Sport : Teurer Titel

Nach der Meisterschaft planen die Eisbären die neue Saison, in der einige Spieler mehr Geld haben wollen

Claus Vetter

Berlin - Donnerstag: Riesenparty mit Politprominenz beim Hauptsponsor am Reichpietschufer. Freitag: ab 17.00 Uhr Autokorso über den Kurfürstendamm zum Roten Rathaus, dort um 18 Uhr Empfang beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, schließlich spielt dann ab 19.30 Uhr die erfahrene Rockband „Die Puhdys“ im Wellblechpalast auf – zur finalen Meisterfeier beim EHC Eisbären. Der Feiermarathon nach dem Gewinn der deutschen Eishockey-Meisterschaft hat dafür gesorgt, dass der Manager des Berliner Klubs bereits am Donnerstagmittag seinen Geschäften nur noch mit heiserer Stimme nachgehen konnte. „Was soll es“, sagte Peter John Lee. „Es ist momentan schöner Stress.“

Seit die Berliner am Dienstagabend mit dem dritten Sieg im dritten Finalspiel gegen Mannheim ihren ersten Titel feiern durften, hat sich die Welt der Eisbären verändert. „Wie stark, das werden wir erst merken, wenn der schöne Stress vorbei ist“, sagt Lee. Dann zum Beispiel, wenn der Manager mit seinem Personal über Vertragsverlängerungen spricht. Da wäre etwa Verteidiger Shawn Heins, der mit seinen guten Auftritten beim Gewinn der Meisterschaft maßgeblich mitgeholfen hat. Heins ist sich dessen bewusst: Er will in Berlin bleiben, aber sein Preis ist gestiegen. Und Lee hat ein Problem. „So eine Meisterschaft kostet anscheinend viel Geld“, sagt er. „Aber ich kann doch nicht jedem Spieler jetzt mehr bezahlen.“

Das muss Lee auch nicht. Die Stürmer Alexander Barta und Florian Keller wechseln nach Hamburg beziehungsweise Ingolstadt. Der schwedische Verteidiger Ricard Persson, schon 35 Jahre alt, wird in Österreich in Klagenfurt sein Glück versuchen, und der Kanadier Rob Shearer wird sich einen neuen Klub suchen müssen. Kotrainer Don Jackson ist bei der Düsseldorfer EG als Cheftrainer im Gespräch. Damit wäre die Liste der sicheren Abgänge der Eisbären komplett. Denn dass in der nordamerikanischen Profiliga NHL die kommende Saison pünktlich startet, ist unwahrscheinlich. Das Engagement von Torwart Olaf Kölzig, Verteidiger Nathan Dempsey und Stürmer Erik Cole könnte sich bei den Eisbären somit verlängern. Vielleicht ist Manager Lee mehr auf Kölzig angewiesen, als er glauben will. Oliver Jonas hat zwar noch einen Vertrag in Berlin. Es ist aber bekannt, dass der Torwart zu den Kölner Haien will. Jonas hat nach der Verpflichtung von Kölzig das Berliner Management heftig kritisiert und Wechselabsichten geäußert.

Zunächst einmal fährt Jonas mit seinen Berliner Mitspielern Barta und Sven Felski zur am 30. April beginnenden Weltmeisterschaft in Wien, Stürmer Stefan Ustorf wird dort wegen eines Innenbandanrisses fehlen. Lee wird auch in Wien sein – als Kotrainer der Schweiz. Gewinnt die ihr Vorrundenspiel gegen Deutschland, könnte Lee sogar ein Problem mit den Eisbären bekommen: Dann gerät die Teilnahme der Berliner am Europacup-Turnier in St. Petersburg in Gefahr, da dort nur die Meister der ersten sechs europäischen Länder der Weltrangliste antreten dürfen. Deutschland liegt momentan einen Platz vor der Schweiz. Peter John Lee weiß um die Problematik, schiebt sie aber zur Seite. „Dann müssen die Deutschen bei der WM eben gegen andere Länder gewinnen, sie sind doch stark genug.“

Stark genug, um ihrer Rolle als Meister gerecht zu werden, wollen die Eisbären auch kommende Saison sein. Fünf, sechs neue Spieler werden nach Berlin kommen, zudem soll die Förderung der jungen Spieler stärker vorangetrieben werden. Deshalb fällt der Urlaub von Akteuren wie Frank Hördler – der 20 Jahre alte Verteidiger schaffte in dieser Saison den Durchbruch in der ersten Mannschaft – auch sehr kurz aus. Im Mai beginnen Hördler und Co. wieder mit dem Training, fünf Tage die Woche. „Sie bekommen schließlich Geld dafür, und jetzt haben sie ja drei Wochen frei“, sagt Lee. „Das muss reichen.“ Wenn man oben bleiben will, ist das wohl so. Denn nach der Meisterfeier ist vor der nächsten Saison.

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