Theo Zwanziger : Ich bleib der Präsident

Theo Zwanziger will den DFB weiter führen – die Affäre Amerell hat er aber nicht ausgestanden.

Theo Zwanziger
Theo ZwanzigerFoto: dpa

Berlin - Theo Zwanziger ist immer dann am ehrlichsten, wenn er sich heimisch fühlt. Vor zwei Wochen, als ihn sein heimatlicher Fußballverband Rheinland ehrte, sprach der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) von Amtsmüdigkeit: „Ich spüre eine tiefe Sehnsucht nach dem Privaten“, entfuhr es dem 65-Jährigen, den die öffentliche Kritik an seiner Amtsführung ins Herz getroffen hat. In dieser Woche nun, nach ein wenig Wundenschonung im Familienkreise, saß er auf der WM-Tribüne des von ihm fast schon übertrieben geförderten Frauenfußballs und ließ sich zu einem kleinen Satz hinreißen, der vieles aussagt über Zwanzigers Sicht auf sein Amt: „Mir würde vielleicht sonst was fehlen.“

Nun also will er doch für drei weitere Jahre antreten, der Jurist aus Altendiez im Westerwald. Das teilte er dem Präsidium des DFB am Freitag in Frankfurt am Main mit, ohne einen der Anwesenden zu überraschen. Zwanziger kann von seiner Aufgabe nicht lassen, und der größte Sportverband der Welt hätte auch nur mit Mühe eine Alternative aufbieten können. Der Präsident hat seinen Verband zunächst reformiert und gesellschaftlich geöffnet, um später immer mehr eigene Befindlichkeiten mit den ihm übertragenen Verbandsaufgaben zu verknüpfen. Theo Zwanziger, beim Manipulationsskandal als Krisenmanager und nach dem Tod von Robert Enke als Empathieträger positiv aufgefallen, verhedderte sich zuletzt in Rückzugskoketterie und hatte Mühe, Fehler wieder gutzumachen.

Die Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw, vor der Weltmeisterschaft in Südafrika vorschnell verkündet, geriet zum Scheitern mit öffentlicher Farce, die Zwanziger erst durch den neuen Vertrag nach dem überraschend erfolgreichen Turnier heilen konnte. In der sich zur Schlammschlacht ausweitenden Affäre um den früheren Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell stellte sich Zwanziger allzu früh auf die Seite des möglichen Nötigungsopfers, des jungen Referees Michael Kempter. Dessen Glaubwürdigkeit wird allerdings inzwischen durch von Amerell an die Öffentlichkeit gezerrte intime Details erschüttert – zudem will Amerell, der alle Vorwürfe bestreitet, den DFB und Kempter auf Schadenersatz verklagen. Die DFB-Führung beschäftigte sich am Freitag mit der Affäre, ohne die Ansprüche Amerells anzuerkennen. Der Verband erklärte, nun noch einmal alle gegenseitigen Vorwürfe zu prüfen. Kempter soll zunächst kein Spiel mehr pfeifen – ein Indiz dafür, dass die Angelegenheit längst nicht ausgestanden ist.

Immerhin, auf Zwanziger warten nach seiner Wiederwahl im Oktober auch noch schöne Ereignisse: die Frauenfußball-WM im kommenden Sommer sowie zwei Turniere der jungen und wild aufspielenden Nationalmannschaft. Und selbst die vom zögernden Präsidenten herbeigesehnten Solidaritätsadressen liefen nun am Freitag über die Nachrichtenticker: Die Bundesliga gab sich zufrieden, die Amateurverbände erleichtert, Joachim Löw erfreut. Nur seine Sehnsucht nach dem Privaten hat sich für Theo Zwanziger nicht erfüllt.

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