur wieder auf das Rad steigen, damit sich Erfolge einstellen. Doch ganz so einfach scheint es nicht zu sein. Manager Strohband sucht im Auftrag von Bjarne Riis nach Sponsoren, damit sich Tiscali den teuren Sünder leisten kann. Der Däne, der mit Ullrich einst gemeinsam beim Team Telekom fuhr, sagt: „Ich stehe in positiven Verhandlungen mit vier, fünf Interessenten.“ Die Wirtschaft scheint das Spiel des Managers mitspielen zu wollen. Unter Bierbrauern und Pharmafirmen dürfte Ullrich inzwischen einen guten Ruf haben.

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